Serbien der Veröffentlichung falscher Daten beschuldigt

Serbiens Opposition will die zuständigen Behörden dazu zwingen, die seit der Vorwoche in der Öffentlichkeit kursierenden unterschiedlichen Daten über die Zahl der Coronavirus-Infizierten und -Toten aufzuklären. Die Abgeordnete Marinika Tepic, Vizepräsidentin der oppositionellen Partei Freiheit und Gerechtigkeit (SSP), erstattete Strafanzeige gegen mehrere Mitglieder des Krisenstabes.

red/Agenturen

Dem von Ministerpräsidentin Ana Brnabic geleiteten Krisenstab wird angelastet, falsche Daten über Kranken- und Totenzahlen veröffentlicht und im Juni die Abhaltung von Parlamentswahlen sowie mehreren Sportereignissen erlaubt zu haben, was laut der Strafanzeige, auf die sich das Internetportal „Nova.rs“ am Mittwoch beruft, „zum Tod mehrerer Personen“ geführt habe.

Den Anlass für die Strafanzeige lieferten nicht nur die seit dem Urnengang erneut täglich dreistelligen Zahlen der Neuinfizierten, sondern auch ein Bericht des Internetportals „Balkaninsight“. Dieses vermeldete am 23. Juni - zwei Tage nach den Parlamentswahlen -, dass es in der Woche zuvor täglich zwischen 300 und 340 neue Coronafälle gegeben habe. Offiziell lag der höchste Tageswert bei 97. Unter Berufung auf die nie veröffentlichten Daten der Regierung meldete das Internetportal auch, dass zwischen 19. März und 1. Juni in Serbien 632 mit dem Coronavirus infizierte Personen gestorben seien. Laut den offiziellen Angaben wurden in diesem Zeitraum 244 Tote verzeichnet.

Eine offizielle Erklärung für die unterschiedlichen Daten blieb bisher aus. Allerdings ließen mehrere Mitglieder des Krisenstabes wissen, dass ihnen die angeblichen Geheimdaten nicht bekannt gewesen seien. Bei einem Besuch in Novi Pazar, dem von der Coronakrise derzeit schwer betroffenen Verwaltungszentrum des Sandschak, wurde Ministerpräsidentin Ana Brnabic am gestrigen Dienstag von der lokalen Bevölkerung am Dienstag mit verschiedenen Ausrufen beschimpft, darunter die Bezeichnung „Diebe“. Während ihrer Ansprache vor dem Krankenhaus wandten ihr einige anwesende Ärzte und Krankenschwestern den Rücken zu.

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