Schramböck will Medikamenten-Herstellung in Österreich forcieren

Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) will, dass die Pharma- und Lifescience-Branche in Österreich breiter aufgestellt wird und nicht nur Wirkstoffe, sondern auch Impfstoffe herstellt. Das sei ein mittelfristiges Standortziel, „es wird wieder Wellen geben", sagte Schramböck am Dienstag. Am Nachmittag will sich die Regierung bei einem runden Tisch mit rund zwanzig Pharmaunternehmen einen Überblick über die vorhandenen Produktionskapazitäten verschaffen.

red/Agenturen

An dem Treffen mit Vertretern führender Pharmaunternehmen (z.B. Pfizer, Novartis, Polymun oder Böhringer Ingelheim) werden heute Nachmittag u.a. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP), Wirtschaftsministerin Schramböck, Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) und der Rektor der Rektor der Medizinischen Universität Wien, Markus Müller, teilnehmen. Ziel der Unterredung sei es, Österreichs Kompetenzen bei Forschung, Entwicklung und Produktion von Covid-19-Impfstoffen und Therapiemethoden zu bündeln und sie in die laufenden Gespräche mit Dänemark und Israel zur gemeinsamen Impfstoffproduktion einfließen zu lassen, hieß es dazu kürzlich aus dem Bundeskanzleramt. Kurz will am Donnerstag zusammen mit der dänischen Ministerpräsidentin Mette Frederiksen Israel in Sachen Pandemie-Bekämpfung besuchen.

In Österreich gebe es rund 900 Unternehmen im Bereich Pharma und Lifescience, sagte Schramböck heute. In der Branche seien 55.000 Menschen direkt beschäftigt. Diese Unternehmen würden jedes Jahr rund 300 Mio. Euro für Forschung und Entwicklung ausgeben und seien für 3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts verantwortlich.

"Wir müssen uns immer mehr mit dem Thema der Medikamentenherstellung beschäftigen", sagte Schramböck, „nicht nur in Österreich, sondern auch in Europa.“ So sei es zuletzt gelungen, die Penicillin-Produktion bei Novartis in Kundl (Tirol) abzusichern. „Das ist die letzte Produktion von Wirkstoffen im Bereich Penicillin in der gesamten westlichen Welt", sagte die Ministerin. Novartis beschäftige in Österreich 5.000 Leute. Man brauche solche Unternehmen hierzulande, ergänzt durch kleinere Unternehmen und Start-ups oder Spin-offs von Universitäten.

Weltweit werde um Impfstoffe gerittert, vieles verlaufe aber schleppend, kritisierte Schramböck. Die europäische Arzneimittelbehörde EMA müsse schneller bei der Zulassung werden, damit Betriebe ihre Mitarbeiter impfen und ihre Tätigkeit rasch wieder aufnehmen könnten. So sei der Impfstoff des US-Konzerns Johnson & Johnson am Wochenende in den USA zugelassen worden, nun müsse er auch von der EMA rasch zugelassen werden. Man brauche „mehr Geschwindigkeit, weniger Bürokratie", forderte Schramböck.