Ärztekammer und FPÖ kritisieren Forderung, Wahlärzt:innen abzuschaffen

Nach der Ärztekammer kritisiert auch FPÖ-Gesundheitssprecher Gerhard Kaniak die Forderung von Andreas Huss, Vizeobmann der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK), das System der Wahlärzt:innen abzuschaffen. Es brauche einen leichteren Zugang zum Studium, eine vernünftige Anzahl an Lehrpraxen und ein attraktiveres Vergütungssystem, damit junge Ärzt:innen ihre Zukunft in einer Landpraxis sehen, sagt Kaniak in einer Aussendung am Dienstag.

red/Agenturen

„Wenn man mehr Kassenärzt:innen im Gesundheitssystem haben will, muss man das System ändern - daran führt kein Weg vorbei“, so der freiheitliche Gesundheitssprecher und Vorsitzende des parlamentarischen Gesundheitsausschusses Kaniak. Quartalsentgelte von 30 Euro pro Patient:in seien zu gering. Kaniak kritisiert, dass zu viele ausländische Studierende an Österreichs Universitäten Medizin studieren, und dann "in attraktivere Länder" auswandern würden. Der freiheitliche Ansatz sei, mehr Wahlärzt:innen in das Kassensystem zu bekommen. Eine Möglichkeit dazu seien 'halbe' oder 'viertel' Kassenverträge, bei denen Wahlärzt:innen gleichzeitig für ein bis zwei Tage pro Woche als Kassenärzt:innen tätig wären. „Das derzeitige System ist derzeit dermaßen verfahren und praxisfremd, dass die Versorgungssicherheit mittelfristig gefährdet ist“, kritisiert der FPÖ-Gesundheitssprecher.

Ärztekammer-Präsident Szekeres fordert die ÖGK zum Dialog auf, anstatt „ein funktionierendes System an die Wand zu fahren“. „Die ÖGK und die Spitalsträger sollten sich mit uns gemeinsam an einen Tisch setzen und die ambulante Versorgung neu denken. Am Ende des Tages sollten die Leistungen dort erbracht werden, wo sie medizinisch und wirtschaftlich am Sinnvollsten sind“, so Szekeres. Dass in einzelnen Fächern eine chronische Unterversorgung herrsche, liege im nicht an einem Unwillen der Ärzt:innen einen Kassenvertrag zu übernehmen, sondern unter anderem daran, dass die ÖGK die nötigen Kassenstellen nicht freigebe. Die Ärztekammer schlägt als Sofortmaßnahme eine Überarbeitung des „veralteten ÖGK-Honorarkatalogs“ mit einer signifikanten Tariferhöhung vor.