Corona-Impfstoff
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Von der Leyen verteidigt EU-Impfstrategie

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat die europäische Corona-Impfstrategie verteidigt. Kritik am schleppenden Impfstart in vielen EU-Staaten vermied die deutsche Politikerin am Freitag in Brüssel jedoch. „Ich bin der tiefen Überzeugung, dass dieser europäische Weg richtig ist und ich glaube, in der Rückschau wird sich das auch beweisen.“ Zudem gab sie bekannt, dass die EU sich weitere 300 Millionen Dosen des Corona-Impfstoffs der Mainzer Firma Biontech und ihres US-Partners Pfizer gesichert habe.

red/Agenturen

Sie sei sehr beruhigt zu sehen, dass jedes EU-Land sein Bestes gebe, um die Impfungen so schnell wie möglich umzusetzen. Es sei beeindruckend, wie schnell sich die Länder den Gegebenheiten angepasst hätten. Die Organisation der Massenimpfungen sei eine „logistische Herausforderung“. Es sei von vorneherein klar gewesen, dass man nicht „auf einen Schlag“ alle impfen könne.

Wenn man eines Tages zurückschaue, werde man sehen, dass es zu Beginn etwas holprig war. „Das ist immer so bei solchen großen Veränderungen, die man angeht. Aber in der Rückschau bin ich der festen Überzeugung, dass man sehen wird, dass hier viel geleistet worden ist in den Mitgliedstaaten, die Impfungen tatsächlich auch auf den Weg zu bringen.“ Die Anzahl der Impfungen müsse jedoch „zügig“ angehoben werden.

Von der Leyen betonte zudem, dass alle Entscheidungen über Impfstoff-Einkäufe gemeinsam mit den EU-Staaten getroffen würden. Zuletzt hatten auch deutsche Politiker kritisiert, dass in Europa nicht genug Impfstoff gegen Covid-19 zur Verfügung stehe.

EU sichert sich weitere 300 Millionen Dosen Biontech-Vakzin

Am Freitag hatte von der Leyen bekanntgegeben, dass die EU sich bis zu 300 Millionen Dosen des Corona-Impfstoffs der Mainzer Firma Biontech und ihres US-Partners Pfizer gesichert habe. 75 Millionen Dosen davon sollten bereits im zweiten Quartal 2021 zur Verfügung stehen. Die europäische Arzneimittelagentur EMA erlaubt zudem ab sofort, dass aus einem Biontech-Impffläschchen sechs statt bisher fünf Impfdosen genommen werden.

Von den bereits zugelassenen Mitteln von Biontech/Pfizer sowie dem US-Unternehmen Moderna hat die EU sich mittlerweile 760 Millionen Einheiten gesichert. Damit könnten mehr als 80 Prozent der EU-Bevölkerung geimpft werden, sagte von der Leyen.

Der neue Vertrag folgte auf Klagen über Knappheit von Impfstoff in EU-Staaten. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) bedankte sich bei Von der Leyen, die „dafür alle Hebel in Bewegung gesetzt“ habe. Die Beschaffung sei ein wichtiger Erfolg für die EU, das Kontingent somit verdoppelt. Zudem begrüße er die EMA-Entscheidung bezüglich der sechsten Impfdose pro Fläschchen. „Alleine diese Einzelmaßnahme wird es ermöglichen, in Österreich mit den bestehenden Kontingenten eine halbe Million Menschen zusätzlich zu impfen“, betonte er in einem Statement gegenüber der APA.

Die weiteren 300 Millionen Impfdosen zeigten, dass die EU „sehr, sehr schnell ist“, was den gemeinsamen Beschaffungsprozess betrifft, sagte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne). Kritik daran verstehe er nicht, vielmehr findet er es beachtlich, dass „die Marktmacht Europa sehr, sehr gut eingesetzt wurde“. Vor allem für das zweite Quartal bedeuten die zusätzlichen Dosen für Österreich einen „super Schritt“. Österreich hat sich für das zweite Quartal bereits 740.000 Biontech/Pfizer-Impfstoffdosen gesichert und werde nun weitere Einmeldungen vornehmen.

Das Biontech/Pfizer-Präparat war am 21. Dezember als erster Corona-Impfstoff in der EU zugelassen worden. Am Mittwoch wurde auch das Mittel des US-Herstellers Moderna genehmigt. Bereits im November hatte die EU-Kommission für alle 27 Staaten bis zu 300 Millionen Impfstoffdosen von Biontech/Pfizer bestellt – eine feste Bestellung von 200 Millionen Dosen und eine Option auf 100 Millionen weitere, die vor kurzem gezogen wurde. Auch die neue Vereinbarung sieht diese Aufteilung vor.

Der Impfstoff von Biontech/Pfizer ist der bisher einzige, der in der EU genutzt wird. Von der Leyen sagte, sie sei besonders froh, dass 75 Millionen Einheiten bis Ende Juni ausgeliefert würden.

In Deutschland wird derzeit ein neuer Produktionsstandort von Biontech in Marburg aufgebaut. Wenn dieser wie geplant im Februar in Betrieb geht, dann kann das Unternehmen die Impfstoffproduktion massiv ausbauen. Das soll zu früheren Lieferungen bestellter Dosen führen.

Neben Biontech/Pfizer gibt es bereits Rahmenverträge mit fünf weiteren Herstellern. Inklusive des neuen Vertrags mit Biontech/Pfizer kann die EU nun insgesamt mehr als zwei Milliarden Dosen beziehen. Von Moderna hat die EU-Kommission bis zu 160 Millionen Dosen gesichert.

 
© medinlive | 18.04.2021 | Link: https://medinlive.at/gesundheitspolitik/von-der-leyen-verteidigt-eu-impfstrategie