Forscher entwickelten Modell für Epidemie-Versicherung

Ein Modell für eine Epidemie-Versicherung haben Forscher der Technischen Universität (TU) Wien entwickelt. Ihr Rückversicherungsprodukt könnte nicht nur schnelle und unbürokratische Hilfe ermöglichen, sondern gleichzeitig auch Regierung und Bevölkerung des versicherten Staates motivieren, notwendige Maßnahmen zu ergreifen. Die Kosten wären dabei überschaubar.

red/Agenturen

Versicherungen kann man grundsätzlich gegen jeden beliebigen Unglücksfall entwickeln - auch gegen Epidemien. Allerdings werden Versicherungen meist abgeschlossen, um einen Schaden nachträglich abgegolten zu bekommen. „Das wäre bei einer Epidemie nicht der richtige Weg“, erklärt Julia Eisenberg vom Institut für Stochastik und Wirtschaftsmathematik der TU Wien. Denn die Schadensabgeltung würde viel zu lange dauern, bei einer Epidemie brauche man sofort Hilfe, in Form von Geld oder auch in Form von Nahrungsmittelpaketen, die an die Bevölkerung ausgegeben werden.

Daher hat Eisenberg gemeinsam mit Kollegen der Universität Liverpool für Epidemien eine „parametrische Versicherung“ vorgeschlagen. Dabei wird von der Versicherung eine bestimmte Leistung erbracht, wenn ein genau definierter Fall eintritt - zum Beispiel wenn eine bestimmte Zahl von Krankheitsfällen auftritt und ein nationaler Notstand ausgerufen wird. Die Höhe des tatsächlichen Schadens spielt dabei keine Rolle, daher kann die Versicherung sehr rasch bezahlen, noch bevor der Schaden eingeschätzt werden kann.

Große Rückversicherungsgesellschaften wie zum Beispiel Swiss Re würden solche parametrische Produkte bereits für Ereignisse wie Erdbeben, tropische Wirbelstürme oder Überschwemmungen anbieten, bei denen die Leistung von bestimmten Werten wie der Magnitude, Windgeschwindigkeit oder Niederschlagsmenge abhängen.

Könnte Regierung motivieren, notwendige Maßnahmen zu ergreifen

„Unser Vorschlag ist, dass die Versicherungssumme in verschiedenen Tranchen ausbezahlt wird: Ein Teil sofort, ein weiterer Teil aber nur dann, wenn beim versicherten Staat bestimmte Epidemie-Indikatoren die Sollwerte nicht übersteigen.“ So könnte etwa im Versicherungsvertrag festgelegt sein, dass der Staat durch Lockdowns oder andere Maßnahmen dafür sorgen muss, die Infektionszahlen unter einem bestimmten Wert zu halten, und gleichzeitig eine Mindestzahl von Tests durchführen muss. Nur in diesem Fall kommt weiteres Geld von der Versicherung.

„Damit würde man das Problem des sogenannten Moral Hazard abschwächen“, so Eisenberg unter Hinweis darauf, dass Versicherungen manchmal dazu führen, dass risikoreiches Verhalten gefördert wird. Wenn aber die Zahlung an die Einhaltung bestimmter Regeln gebunden ist, hätte ein Staat eine starke finanzielle Motivation, sich korrekt zu verhalten und sinnvolle Regeln zu erlassen.

Wie Modellberechnungen der Wissenschafter am Beispiel der Corona-Epidemie in Italien zeigen, wären die Kosten für so ein Produkt „überschaubar“. Für dieses sehr einfache Modell habe man Italien genommen, weil die benötigten Daten leicht zugänglich waren, betonte Eisenberg. Sinnvoll wäre eine derartige Versicherung vor allem für ärmere Länder etwa in Afrika, die von einer Epidemie härter getroffen würden.