Coronavirus

EU vor bedingter Marktzulassung von Remdesivir

Die Europäische Union will den Weg für einen Einsatz des Medikaments Remdesivir bei Covid-19-Patienten womöglich in Kürze frei machen. „Es könnte sein, dass eine bedingte Marktzulassung in den kommenden Tagen erteilt werden kann“, sagte der Direktor der europäischen Arzneimittelbehörde EMA, Guido Rasi, am Montag bei einer Anhörung im EU-Parlament in Brüssel

red/Agenturen

Die EMA hatte bereits kürzlich den Einsatz des noch nicht als Medikament zugelassenen Mittels des US-Biotechkonzerns Gilead außerhalb klinischer Studien empfohlen. Damit wird die Nutzung eines Medikaments ermöglicht, noch bevor es vollständig zugelassen ist.

Bisher gibt es weder einen Impfstoff noch ein Medikament für die durch das Coronavirus ausgelöste Lungenkrankheit Covid-19. Gilead erhielt vor kurzem die US-Zulassung für die Verwendung von Remdesivir in Notfällen, nachdem der Arzneimittelhersteller Daten zur Verfügung gestellt hatte, die zeigten, dass das Medikament den Krankheitsverlauf bei Patienten verkürzen kann.

Bereits jetzt eben können Patienten mit der Lungenkrankheit Covid-19 in bestimmten Fällen damit behandelt werden. Es sei ein ungewöhnlicher Schritt, dass der zuständige Ausschuss der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) schon vor der Zulassung einen breiteren Einsatz ermöglicht habe, sagte Clemens Wendtner, Chefarzt der an weltweiten Studien zu Remdesivir beteiligten Klinik für Infektiologie der München Klinik Schwabing. Jetzt scheint die Zulassung in greifbarer Nähe.

Rund die Hälfte der Patienten profitiert davon

Die bisherigen Zwischenergebnisse seien laut Wendtner so gut, dass das Medikament im Sinne eines Hilfsprogramms außerhalb von Studien zur Verfügung gestellt werden könne. Bereits vor einiger Zeit hatte der Chefarzt berichtet, dass etwa die Hälfte der mit Remdesivir behandelten Patienten davon profitiere. Etwa konnten schwer Erkrankte früher von den Beatmungsmaschinen genommen werden. Auch andere Mediziner, etwa in den USA, sahen Erfolge.

Die München Klinik Schwabing ist als eine von acht deutschen Kliniken an den Remdesivir-Studien beteiligt, an denen weltweit rund 7.600 schwer und mittelschwer erkrankte Patienten teilnehmen sollen. Bis zum 29. Mai sollen Patienten rekrutiert werden. „Dann wird es eine große Auswertung geben“, sagte Wendtner. Vom Ergebnis hängt ab, ob das Mittel endgültig für die Behandlung von Covid-19 zugelassen wird.

 

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