Corona-Impfung

Sloweniens Minister nach Todesfall unter Druck

Der slowenische Gesundheitsminister Janez Poklukar kommt nach dem Tod einer jungen Frau, die Ende September nach der Impfung mit dem Corona-Impfstoff Janssen des Herstellers Johnson & Johnson gestorben ist, stark unter Druck. Die Opposition fordert sein Rücktritt, weil er und sein Team für eine umstrittene Regelung verantwortlich sein sollen, die zur steigenden Popularität dieses Vektorimpfstoffes vor allem bei jungen Menschen führte. Poklukar lehnt einen Rücktritt ab.

red/Agenturen

Als Slowenien Mitte September die 3G-Regel in fast allen Bereichen des öffentlichen Lebens einführte, wurde beschlossen, dass man den Impfpass schon am Tag der Vollimmunisierung bekommt. Am schnellsten konnte man dieses Kriterium mit der Janssen-Vakzine erfüllen, bei der nur eine Impfdosis reicht. Das führte zu einer steigenden Nachfrage nach dem Impfstoff, der in vielen Ländern für jüngere Menschen gar nicht eingesetzt wird.

Auch die 20-jährige Frau, deren Tod wegen eines Blutgerinnsels im Gehirn und Hirnblutungen mit der Impfung in Verbindung gebracht wird, die sie zwei Wochen davor erhalten hat, soll Berichten zufolge die Johnson-Vakzine als schnelle Lösung gewählt haben.

Wie die Tageszeitung „Dnevnik“ nun berichtete, sollen der Gesundheitsminister und sein Team für diese umstrittene Regelung verantwortlich sein. Die umstrittene Bestimmung wurde trotz mehrfachen Mahnungen von Experten, dass der Schutz in der Regel eigentlich erst zwei Wochen nach der Impfung eintritt, beibehalten, und sie gilt immer noch.

Opposition deutet Misstrauensantrag an

Nach den Enthüllungen forderte die links-liberale Opposition den Gesundheitsminister zum Rücktritt auf, weil er gegen die Empfehlungen von Experten gehandelt haben soll. „Der Minister trägt eine objektive Verantwortung und sollte zurücktreten“, forderte die Linke-Abgeordnete Natasa Sukic am gestrigen Montag laut Medien. Die Sozialdemokraten (SD) werfen dem Minister, der selbst ein Arzt ist, einen schweren beruflichen Fehler und Irreführung von Bürgern vor, da kein Impfstoff eine sofortige Schutzwirkung haben könne. Die Opposition deutete bereits die Möglichkeit eines Misstrauensantrags an.

Poklukar, der den Tod der jungen Frau erneut bedauerte, wies die Rücktrittsforderungen zurück. Als Minister arbeite er nach bestem Wissen und Gewissen, betonte er und fügte hinzu, dass er auf diese Weise auch die Entscheidung über das Impfzertifikat gleich nach der vollständigen Impfung getroffen habe. Deshalb sehe er keinen Grund zurückzutreten, sagte er am Montag.

Nach dem tragischen Fall stellte Slowenien Ende September die Schutzimpfung mit dem Janssen-Impfstoff ein. Seit rund eine Woche gilt die Empfehlung der Impfkommission, vorzüglich die mRNA-Impfstoffe zu verwenden. Vektorimpfstoffe, darunter AstraZeneca, sollen nur noch auf ausdrücklichen Wunsch verabreicht werden. Außerdem wird für unter 30-Jährige der Pfizer-Impfstoff empfohlen. Zuvor gab es in Slowenien eigentlich keine Einschränkungen für verschiedene Impfstoffe: bei allen Volljährigen konnte man sie gleichermaßen anwenden, für Schwangere wurden bereits zuvor mRNA-Impfstoffe empfohlen. Mit dem Johnson-Impfstoff wurden fast 122.000 Slowenen geimpft, das sind mehr als elf Prozent aller Vollimmunisierten.