Nephrologie

Gewebeübereinstimmung auf genomweiter Ebene führt zu längerem Erhalt

Die Übereinstimmung von genetischen Merkmalen ist wesentlich für die Langzeitfunktion nach einer Nierentransplantation. Das ist das zentrale Ergebnis einer aktuellen Studie im Top-Journal „The Lancet“ mit über 500 Patienten nach Nierentransplantation, die ein globales Konsortium durchgeführt hat.

red

Unter der Leitung von Rainer Oberbauer und dessen Mitarbeitern Roman Reindl-Schwaighofer und Andreas Heinzel von der klinischen Abteilung für Nephrologie und Dialyse der MedUni Wien wurden die Forschungsergebnisse erarbeitet. „Schon bisher war klar, dass die Übereinstimmung in einem Bereich des Haupthistokompatibilitätskomplexes auf Chromosom 6 einen wesentlichen Teil des Transplantatüberlebens erklärt“, erläutert Oberbauer, „allerdings gingen bisher auch bei perfekter Übereinstimmung von Spenderorgan und Empfänger in dieser Region noch etwa 20 Prozent Transplantate in den ersten fünf Jahren verloren.“

Das Team der MedUni Wien hat nun herausgefunden, dass dies voraussichtlich durch die fehlende Übereinstimmung in einer Vielzahl anderer genetischer Regionen verursacht wird. „Das konnten wir experimentell durch die Bestimmung von spenderspezifischen Antikörpern gegen diese nicht-übereinstimmenden Regionen bestätigen“, betonen die Studienautoren.

Die Bedeutung des HLA-Systems

Die Ergebnisse legen den Schluss nahe, dass vor allem vor der Transplantation von Lebendspendernieren eine genomweite Analyse von Spender und Empfänger gemacht werden sollte, um die Gewebeübereinstimmung zu überprüfen – und bei nicht optimalen Voraussetzungen eventuell ein Tausch mit anderen Lebendspenderpaaren vorteilhaft wäre. „Das wird an der MedUni Wien schon seit einigen Jahren bei schlechter Gewebeübereinstimmung im Haupthistokompatibilitätskomplex routinemäßig und mit sehr gutem Erfolg durchgeführt“, führt Oberbauer an.

Gleichzeitig konnte in der Studie übrigens gezeigt werden, dass das Immunsystem des Empfängers nach einer Nieren-Transplantation Antikörper gegen die „fremden“ Proteine bildet, die ebenfalls an der Lebensdauer des eingesetzten Organs „knabbern“ und dieses schädigen.

Der Haupthistokompatibilitätskomplex ist eine Genfamilie, die Immunproteine (die Histkompatibilitäts-Antigene oder auch HLA-System genannt) produzieren. Diese Proteine sind verantwortlich für die immunologische Individualität und spielen eine große Rolle bei der Gewebeverträglichkeit von Organtransplantationen. Daher wird stets versucht, ganz im Sinn der personalisierten Medizin, eine weitgehende Übereinstimmung der HLA-Merkmale zwischen Spendern und Empfängern zu erreichen. Je ähnlicher die Merkmale sind, desto geringer ist die Gefahr einer Abstoßungsreaktion. Dennoch versagen nach fünf Jahren rund 20 Prozent der Transplantate, nach 15 Jahren sind es 50 Prozent. Mit den Erkenntnissen der aktuellen Studie, die die enorme Bedeutung der genetischen Merkmale betont, könnten diese Raten künftig deutlich verbessert werden.

Niere Blauer Hintergrund
Die Ergebnisse legen den Schluss nahe, dass vor allem vor der Transplantation von Lebendspendernieren eine genomweite Analyse von Spender und Empfänger gemacht werden sollte.
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