Kollateralnutzen

Deutschland: Zahl von HIV-Neuinfektionen wohl als Folge von Corona-Pandemie gesunken

Die Zahl der Neudiagnosen mit HIV in Deutschland ist wohl als Folge der Corona-Pandemie im vergangenen Jahr deutlich gesunken. Für 2020 seien insgesamt 2454 neue HIV-Fälle gemeldet worden - ein Rückgang um 21 Prozent gegenüber dem Jahr 2019, teilte das Robert-Koch-Institut am Donnerstag in Berlin mit. Für das Jahr 2019 waren 3111 Neuinfektionen gemeldet worden.

red/Agenturen

Nach RKI-Angaben zählt zu den durch die Corona-Pandemie ausgelösten Faktoren ein Rückgang der Sexualpartner, insbesondere im ersten Lockdown im April und Mai vergangenen Jahres. Es habe aber auch einen Rückgang bei HIV-Tests gegeben, insbesondere bei symptomlosen Männern und Frauen. Außerdem habe sich die Mobilität sowohl innerhalb Deutschlands als auch mit anderen Ländern verringert, was zu einem Rückgang von durch Migration und Tourismus importierten HIV-Infektionen geführt habe.

Neben der Corona-Pandemie sieht das RKI als weiteren möglichen Grund für den Rückgang den Einsatz von sogenannter HIV-PrEP, die seit September 2019 von der Krankenkasse verschrieben werden kann. Bei PrEP handelt es sich um Medikamente, die HIV-negative Menschen einnehmen können, um sich vor einer Ansteckung zu schützen. So sei der Rückgang der HIV-Neudiagnosen vor allem in Berlin besonders ausgeprägt - dort sei der PrEP-Gebrauch auch am weitesten verbreitet.

Das RKI fürchtet allerdings, dass der Rückgang von HIV-Testungen zu einer steigenden Zahl noch nicht diagnostizierter HIV-Infektionen geführt haben könnte. Bei einer Zunahme der sexuellen Aktivität nach Abflauen der Corona-Pandemie könne dies zu einem stärkeren Wiederanstieg von HIV-Neuinfektionen führen.

 

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Auch die Verschreibungsmöglichkeit für sonannte HIV-PrEP, die HIV-Negative einnehmen können, könnte laut RKI zur Senkung der HIV-Neuinfektionen beigetragen haben.
Gilead Sciences / OTS