Pflege

Medizinische Versorgung von Kindern gefährdet

Die Krankenhauspflege für Kinder verliere deutlich an Qualität, warnen Berufsverbände für Kinderheilkunde und Pflege und der Verein KiB children care. In der Pflegequalität gebe es „eine massive Einschränkung“. Der Strukturplan Gesundheit 2017 streicht Kinder- und Jugendpflegerinnen im Spitalsbereich.

red

Der österreichweit tätige Verein KiB children care, die Österreichische Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ) sowie der Berufsverband Kinderkrankenpflege (BKKÖ) warnen, dass die Versorgungsqualität im Bereich der Kinder- und Jugendpflege bald nicht mehr gegeben sein werde.

Die Krankenhauspflege für Kinder verliere deutlich an Qualität, beklagt Reinhold Kerbl, Generalsekretär der ÖGKJ in einer Aussendung am Dienstag. „Es herrscht akuter Personalmangel, denn die Kinderärztinnen und Kinderärzte haben aufgrund des Arbeitszeitgesetzes deutlich kürzere Anwesenheitszeiten. Dies wurde vielfach nicht kompensiert. Viele (insbesondere junge) KollegInnen gehen nun statt in eine Kassenpraxis lieber in eine Wahlarztpraxis aufgrund der frei gestaltbaren Arbeitszeiten“, so Kerbl. Dadurch sei es immer schwieriger, Kinderärzte „auf Kassa“ zu finden. 

Zu wenig niedergelassene Kinderärzte

„Gerade am Land bleiben österreichweit viele Stellen unbesetzt“, so Kerbl. Viele Eltern würden daher auf praktische Ärztinnen und Ärzte ausweichen, die allerdings auch aufgrund verkürzter Ausbildungszeiten – nur sehr beschränkte Kenntnisse über typische Erkrankungen des Kindes- und Jugendalters hätten. „Kinder verdienen die bestmögliche medizinische Versorgung, sie sind keine Patienten zweiter Klasse“, fordert Kerbl.

In der Pflegequalität gebe es „eine massive Einschränkung“, warnt Geschäftsführerin Renate Harringer von KiB children care. Im Rahmen des Strukturplans Gesundheit (ÖSG 2017) wurden auf Kinder spezialisierte Pflegekräfte für Krankenhäuser gestrichen. Es gebe keinen einzigen Fachbereich mehr, in dem die Spezialisierung „Kinder- und Jugendlichenpflege“ vorgeschrieben ist, so Harringer. Rund 105 angehende Pfleger haben in den letzten vier Jahren die Grundausbildung in der Kinder- und Jugendpflege absolviert, 90 davon haben die Sonderausbildung abgeschlossen. Harringer zufolge wird es nach 2017 nun keine Grundausbildung mehr geben, auch die Ausbildungsplätze für die Sonderausbildung seien nicht erhöht worden.

Kind schlafend
„Kinder verdienen die bestmögliche medizinische Versorgung, sie sind keine Patienten zweiter Klasse“, bekräftigt Reinhold Kerbl, Generalsekretär der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde.
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