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Coronakrise

Deutschland erklärt Österreich zum Hochrisikogebiet

Deutschland erklärt Österreich ab Sonntag wieder zum Hochrisikogebiet. Das hat der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn am Freitag laut Reuters in Berlin bestätigt. Das heißt, nicht geimpfte und nicht genesene Österreicher bzw. deutsche Urlaubsrückkehrer müssen nach der Einreise in Deutschland in Quarantäne. Ein Freitesten aus der zehntägigen Quarantäne ist frühestens nach dem fünften Tag möglich.

red/Agenturen

Deutsche Gäste, die in Österreich Urlaub machen, müssen ab 14. November bei der Heimfahrt neue Einreisebestimmungen beachten. Einreisende sowie Reiserückkehrer aus einem Hochrisikogebiet müssen sich im Voraus über www.einreisemeldung.de anmelden und ihren gültigen 3G-Nachweis über dieses Portal hochladen. Bei der Rückkehr aus einem Hochrisikogebiet müssen getestete Personen verpflichtend eine zehntägige Quarantäne antreten - diese kann nach dem fünften Tag durch ein „Freitesten“ beendet werden. Die Einschränkung trifft zwar in erster Linie ungeimpfte Gäste, das Problem für Österreich ist aber, dass sich Kinder unter zwölf Jahren in Deutschland immer in eine fünftägige Quarantäne begeben müssen, unabhängig davon, welche Maßnahmen für die Eltern gelten. Damit könnte es dennoch Stornierungen hageln.

Geimpfte und Genesene sind von dieser verpflichtenden Quarantäne ausgenommen. „Der Unterschied zum Vorjahr ist, dass die Reisewarnungen heuer keine Einschränkungen für geimpfte Gäste bringen. Wer geimpft ist, kann jederzeit einen sicheren und erholsamen Urlaub in Österreich verbringen“, so Köstinger (ÖVP).

Österreich war erst vor fünf Monaten - im Juni - von der deutschen Risikoliste gestrichen worden. Im vergangenen Herbst hatte die Bundesrepublik die österreichischen Bundesländer nacheinander auf die Risikoliste gesetzt und schließlich am 1. November ganz Österreich - mit Ausnahme des Kleinwalsertals und Jungholz - zum Risikogebiet erklärt.

Touristiker kritisieren Eiertanz der Politik

„Diese Reisewarnung ist eine atmosphärische Katastrophe“, sagte Hoteliervereinigung-Chefin Michaela Reitterer. „Österreich tut alles dafür, umso rasch wie möglich wieder von der Liste der Hochrisikostaaten gestrichen zu werden“, so Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP). „Der Eiertanz der Politik ist nicht mehr verständlich“, kritisierte die Vertreterin der Hoteliers in der WKÖ, Susanne Kraus-Winkler.

Infektiologen hätten rechtzeitig vorgewarnt - und es sei sogar noch schlimmer gekommen, sagte die Branchensprecherin mit Blick auf die explodierenden Coronainzidenzen zur APA. „Die Dynamik der Inzidenzzahlen und die Planlosigkeit der Politik macht alle fertig“, umriss die Hotelière die Stimmung in der Branche. „Es ist ein Desaster - es ist eine totale Verunsicherung da, die äußert sich in großer Enttäuschung mit der Politik“, sagte die Vertreterin der Hoteliers in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Susanne Kraus-Winkler, zur APA.„Es war klar, dass wir dem nicht entgehen, bei den Infektionszahlen“, fügte die Obfrau des WKÖ-Fachverbands Hotellerie hinzu.

„Es geht um die Stimmung - und es verunsichert jeden, der geimpft ist“, so ÖHV-Chefin Reitterer im Gespräch mit der APA. Bisher hätten die hohen Coronafallzahlen in Österreich noch zu keiner Stornowelle unter den Urlaubern geführt. „Wir haben ohnehin 2G in den Hotels, bei uns buchen nur Geimpfte und Genesene“, betonte Reitterer. „Wir wollen einen Winter haben, wir sind gut darauf vorbereitet“, sorgt sich die Touristikerin um das Geschäft. Der vergangene Winter 2020/21 war für die Branche wegen des monatelangen Lockdowns ein Totalausfall.

Von der Opposition kam Kritik an der türkis-grünen Bundesregierung. Die FPÖ meinte, die Regierung habe erneut mit ihren falschen Maßnahmen kläglich versagt. Laut NEOS müssten es nun wieder Unternehmen und Mittelstand ausbaden, weil es die Regierung nicht geschafft habe, die Menschen zum Impfen zu bewegen. Die SPÖ monierte, dass es im Tourismusbudget keinen Cent für coronabedingten Einnahmenentfall gebe. Aus der Branche kamen erste Rufe nach weiteren staatlichen Hilfen.

Bundesgesundheitsminister Deutschland
Deutschlands Gesundheitsminister Jens Spahn muss sich für weitere Corona-Maßnahmen entscheiden, für welche konkret, ist noch unklar.
BMG / Thomas Ecke