Frage nach „Dr. Viola“ an Innsbrucks Klinik als Hilferuf wegen Gewalt

Wer an der Innsbrucker Klinik nach Schutz und Hilfe vor Gewalt sucht, kann dies künftig mit nur einem Satz tun: „Ich muss zu Dr. Viola!". Betroffene jeden Alters und Geschlechts, die sich bedroht fühlen, können den Notruf am Klinikareal etwa gegenüber dem Portier oder Sicherheitspersonal in Anspruch nehmen. Anschließend werde ein interner Notfallplan aktiviert und die Person an einen sicheren Ort gebracht, teilten die tirol kliniken am Dienstag mit.

red/Agenturen

Dadurch soll Menschen, die in der Situation nicht frei sprechen können, geholfen werden, erklärte Alexandra Kofler, Ärztliche Direktorin der Klinik Innsbruck. Es werde bereits seit längerem in den größten Ambulanzen gefragt, ob jemand weiß, dass die betroffene Person hier ist, ob es jemand nicht wissen soll und ob die Person sich bedroht fühlt. Der anschließende Ablauf sei schon seit Jahren gut trainiert.

Im Schnitt werden einmal pro Woche bei einer Patientin oder einem Patienten Spuren von häuslicher Gewalt festgestellt. Frauen seien tendenziell stärker betroffen. Trotz eines Rückgangs an Patienten im vergangenen Jahr seien aber gleich viele von Gewalt betroffen gewesen. „Verändert haben sich hingegen die Verletzungsmuster. Diese sind deutlich schwerer geworden“, berichtete Thomas Beck, Psychologe an der Innsbrucker Klinik und Leiter der Opferschutzgruppe.

Der Name „Viola" wurde indes gewählt, weil er möglichst für alle Menschen - unabhängig von ihrer Sprache - auszusprechen sein soll. Außerdem lehne er sich an „Violence“ - also Gewalt - an. Violett sei zudem als Verbindung von Rot (als weibliche Farbe) und Blau (männlich) zu sehen. Für Diplompflegerin Andrea Hohenegger, stellvertretende Leiterin der Opferschutzgruppe, ist der niederschwellige Zugang „entscheidend". Man wisse aus Erfahrung, dass die Angst vor Vorurteilen, davor nicht ernst genommen zu werden und selbst als Schuldige oder Schuldiger verurteilt zu werden, die größten Hemmschwellen seien, um Hilfe zu bitten.