| Aktualisiert:
Coronavirus

Neues Medikament an Patienten getestet

Ein vom in Wien ansässigen Biotechnologie-Unternehmen Apeiron entwickelter Wirkstoff wird in China an Patienten mit schweren SARS-CoV-2-Infektionen getestet. 24 Patienten werden im Rahmen der Studie, an der auch der Genetiker und Apeiron-Gründer Josef Penninger beteiligt ist, über sieben Tage hinweg mit dem Wirkstoff-Kandidaten APN01 behandelt. Weltweit wird gerade an 27 möglichen Impfstoffen gegen das Virus gearbeitet.

red/Agenturen

Die Pilotstudie von Apeiron zu einem Wirkstoff gegen das Coronavirus wird von einem Forschungsteam mit Experten aus China, Österreich und Kanada durchgeführt. Abhängig von den Erfahrungen aus der Studie könnte der Wirkstoff in weiterer Folge in größeren Untersuchungen getestet werden, heißt es in der Aussendung. Hinter dem bisher in klinischen Studien (Phase-I und Phase-II) auf seine Sicherheit und Verträglichkeit getesteten Medikament-Kandidaten APN01 verbirgt sich das Enzym rhACE2 (rekombinantes menschliches Angiontensin-Converting-Enzym-2).

An dem Enzym forscht Penninger, ehemals Leiter des Instituts für Molekulare Biotechnologie (IMBA) der Akademie der Wissenschaften (ÖAW) und nun an der University of British Columbia (Kanada) tätig, bereits seit geraumer Zeit. 2005 wurde ACE2 auch als essenzieller Rezeptor bei SARS-Virusinfektionen und akutem Lungenversagen identifiziert.

Das Erbgut des neuen Coronavirus ist mit dem des 2003 aufgetauchten SARS-Erregers zu rund 80 Prozent ident. „Auch das neue Coronavirus 'SARS Cov2' nutzt den Rezeptor, um menschliche Zellen zu infizieren“, so Arthur Slutsky vom St. Michael's Hospital in Toronto (Kanada). Die Wissenschafter erhoffen sich von dem Wirkstoff-Einsatz, dass damit die Schädigung der Lunge eingedämmt und Organversagen verhindert werden kann.

Dass dieser Ansatz prinzipiell funktionieren könnte, zeigten neue Untersuchungen in Penningers Labor in Zusammenarbeit mit Chengyu Jiang vom Peking Union Medical College: „Ich freue mich, dass aufgrund unserer Forschung und Entwicklungsarbeit jetzt das Potenzial von APN01 (lösliches menschliches ACE2-Protein) in klinischen Studien für die Behandlung von Patienten untersucht wird, die an der neuartigen Coronavirus-Infektion leiden“, so Penninger.

27 Impfstoffe weltweit in Entwicklung

Derzeit werden zudem weltweit 27 Impfstoffe gegen das Coronavirus entwickelt. Aber: „Es wird sicherlich noch einige Zeit dauern, bis sich herausstellt, ob einer davon wirklich erfolgreich ist“, räumt Alexander Herzog vom Verband der pharmazeutischen Industrie Österreichs (Pharmig) ein. Untersucht wird von Forschenden auch, ob bereits existierende Wirkstoffe gegen das Coronavirus eingesetzt werden können.

Über „Open Access“-Plattformen werden Daten weltweit geteilt, hieß es weiters in einer Pharmig-Aussendung. So können Wissenschafter gemeinsam an Methoden zur Bekämpfung des Virus arbeiten. Bezüglich schon zugelassener Therapien und Wirkstoffen sowie auch solchen, die gerade für andere Krankheiten entwickelt werden, wurden forschende Firmen aufgefordert, laufende Entwicklungsprojekte auf ihren Einsatz gegen das Coronavirus hin zu überprüfen.