„Von Beruf Mensch"
„Von Beruf Mensch"

Flashmob am Stephansplatz für bessere Gesundheitsversorgung

Am Mittwoch überraschte die Wienerinnen und Wiener am Stephansplatz ein Aufgebot von mehr als 300 Demonstrierenden, die allerdings alles andere als gewöhnlich waren. Die Wiener Ärztekammer sowie die Gewerkschaften GÖD-Gesundheitsgewerkschaft und younion _ Die Daseinsgewerkschaft Hauptgruppe II veranstalteten einen Flashmob vor den U-Bahnausgängen sowie eine Kundgebung vor dem Dom mit Hunderten fiktiven Demonstrierenden in Form von Pappkarton-Figuren.

red

Diese Pappfiguren sollen für „echte“ Menschen stehen, die die Kundgebung mittels eines Online-Livestreams verfolgten. In Zeiten von Corona setzten die beteiligten Institutionen mit dieser „hybriden“ Online-Demo neue Wege und forderten „mehr Wertschätzung und größere Aufmerksamkeit“ für die Probleme des Gesundheitspersonals in den öffentlichen Trägern. 

Die beteiligten Gewerkschaften und die Ärztekammer machen sich mit der Initiative „Von Beruf Mensch“ für das öffentliche Gesundheits-und Pflegesystem in Österreich stark und setzen sich für bessere Arbeits- und Lebensbedingungen für alle Beschäftigten aus mehr als 130 Berufsgruppen aus den Bereichen der Ärzteschaft, der Pflege, der MTDG, der Verwaltung, der Technik, dem Handwerk, dem Service bzw. der Versorgung, den medizinischen Assistenzberufen sowie den Lehrenden, Auszubildenden und Studierenden ein.

„Von Beruf Mensch“ fordert für alle Menschen in Österreich ein starkes öffentliches Gesundheitssystem. Zudem sind die drei beteiligten Institutionen mit weiteren Gewerkschaften und der Arbeiterkammer Kooperationspartnerinnen in der „Offensive Gesundheit“, deren gesammelte Forderungen in der „Roadmap Gesundheit 2020“, die im Herbst 2020 bereits an Gesundheitsminister Rudolf Anschober übergeben wurde, zu finden sind.

Mehr Personal und mehr Zeit

„Der gewählte Name der Initiative soll vom durch Corona erlangten Heldenstatus der Gesundheitsberufe abkehren, denn Helden sterben bekanntlich jung. Hier arbeiten Menschen mit endlichen Kräften und Ressourcen“, erklären die Initiatoren von „Von Beruf Mensch“.

„Der nun einjährige Kampf gegen die Pandemie und für die Gesundheit aller Menschen in Österreich, die damit einhergehenden Vorschriften und Arbeitsbedingungen, die stete Vorherrschaft des Themas auch im privaten Umfeld sowie der vorherrschende Druck und Belastungsgrad verlangen den Beschäftigten sowohl physisch als auch psychisch unglaublich viel ab“, meint Edgar Martin, Vorsitzender der younion _ Die Daseinsgewerkschaft Hauptgruppe II.

„Wir fordern deswegen mehr Zeit für Menschlichkeit und dazu brauchen wir mehr Personal, Planungssicherheit und mehr Investitionen in das Gesundheits- und Pflegesystem.“ Laut Martin werde man erst nach der Pandemie wirklich beurteilen können, wie es den Beschäftigten ginge und welche Folgeschäden zu Tage treten würden:
„In Anbetracht der fehlenden Fachkräfte gilt es vor allem, das bestehende Personal gesund im Beruf zu halten.“ Jede Hand, egal in welcher Berufsgruppe, zähle und werde dringend benötigt.

Mehr Aufmerksamkeit und Wertschätzung gefordert

„Wir fordern mehr Aufmerksamkeit und Wertschätzung für das öffentliche Gesundheitssystem“, ergänzt Wolfgang Weismüller, Vizepräsident und Obmann der Kurie angestellte Ärzte der Ärztekammer für Wien, und erklärt: „Bei unserer Arbeit steht die Gesundheit unserer Patientinnen und Patienten stets im Mittelpunkt.“ Dafür brauche man aber ausreichend Arbeitsmittel und gute Arbeitsbedingungen.

Auch eine gute Aus- und Weiterbildung ist für Weismüller sehr wichtig: „Um einer erfolgreichen Zukunft entgegensehen zu können, brauchen wir mehr und attraktive Ausbildungsplätze, moderne Lehrpläne und finanzielle Sicherheit für die Auszubildenden.“ Aber auch die Ausbildner müssen „ausreichend“ Zeit haben, um ihr Wissen weitergeben zu können.

Faire Bezahlung und starkes System notwendig

„Eine faire Bezahlung und bessere Arbeitsbedingungen sind ebenfalls notwendig um ein funktionierendes öffentliches Gesundheitssystem aufrechtzuerhalten“, ergänzt Reinhard Waldhör, Vorsitzender der GÖD-Gesundheitsgewerkschaft. „Wir gehen Risiken ein und geben stets das Beste für unsere Patientinnen und Patienten“, so Waldhör, der auch Minister Anschober in die Pflicht nimmt: „Reformen stehen dringend an, wir müssen jetzt vom Reden ins Handeln kommen.“ Gerade in der Pandemie habe sich ein gut funktionierendes Gesundheitssystem in öffentlicher Hand sehr bewährt: „Wir brauchen daher ein starkes öffentliches System, das keine Profite mit unserer Gesundheit macht“, betont Waldhör.

„Wir funktionieren nur gemeinsam, sowohl was das Gesundheits- und Pflegesystem betrifft als auch die Gesellschaft im Ganzen. Auf diese Art haben wir in der Vergangenheit viel erreicht, und so werden wir auch in Zukunft noch viel erreichen“, erklären alle drei Initiatoren gemeinsam. Was man jetzt als Team „definitiv“ brauche, sei „Solidarität mit unserer Gesundheit“.

 

Flashmob Stephansplatz
v.li.: Reinhard Waldhör (Vorsitzender GÖD-Gesundheitsgewerkschaft), Wolfgang Weismüller (Vizepräsident und Obmann der Kurie angestellte Ärzte der Ärztekammer für Wien) und Edgar Martin (Vorsitzender younion _ Die Daseinsgewerkschaft Hauptgruppe II) forde
Stefan Selig
 
© medinlive | 08.05.2021 | Link: https://medinlive.at/gesundheitspolitik/flashmob-am-stephansplatz-fuer-bessere-gesundheitsversorgung