Corona-Verordnungen

Italien diskutiert über 2G-Regelung nach Österreich-Vorbild

Die seit Montag in Österreich geltende 2G-Regelung in den meisten Bereichen des öffentlichen Lebens weckt in Italien viel Interesse. Italienische Politiker und Virologen diskutieren über die Möglichkeit, auch in Italien die Corona-Regeln nach österreichischem Vorbild zu verschärfen. Gleichzeitig will die italienische Regierung die Impfkampagne vorantreiben und gibt ab dem 1. Dezember die dritte Impfung für alle über 40 Jahren frei.

red/Agenturen

„Die 2G-Regel ist ein Instrument, das auf politischer Basis beschlossen werden muss. Als Arzt sage ich, dass wir 90 Prozent der Geimpften erreichen müssen. Wenn wir es nicht schaffen, könnte die 2G-Regel in Frage kommen. Wir Ärzte sagen, wir müssen so viele Menschen wie möglich impfen. Es ist Aufgabe der Politik, den Weg dorthin zu finden“, sagte der bekannte Virologe Matteo Bassetti, Direktor der Klinik für Infektionskrankheiten an der Poliklinik von Genua. Laut Bassetti soll in Restaurants, Bars, Kinos, Theater, Stadien oder Nachtlokalen die 2G-Pflicht gelten. „Anders ist die Lage am Arbeitsplatz, wo die geltende 3G-Regel in Ordnung ist“, so der Virologe.

Der Präsident der norditalienischen Region Venetien, Luca Zaia, hält die 2G-Regel in Italien für nicht umsetzbar. „Es gibt eine Diskussion über die österreichischen Einschränkungen für nicht geimpfte Personen. Aufgrund unserer Verfassung scheint mir diese Maßnahme in Italien jedoch nicht umsetzbar zu sein“, sagte der Politiker der rechten Lega.

Südtirol hätte gerne strengere Regeln

Südtirol will in der Corona-Pandemie eigenmächtiger Regeln bestimmen können. Man habe die Regierung ersucht zu prüfen, inwieweit es 2G-Regelungen so wie in anderen europäischen Staaten geben solle, sagte der Südtiroler Landeshauptmann Arno Kompatscher, am Dienstag auf einer Pressekonferenz in Bozen. Südtirol habe Rom außerdem gebeten, die Regionen in die Lage zu versetzen, für bestimmte Situationen strengere Regeln erlassen zu können.

„Die Zuständigkeit dafür liegt beim Staat. Es braucht hier eindeutig ein Gesetz, um solche Regeln zu erlassen“, erklärte der 50-jährige Politiker der Südtiroler Volkspartei weiter. Kompatscher beklagte, dass die Pandemie-Lage nicht zufriedenstellend sei. Im Vergleich zu den anderen italienischen Regionen sei die Rate der Durchgeimpften gegen Covid-19 geringer. Oft hielten sich die Menschen außerdem nicht an die Corona-Regeln.

In Italien darf seit dem 15. Oktober nur zur Arbeit erscheinen, wer eine Corona-Impfung, -Genesung oder einen negativen Corona-Test nachweisen kann. Wer ohne den sogenannten Grünen Pass zur Arbeit kommt, riskiert bis zu 1.500 Euro Bußgeld. Wer der Arbeit fernbleibt, weil er das Dokument nicht vorzeigen kann, muss mit unbezahlter Freistellung rechnen. Italien ist das erste europäische Land, das die 3G-Regel für Arbeitnehmer eingeführt hat. Wer sich nicht impfen lassen will, muss auf eigene Kosten einen Corona-Test machen und diesen je nach Testart alle 48 bis 72 Stunden wiederholen. Die Tests kosten in Italien 15 Euro.

Italien forciert Impfkampagne

Die italienische Regierung will auch die Impfkampagne weiter vorantreiben. Ab dem 1. Dezember können alle Italiener im Alter von über 40 Jahren die dritte Impfung erhalten, kündigte Gesundheitsminister Roberto Speranza am Mittwoch im Parlament an. „Die dritte Dosis ist absolut strategisch für die Impfkampagne: 83,7 Prozent der Italiener sind durchgeimpft“, so Speranza. Auch Personen, die mit einer Einzeldosis des Corona-Impfstoffs von Johnson & Johnson geimpft wurden, sollen sechs Monate nach der ersten Dosis eine Auffrischung mit einem mRNA-Vakzin, zum Beispiel von BioNTech/Pfizer oder Moderna, bekommen.

Die Regierung prüft die Möglichkeit, dass die Impfpflicht für das Gesundheitspersonal und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Seniorenheimen, auch für die Auffrischungsimpfung gelten soll. Seit dem 15. Oktober gilt in Italien eine 3G-Pflicht für alle italienischen Arbeitnehmer. Die Maßnahme ist umstritten. Protestaktionen gegen die 3G-Pflicht gab es Samstag in Triest, in Mailand und in mehreren anderen Städten.

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