Nur noch knapp 1.000 Infizierte - Experte: „Bravourös“

Die Zahl der akut am Coronavirus erkrankten Österreicher dürfte bei aktueller Entwicklung in den kommenden Tagen unter die 1.000er-Marke fallen. Laut Angaben aus Innen- und Gesundheitsministerium vom Mittwochvormittag (Stand 9.30 Uhr) sind derzeit 1.069 Menschen in Österreich aktiv erkrankt. Dies sind um 121 bzw. 10,2 Prozent weniger als noch am Vortag.

red/Agenturen

243 Personen befinden sich mit Stand Mittwoch aufgrund des Coronavirus in krankenhäuslicher Behandlung, davon liegen 55 auf Intensivstationen. Österreich ist bisher bei der Bekämpfung der Covid-19-Pandemie sehr erfolgreich gewesen, so ein Experte. „Man muss schon sagen, dass wir den ersten Teil unserer 'Hausaufgabe' bravourös erfüllt haben“, sagte der Infektiologe Florian Thalhammer (MedUni Wien/AKH) am Mittwoch in einer Online-Ärztefortbildung.

Thalhammer zitierte internationale Vergleichsdaten zur Covid-19-Sterblichkeit: So erlagen bisher in Großbritannien 47,95 Patienten pro 100.000 Einwohner den Folgen einer SARS-CoV-2-Infektion. In Schweden, das von manchen Experten wegen seiner Strategie gelobt worden ist, waren es bisher 31,23 Todesopfer pro 100.000. Dann folgen beispielsweise die USA mit einer Mortalität von 24,31 pro 100.000 Einwohner. Weit darunter befinde sich Österreich mit 6,99 Covid-19-Verstorbenen/100.000.

Bisher gab es in Österreich 15.997 positive Testergebnisse. Erstmals über 15.000 Infektionen waren am Donnerstag, dem 23. April, vermeldet worden. Drei Wochen später bewegt sich der diesbezügliche Zuwachs damit bei 1.000 Menschen. 624 Menschen sind inzwischen mit oder an Covid-19 verstorben. Laut Thalhammer werde man in einigen Wochen sehen, wie sich die Lockerung Maßnahmen auswirke: „Wir werden Ende Mai wissen, ob die Epidemie im Griff ist oder ob die 'heiße' effektive Reproduktionszahl wieder deutlich über 1 ist.“

Grenzöffnung zu Deutschland

Im Fall der positiv auf das Coronavirus getesten Mitarbeiterin in einem Kindergarten in Wien-Liesing hat es in der Folge auch bei einem Kind den Verdacht auf eine Infektion gegeben. Nun stellte sich heraus, dass dieses nicht an Covid-19 erkrankt ist. „Das Testergebnis des Verdachtsfalles im Kindergarten war negativ“, sagte der Sprecher des medizinischen Krisenstabes der Stadt der APA. In dem Kindergarten waren zuletzt 35 Kinder untergebracht. Die Einrichtung wurde inzwischen geschlossen.

Vollständig öffnen werden sich am 15. Juni die coronabedingt geschlossenen Grenzen zwischen Deutschland und Österreich. Dies teilte das Bundeskanzleramt mit. Schon ab Freitag werde es nur noch stichprobenartige Kontrollen geben, bestätigte das Kanzleramt einen von der deutschen Kanzlerin Angela Merkel skizzierten zweistufigen Öffnungsprozess. Schon Mittwochfrüh waren mehrere kleinere Übergänge an den Grenzen zwischen Bayern und Österreich für Berufspendler, Anrainer und Landwirte offen. Auch die Schweizer Grenze zu Österreich soll ab 15. Juni wieder offen sein. Bedingung sei laut dem Justiz- und Polizeidepartement in Bern, dass die pandemische Entwicklung positiv bleibe.

Unterdessen musste in China erneut eine Metropole wegen des Corona-Risikos von den Behörden weitgehend abgeschottet werden. Die gut vier Millionen Einwohner von Jilin im Nordosten des Landes dürfen die Stadt nur verlassen, wenn sie einen negativen Corona-Test vorweisen können und sich in Quarantäne begeben, wie die Verwaltung am Mittwoch erklärte. In einem Vorort von Jilin war am Wochenende ein neuer Infektionsherd mit inzwischen 21 Fällen bekannt geworden. Die Stadtverwaltung nannte die Lage „sehr ernst“. Es gebe ein hohes Ansteckungsrisiko.

Weltweit steigende Infektionszahlen

Auch in der chinesischen Millionenstadt Wuhan waren zuvor neue Infektionen registriert worden. Die Behörden ordneten an, alle elf Millionen Einwohner testen zu lassen. In der zentralchinesischen Industriemetropole war das neuartige Coronavirus Ende 2019 erstmals bei Menschen festgestellt worden.

Große Sorge bereitete auch Brasilien, wo die Behörden am Dienstag eine Rekordzahl von 881 neuen Todesfällen binnen 24 Stunden meldete. Bisher starben damit nach offiziellen Angaben 12.400 Menschen an den Folgen der neuartigen Viruserkrankung. Einer neuen Studie zufolge breitete sich das Virus schon länger in dem südamerikanischen Land aus als bisher angenommen, nämlich in der ersten Februarwoche und somit vor dem gut besuchten Karneval. Damit steht Brasilien bei den Infektionen inzwischen an siebenter Stelle nach den USA, Russland, Spanien, Großbritannien, Italien und Frankreich.

Dem brasilianischen Präsident Jair Bolsonaro wurde vorgeworfen, die Corona-Krise in seinem Land herunterzuspielen. Die von dem Coronavirus ausgelöste Lungenkrankheit Covid-19 bezeichnete der rechtsradikale Staatschef in der Vergangenheit nämlich als „kleine Grippe“ - die von den Bundesstaaten verhängten Corona-Restriktionen kritisierte er immer wieder massiv wegen ihrer negativen Auswirkungen auf die Wirtschaft.

Auch in Russland stieg die Zahl der mit dem neuartigen Coronavirus Infizierten weiter rapide an. Den Behörden zufolge wurden binnen 24 Stunden 10.028 neue Infektionsfälle registriert. In Russland wurden damit seit Beginn der Pandemie 242.271 Infektionsfälle verzeichnet. Die russischen Behörden argumentierten allerdings die stark steigenden Infektionszahlen mit einer Ausweitung der Tests. Nach zwei tödlichen Bränden in russischen Krankenhäusern haben die Behörden die Nutzung der vermutlich dafür verantwortlichen Beatmungsgeräte gestoppt. Das in Russland seit dem 1. April produzierte Modell Aventa-M wird einstweilen für die künstliche Beatmung von Covid-19-Patienten nicht mehr eingesetzt.