Coronavirus

Causa Tirol: „Besser spät als nie"

So kommentierte der Komplexitätsforscher Peter Klimek gegenüber die angekündigten Maßnahmen zur Eindämmung der Südafrika-Variante des SARS-CoV-2-Virus in Tirol. „Sehr überraschend“ sei gewesen, „dass man die Erfahrungen aus dem letzten Jahr nicht mitgenommen hat, um da früher zu reagieren.“ Die nun „mehr oder weniger beherzte Entscheidung“ nach längerem Bund-Länder-Match bringe hoffentlich einen Lerneffekt, da weitere Varianten kommen würden.

red/Agenturen

Derartige Entscheidungen müssten immer unter Unsicherheit getroffen werden, „denn, wenn man dann genügend Daten zur Verbreitung der Variante hat, ist es schon zu spät“, sagte der Wissenschafter vom Complexity Science Hub Vienna (CSH) und der Medizinischen Universität Wien. Klar sei, dass der britische (B.1.1.7) und südafrikanische Mutationscluster (B.1.351) „nicht das Ende vom Lied sind“. Das Auftreten neuer Abkömmlinge sei eine Frage der Zeit, wenn man etwa in Richtung der brasilianischen Varianten (P.1) blicke.

„Es wäre dringend notwendig, dass man auf diese Szenarien schneller reagiert und hier vorbaut“, betonte Klimek, der sich dafür einen „konkreten Aktionsplan“ wünscht. Im ersten Schritt müsse dieser lokale Begrenzungen beinhalten.

Das erste aus Tirol kommende Maßnahmenpaket mit u.a. Einschränkungen bei der Seilbahnnutzung müsse man eher als „Aktionismus“ bezeichnen. Die Wirkung der nun angekündigten Reisebeschränkungen, die ein Überschreiten der Landesgrenzen nur mit höchstens 48 Stunden altem negativen Testergebnis vorsehen, „steht und fällt damit, wie gut sie umgesetzt werden“, so der Forscher, der dem Covid-19-Prognosekonsortium angehört. Je nachdem, wie dies nun ab Freitag exekutiert wird, gelinge die Verzögerung der bundeslandübergreifenden Ausbreitung von B.1.351. „Dass wir das jetzt nicht mehr so schnell wegbringen werden, ist auch klar“, so Klimek.

Keine Garantie für niedrigere Zahlen im Sommer

Gelingt die Eindämmung, sei es realistisch, dass Österreich ohne große exponentielle Wachstumphasen in den kommenden Wochen in Richtung der wärmeren Jahreszeit kommt. Wenn es gelingt, mit einigermaßen niedrigen Infektionszahlen in den Frühling zu gehen, könnte man über den Sommer in einem „Niedriginzidenzbereich“ bleiben, glaubt der Wissenschafter. Eine Automatik für niedrige Zahlen in der warmen Jahreszeit gebe es aber nicht, wie in den USA im vergangenen Sommer zu sehen war.

Es sei nun auch ein Stück weit unglücklich, dass die Ereignisse der vergangenen Tage wieder so stark auf Tirol zugespitzt waren. Einen gewissen Neustart für gezielte, regionale Maßnahmen brauche es laut Klimek nämlich insgesamt. Da mache es auch nicht den ultimativen Unterschied, welche Virus-Variante dort gerade kursiert: Sind in einem Bezirk die Ansteckungsraten zu hoch, sollten dort Kontakte und die kleinräumige Mobilität gezielt eingeschränkt werden, „ohne am Auf- und Zusperrrad drehen zu müssen“. Ein breites Bewusstsein dafür sehe er aber immer noch nicht, sagte Klimek.

60 Prozent Bezirk Schwaz zuzuordnen

Das Land Tirol hat unterdessen am Mittwoch neue Zahlen zur Südafrika-Mutation bekannt gegeben. Demnach gab es seit vergangenen Donnerstag bis Montag 48 neue Verdachtsfälle im Bundesland. Die Anzahl der durch eine Voll- oder Teilsequenzierung bestätigten Fälle blieb aber weiterhin bei 180. Demnach gab es insgesamt 430 bestätigte Fälle oder Verdachtsfälle, wovon rund 140 aktiv positiv waren.

Über 60 Prozent der bestätigten und der Verdachtsfälle seien dem Bezirk Schwaz zuzuordnen. 20 Prozent waren im Bezirk Kufstein zu verzeichnen und elf Prozent im Bezirk Innsbruck-Land.