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Corona-Pandemie

Schulstart: Gute Balance, aber Schwellenwerte offen

Eine „gute Balance“ zwischen anfänglich flächendeckenden Testungen und dann einem System mit Abwasseranalysen und PCR-Tests an 300 ausgewählten Schulen ortet der Komplexitätsforscher Peter Klimek im neuen Covid-Schulsicherheitsplan. Hier sei ein Kompromiss gelungen, dessen Erfolg aber stark davon abhänge, ab welchen Schwellenwerten man regional Maßnahmen setze. Bildungsminister Faßmann hält unterdessen „die Frage nach kostenpflichtigen Tests für Ungeimpfte für berechtigt.“

red/Agenturen

Die politische Debatte über ein mögliches Ende der Gratis-Coronatests hat nun auch die Schulen erreicht. In der Donnerstag-Ausgabe der „Kleinen Zeitung“ hält Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) kostenpflichtige PCR-Test für nicht geimpfte Lehrer für denkbar.

„Ich halte die Diskussion über kostenpflichtige Tests für berechtigt. Die Frage ist legitim, inwieweit die Allgemeinheit die Tests derer bezahlen muss, die sich eine Impfung ersparen möchten“, sagt Faßmann. Und auf die weitere Frage, ob dann auch ungeimpfte Lehrer zahlen müssten, erklärt der Bildungsminister: „Für ungeimpfte Lehrer wären dann kostenpflichtige PCR-Tests einmal pro Woche denkbar.“

Für Schüler müsse der Zugang zur Bildung jedoch kostenfrei bleiben, bekräftigt Faßmann. In dem am Vormittag präsentierten Konzept für den Schulstart im September ist festgehalten, dass geimpfte Schüler nach den ersten beiden Wochen im Gegensatz zu ungeimpften von einer etwaigen Testpflicht befreit sind.

Nicht zuletzt als Druckmittel für die Impfung haben zuletzt vor allem die ÖVP-regierten Bundesländern Oberösterreich, Tirol, Vorarlberg und die Steiermark Druck für eine Kostenbeteiligung für Ungeimpfte an Coronatests gemacht. Auch vom Dachverband der Sozialversicherungsträger kam Unterstützung in diese Richtung. Die SPÖ-geführten Bundesländer Wien, Burgenland und Kärnten wollten sich dieser Forderung nicht anschließen.

Lerneffekt nötig

Die geplanten nahezu flächendeckenden Abwasseranalysen hätten sich zur regionalen Abschätzung des Infektionsgeschehens „mittlerweile bewährt“, sagte Experte Klimek weiters. Da noch nicht völlig klar ist, wie mit Testungen an Schulen mittelfristig verfahren wird, helfe diese Art des Überblicks vermutlich. Trotzdem sei dies „nur eine indirekte Messung“, mit der „man in Großen und Ganzen gut aufgestellt ist, weil man auch unabhängig von Testgeschehen ist“, betonte Klimek.

Insgesamt bedürfe es eines Lerneffekts, um über die Zeit die Daten aus den Kläranlagen mit jenen der über alle Regionen verteilten „Sentinel“ (Wächter)-Schulen zu interpretieren. Er hoffe, dass diese Schiene dann rasch und zielgenau im Herbst etabliert wird. Dass es so ein Monitoring-Programm gibt, sei begrüßenswert.

„Das große Thema, das hier natürlich ausgespart wurde, ist, wo die Schwellenwerte liegen“, so der Wissenschafter: „Der beste Stufenplan bringt nichts, wenn wir ihn zu spät aktivieren.“ Faßmann hatte die Ausarbeitung der entsprechenden Werte, ab denen regional Maßnahmen gesetzt werden, bei der Präsentation als „unsere Hausaufgabe für den August“ bezeichnet. Das kann der Forscher vom Complexity Science Hub Vienna (CSH) und der Medizinischen Universität Wien nachvollziehen, denn niemand könne aktuell eine Prognose abgeben, welche Infektionszahlen man im September hat.

Definition der Schwellenwerte nicht trivial

Diese Schwellenwerte sinnvoll zu definieren, sei nicht trivial, so der Wissenschafter, der auch Teil des Covid-Prognose-Konsortiums ist. Die zweiwöchige „Sicherheitsphase“, in der alle Schüler dreimal testen und abseits der Klasse Maske tragen, sollte aber eine erste Einschätzung zum Geschehen an den Schulen ermöglichen.

Klar sei, dass all das nur mit einem funktionierenden Kontaktnachverfolgungssystem gelingen kann, meinte Klimek. Lasse man ein gewisses Infektionsgeschehen an Schulen zu, stelle sich auch die Frage, wie viele Schüler, Eltern, Geschwister, Großeltern und auch Pädagogen dann im Fall der Fälle in Quarantäne gehen.

Komme man in jüngeren Altersgruppen in hohe Infektionsgefilde mit größeren Schulclustern, könne das durchaus zu relativ vielen Personen in Isolierung führen, so Klimek: „Es könnte sein, dass wir dann zwar nicht die Schulen schließen, aber trotzdem viele Kinder zuhause in Quarantäne sitzen.“

 

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