Coronavirus

35 Prozent Infektionsrate bei engem Kontakt

Bei engem sozialen Kontakt mit Covid-19-Infizierten kann es möglicherweise bei einem erheblichen Teil der Betroffenen zu einer Ansteckung kommen. Die Rate kann 35 Prozent betragen. Das haben britische Epidemiologen in einer ersten Abschätzung nach beschriebenen Fällen festgestellt und jetzt im „Lancet“ publiziert.

red/Agenturen

„Die Basisreproduktionsrate (R0) für SARS-CoV-2 in Wuhan in China wurde zu Beginn des Ausbruchs etwa mit dem Faktor 2 geschätzt. Dieser Wert spiegelt aber nur die durchschnittliche Dynamik der Ansteckungsraten. (...) Die Sekundärinfektionsrate (Secondary Attack Rate - SAR), die man als die Wahrscheinlichkeit definiert, dass eine (weitere; Anm.) Infektion bei empfänglichen Personen innerhalb spezifischer Personengruppen (im Haushalt oder bei nahem Kontakt) auftritt, kann einen Hinweis dafür geben, wie soziale Interaktionen mit dem Übertragungsrisiko in Verbindung stehen“, berichten Yang Liu, Rosalind Eggo und Adam Kucharsky von der London School für Hygiene und Tropenmedizin in einem kurzen Bericht online in der britischen Medizin-Fachzeitschrift „The Lancet“ vom 27. Februar.

Influenza ähnlich ansteckend

Zum Vergleich: Auch die Basisreproduktionsrate von Influenza - wie viele weitere Infektionen durch einen Erkrankten im Durchschnitt in der Allgemeinbevölkerung ausgelöst werden - liegt bei einem Faktor um die 2. Jene von Masern liegt hingegen bei 12 bis 18.

Die Wissenschafter haben neun Berichte über Sekundärinfektionen mit dem Covid-19-Erreger in eine Analyse eingeschlossen. Dabei handelte es sich zum größten Teil um Essen in Gemeinschaft (in Restaurants, zu Hause oder an einem nicht bekannten Ort), zum überwiegenden Teil in China bzw. in Hongkong. Ein Fall aus Europa waren offenbar fünf Infektionen in einer Gruppe von elf Personen, die sich vom 24. bis 28. Jänner gemeinsam in einem Chalet in Savoyen in Frankreich aufhielten.

Bei der kleinen Anzahl der Ereignisse schwankten die Infektionsraten jeweils von Fall zu Fall stark. Einmal waren es vier von 13 Personen, die sich mit SARS-CoV-2 ansteckten, das andere Mal zehn von 47, in einem dritten Fall infizierten sich alle acht Betroffenen.

„Wir schätzten auf 48 Sekundärinfektionen unter 137 Personen“, schrieben die Fachleute. Wahrscheinlich seien die Infektionen bei jedem der nur kurzen Ereignisse jeweils von einem primär Betroffenen ausgelöst worden. Damit sei die Sekundärinfektionsrate bei engen Kontakten von SARS-CoV-Infizierten für die analysierte Gruppe mit 35 Prozent anzunehmen.