Asthma
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Forscher untersuchen Wirkung von hochalpinen Bedingungen

Anfallsartig auftretende Atemnot, nächtlicher Husten, Engegefühl in der Brust und erschwertes Ausatmen können Symptome für Asthma sein. Cortisonsprays können die chronische Entzündung in den Bronchien wirkungsvoll unter Kontrolle bringen, haben aber auch ein gewisses Nebenwirkungsrisiko. Ob niedrige Sauerstoffwerte - also Höhenluft - zusätzlich gegen allergisches Asthma helfen kann, wird in einer Grazer Forschungskooperation untersucht.

red/Agenturen

Viele Allergiker und Asthmatiker fühlen sich in einer Höhe ab 1.200 Meter körperlich wohler. Das hat man schon vor mehr als 100 Jahren erkannt und Höhenklimatherapie (HACT) bereits eingesetzt, bevor überhaupt pharmakologische Behandlungen zur Verfügung standen. Auf welchen molekularen Mechanismen diese klinische Verbesserung beruht, sei bis heute jedoch nicht ausreichend erforscht, teilte die Medizinische Universität Graz am Dienstag per Aussendung mit. Forscher des Ludwig-Boltzmann-Instituts (LBI) für Lungengefäßforschung und der Med-Uni Graz versuchen Licht ins Dunkel zu bringen.

„In der Literatur finden sich zahlreiche Fallberichte, die eine Besserung des allergischen Asthmas durch die HACT beschreiben. Zudem konnte beobachtet werden, dass es bei Asthmapatientinnen und -patienten aus hoch gelegenen Regionen zu einer Verschlimmerung ihrer Krankheit kommt, wenn sie sich in niedrigeren Höhenlagen aufhalten“, schilderte Leigh Marsh vom LBI den Ausgangspunkt ihrer Überlegungen.

Die Frage, was zu den positiven Effekten der Höhentherapie beiträgt, kann derzeit nicht mit Sicherheit beantwortet werden: Zum einen ist die trockene, kalte Höhenluft besonders rein und frei von Schadstoffen und die Belastung durch Allergene wie Hausstaubmilben, Pollen und Schimmelpilzsporen niedriger. Einen weiteren Effekt könnte die höhere Exposition gegenüber UV-B-Strahlung, die mit immunmodulatorischen und anti-inflammatorischen Effekten assoziiert wird, haben.

Immun-Kettenreaktion von Beginn an gehemmt

Mit dem geringeren Luftdruck in der Höhe sinkt zudem auch der Sauerstoffpartialdruck und somit auch der Anteil an Sauerstoff, der über die Atmung aufgenommen werden kann. Im Gewebe kommt es zu einer Art Sauerstoffmangel - der sogenannten Hypoxie. Marsh, der zugleich die Arbeitsgruppe für Chronische Atemwegs- und Lungenerkrankungen am Otto Loewi Forschungszentrum an der Med-Uni Graz leitet, hat gemeinsam mit seinen Kollegen zelluläre Mechanismen, die dieser Sauerstoffmangel auslöst, untersucht. Dazu haben die Forschenden mit Mäusen, die auf Hausstaubmilben allergisch sind, in normaler Raumluft bzw. in Sauerstoffbedingungen, die einer Meereshöhe von 5.000 Metern entsprechen, gearbeitet. Es zeigte sich, dass unter Bedingungen mit extrem reduzierter Sauerstoffkonzentration offenbar die allergische Entzündung unterbrochen wird.

Bei einer allergischen Immunreaktion erkennen im Regelfall sogenannte Antigen-präsentierende Zellen das Allergen und präsentieren es den T-Zellen. Diese stimulieren wiederum B-Zellen, die letztendlich spezifische Antikörper produzieren und freisetzen: Die allergische Reaktion wird ausgelöst. „Reduzierte Sauerstoffkonzentration hemmt diese Effekte. Die Hypoxie ist somit ein wichtiger Faktor, der die Effekte des Höhenaufenthalts erklärt“, fasste Marsh die jüngsten Beobachtungen seiner Arbeitsgruppe zusammen. Wie die Forscher erkannten, wurde die Immun-Kettenreaktion von Beginn an gehemmt, beginnend bei den Antigen-präsentierenden Zellen, die eine bestimmte Sauerstoffkonzentration benötigen, um voll aktiv zu werden. Außerdem werde Sauerstoff grundsätzlich für die Kommunikation zwischen den verschiedenen Immunzellen benötigt.

„Unsere Untersuchungen dienen als Grundsatzstudie und identifizieren mehrere grundlegende hypoxiebedingte molekulare Signalwege, die bei HACT eine Rolle spielen könnten“, unterstrich Marsh. Es seien weitere Arbeiten erforderlich, um die Mindesthöhe und Dauer der Höhenexposition für eine effektive Therapie von Asthma zu bestimmen, wie Marsh betonte. „Wir schlagen unser experimentelles Modell für weitere Untersuchungen vor. Insbesondere weitere Forschungen der Hypoxie-vermittelten Wirkungen auf die Immunzellen und ihr Zusammenspiel wären vielversprechend, um durch kleine interferierende Moleküle oder biologische Wirkstoffe dauerhaft Einfluss auf allergisches Asthma nehmen zu können“, schätzte Marsh den Forschungsbedarf ein. Die neuen Erkenntnisse wurden kürzlich im Journal „Allergy“ veröffentlicht.

 

Studie

 

Berge Alpen
Eine Grazer Forschungskooperation untersucht, ob niedrige Sauerstoffwerte - also Höhenluft - zusätzlich gegen allergisches Asthma helfen kann.
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© medinlive | 28.11.2021 | Link: https://medinlive.at/wissenschaft/forscher-untersuchen-wirkung-von-hochalpinen-bedingungen