Spitäler

Spatenstich beim umstrittenen Neubau in Oberwart

In Oberwart ist am Dienstagvormittag der Spatenstich für die Errichtung des neuen Krankenhauses erfolgt. Der Neubau mit 319 Betten werde „das Leitspital des Südburgenlandes und der Ostregion Österreichs“, sagte Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) beim Festakt. Als Obergrenze für die Errichtungskosten nannte er 235 Millionen Euro. Kritik gab es im Vorfeld vom Rechnungshof.

red/Agenturen

Doskozil erneuerte das Bekenntnis zu den fünf Spitalsstandorten im Burgenland. Er sei „jetzt mehr denn je davon überzeugt“, dass es „die richtige Entscheidung“ gewesen sei, in Oberwart und in Gols (beides Spitalsneubauten) sowie in Gesundheit und Pflege zu investieren.

Der Verschuldungsgrad des Landes werde sich durch die Coronakrise erhöhen, so der Landeshauptmann. Aber das Burgenland sei „so exzellent finanziell aufgestellt“, dass man das heurige Jahr und das nächste Jahr unter den gegebenen Voraussetzungen sicherlich auch finanziell gut bewältigen werde.

Die Finanzierung des Spitals stand ja bereits unter massiver Kritik: Der Rechnungshof (RH) bemängelte in einem Bericht aus 2019  Planung, Sanierung und Neubau des Krankenhauses. 15 Landtagsabgeordnete der Opposition hatten die Prüfung des Projekts von 2004 bis 2016 veranlasst. Der RH gab 29 Empfehlungen ab. Unter anderem solle das Land in Zukunft „rechtzeitig für eine klare Rollenverteilung bei Bauprojekten" sorgen.

Es müsse eine „durchgängige, klar strukturierte Projektorganisation" gewährleistet werden, um Unklarheiten in der Zuständigkeit zu vermeiden, betonte der Rechnungshof. Zudem solle die Burgenländische Krankenanstalten-Gesellschaft (KRAGES) zur transparenten Darstellung der Kosten künftig eine „eindeutige und durchgängige Zuordnung der gesetzten Maßnahmen" vornehmen.

„Weitgehend verlorene Kosten“

Der Rechnungshof untersuchte das Projekt des Krankenhauses in einem Zeitraum von 14 Jahren. Die Gesamtkosten für die Instandhaltung, Investitionen und die Instandsetzung betrugen insgesamt rund 70 Millionen Euro. Das geplante Projekt „Zu- und Umbau", das nach einer Evaluierung 2013 abgesagt wurde, kostete laut RH bis Mitte 2018 rund 9,36 Millionen Euro. Diese Kosten seien als „weitgehend verlorener Aufwand" zu bewerten. Anstelle des Zu- und Umbaus entschied man sich nämlich letztlich doch für einen Neubau des Krankenhauses. Die Kosten dafür schätzte die Projektleitung laut RH im März 2018 auf rund 202 Millionen Euro.

Der Rechnungshof empfahl der KRAGES außerdem, die Ausfalls- und Betriebssicherheit für das bestehende Krankenhaus trotz der Reduktion der Instandhaltungsmaßnahmen zu gewährleisten. Sie solle die Erhaltungsstrategie für die Restnutzungsdauer des Krankenhauses anpassen und die Maßnahmen zur Instandhaltung auf Erfordernis und Nachhaltigkeit prüfen. Der Rechnungshof empfahl außerdem künftig einen klaren Projektauftrag vor Projektbeginn, um kostenintensive Umplanungen und Mehrkostenforderungen zu vermeiden.

Der Krankenhausneubau in Oberwart sei die „größte Baustelle des Burgenlandes“. Im Hinblick auf die Coronakrise stellte Doskozil beim heutigen Spatenstich fest, jede Abteilung des neuen Spitals werde eine Isolierstation haben. Schwerpunkte sollen etwa in den Bereichen Onkologie, Dialyse und Herzkatheter liegen.

Zeitplan trotz Corona aufrecht

Das finanzielle Limit für die Errichtung des Spitals bis zur Inbetriebnahme seien 235 Millionen Euro. Dieses Limit dürfe bis zum Zeitpunkt, wo das Spital bezogen und aktiv sei, nicht überschritten werden: „Und daran wollen wir in Zukunft gemessen werden.“

„Trotz Corona bleibt unser Zeitplan selbstverständlich aufrecht“, betonte der Geschäftsführer der KRAGES, Hans Peter Rucker: „Es hat sich erneut gezeigt: Unser Team in Oberwart ist bestens aufgestellt und hat bereits seit der Planungs- und Ausschreibungsphase dieses für das Burgenland so wichtige Großprojekt professionell im Griff.“

Mit den Erdbauarbeiten soll im Juni begonnen werden. Die Fertigstellung ist laut KRAGES bis zum vierten Quartal 2023 geplant. Übersiedelung und Inbetriebnahme des Neubaus sollen dann bis zum dritten Quartal 2024 abgeschlossen sein. Das Krankenhaus entsteht auf einem 44.800 Quadratmeter großen Grundstück, die überbaute Fläche soll 16.000 Quadratmeter betragen. Für die Patienten sind insgesamt 138 Zimmer mit ein bis vier Betten geplant.

Das Spital soll nach Fertigstellung unter anderem über sieben Operationssäle, einen modernen Ambulanzbereich sowie eine onkologische Tagesklinik verfügen. Für die Planung zeichnet die Grazer ARGE Ederer Haghirian Architekten ZT-GmbH verantwortlich. Auf der Baustelle werden laut KRAGES bis zu 350 Personen gleichzeitig tätig sein.