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Covid in Großbritannien

Mehr als 12.500 Heimbewohner in Großbritannien gestorben

In Großbritannien sind binnen zwei Monaten tausende Bewohner von Pflegeheimen an den Folgen einer Coronavirus-Infektion gestorben. Im März und April seien in den Regionen England und Wales 12.526 Heimbewohner an der Lungenkrankheit Covid-19 gestorben, teilte die nationale Statistikbehörde ONS am Freitag in London mit.

red/Agenturen

Medienberichten zufolge befasst sich die Gleichstellungskommission mit Vorwürfen, wonach Kliniken erkrankte Heimbewohner vorzeitig entließen. Nach Angaben der Statistikbehörde starben zwei Drittel der Heimbewohner in ihrer Pflegeeinrichtung, ein weiteres Drittel starb im Krankenhaus. Angesichts der Übersterblichkeit gehen die Statistiker jedoch von einer hohen Dunkelziffer aus. Demnach starben in den ersten vier Monaten dieses Jahres mehr als 23.000 mehr Menschen in Pflegeheimen als im Vorjahreszeitraum.

Premierminister Boris Johnson hatte diese Woche im Parlament eingeräumt, dass die Zahl der Todesopfer durch Covid-19 in Pflegeeinrichtungen „zu hoch“ sei. Vorwürfe, wonach seine Regierung Pflegeeinrichtungen zu spät mit wichtiger Schutzbekleidung ausgestattet habe, wies er zurück: Seine Regierung werde weitere 600 Millionen Pfund (678 Mio. Euro) zur Unterstützung der Pflegeeinrichtungen freigeben, kündigte Johnson an.

Johnsons Regierung war zuvor heftig kritisiert worden, weil sie in ihren Corona-Statistiken die Todesfallzahlen aus Pflegeheimen zunächst nicht berücksichtigt hatte. Pflegeeinrichtungen monierten zudem, dass Krankenhäuser an Covid-19 erkrankte Pflegeheimbewohner vorzeitig entlassen hätten. Wie die Zeitung „Daily Telegraph“ am Freitag berichtete, geht die Gleichstellungs- und Menschenrechtskommission der Regierung diesen Vorwürfen derzeit nach.

Nach USA am zweitstärksten von Covid-19 betroffen

Gemessen an der Todesfallrate ist Großbritannien inzwischen weltweit das am zweitstärksten von der Corona-Pandemie betroffene Land nach den USA. Nach ONS-Angaben starben bis zum 1. Mai mehr als insgesamt 36.000 Menschen durch das Coronavirus, die meisten von ihnen in England und Wales. Das Gesundheitsministerium gibt die Zahl der Todesfälle durch das Coronavirus mit 33.614 an.

Experten zufolge kann das tatsächliche Ausmaß der Pandemie wohl erst in einigen Monaten erfasst werden. Die Statistikbehörde verwies auch auf die landesweit hohe Übersterblichkeit, die darauf hindeuten könnte, dass die tatsächliche Zahl der Corona-Toten in Großbritannien bereits bei fast 50.000 liegen könnte.

Verlegung in Pflegenheime ohne Test zuvor

Der Druck auf die Regierung in London wegen ihres Umgangs mit der Coronavirus-Pandemie ist in letzter Zeit zunehmend größer geworden. Die Situation in den Pflegeheimen, wo knapp ein Viertel der bisher auf Covid-19 zurückgeführten Todesfälle registriert wurden, ist dabei immer mehr in den Fokus geraten. Kritisiert wird vor allem, dass bis Mitte April Patienten aus Krankenhäusern in Pflegeheime verlegt wurden, ohne vorher standardmäßig auf das Coronavirus getestet worden zu sein. Es sei offensichtlich, dass jeder hätte getestet werden müssen, sagte Ex-Gesundheitsminister Jeremy Hunt von der konservativen Regierungspartei der BBC am Donnerstag. Am Mittwoch hatte bereits Oppositionschef Keir Starmer von der Labour-Partei Premierminister Boris Johnson aufgefordert, Fehler einzugestehen.

Befürchtet wird, dass die Zahl der Sterbefälle in Pflegeheimen weitaus höher ist als bisher bekannt, weil viele Infektionen möglicherweise nicht entdeckt wurden. Darauf weist eine im Vergleich zu den vergangenen Jahren überdurchschnittlich hohe Zahl an Todesfällen hin. Jüngsten Zahlen des Statistikamts ONS (Office for National Statistics) zufolge ereigneten sich in der letzten Aprilwoche sogar 40 Prozent aller Covid-19-Todesfälle in Pflegeheimen.

Die Zahl der täglich registrierten Sterbefälle in Pflegeheimen durch das Coronavirus ging in Großbritannien zuletzt zurück, wie Johnson am Mittwoch bei der wöchentlichen Fragestunde im Parlament betonte. Doch schon jetzt gibt es Rufe nach einem Untersuchungsausschuss.


 

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