Deutsches Krebsforschungszentrum

Studie: Wohnumfeld beeinflusst Überlebenschancen bei bestimmten Krebsarten

Die Überlebenswahrscheinlichkeit bei bestimmten Krebserkrankungen wird einer wissenschaftlichen Untersuchung am Beispiels Hamburgs zufolge von sozialen Status des Wohnumfelds der Betroffenen beeinflusst. Das geht aus einer am Mittwoch veröffentlichten Studie Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg hervor. Demnach überleben umso mehr Patienten die ersten fünf Jahre nach der Diagnose, je höher der sozioökonomische Status ist.

red/Agenturen

Der prozentuale Unterschied in der Überlebenswahrscheinlichkeit zwischen den Stadtteilen mit dem jeweils höchsten und niedrigsten Status belief sich bei Prostatakrebs auf knapp 15 Prozentpunkte, bei Darmkrebs auf fast elf Prozentpunkte und bei Lungenkrebs auf zweieinhalb Punkte. Die Experten werteten 73.000 Patientendaten aus dem Hamburger Krebsregister für die Jahre 2004 bis 2018 aus.

Diese koppelten sie mit Informationen aus einem Sozialindex, der unter anderem Arbeitslosenquoten, Haushaltseinkommen und die Zahl von Sozialwohnungen auf Stadtteilebene abbildet. Wie die Autoren in ihrer nun in der Fachzeitschrift „The Lancet Regional Health - Europe“ erschienenen Untersuchung weiter erklärten, konnten sie zu den Ursachen zunächst jedoch lediglich Vermutungen anstellen.

Eine mögliche Erklärung könnte demnach sein, dass Bewohner von sozial schwächeren Stadtteilen tendenziell seltener zu Vorsorge- und Früherkennungsuntersuchungen gehen. Je später Krebsleiden erkannt werden, desto fortgeschrittener sind sie bereits bei der Diagnose. Das senkt die Behandlungschancen. Tatsächlich sei ein solcher Zusammenhang aus den Krebsregistereinträgen zu Brust- und Prostatakrebs erkennbar, schrieben sie. Für Darm- und Lungenkrebs gelte dies so aber nicht. Weitere Untersuchungen seien notwendig.

Nach Angaben der DKFZ-Forscher könnten zudem auch Unterschiede im Lebensstil sowie Begleiterkrankungen, die mit sozialen Faktoren zusammenhängen, zu den teils erheblichen Differenzen beitragen. Ob die Unterschiede gegebenenfalls auch auf unterschiedliche Behandlungsformen zurückzuführen sein könnten, müsse ebenfalls in weiteren vertiefenden Analysen betrachtet werden. Die Ergebnisse der Studie zeigten, wie nötig entsprechende Anstrengungen seien.