Corona-Screenings in den Bundesländern angelaufen

In Oberösterreich fahren die Testkapazitäten wieder hoch, am Dienstag standen besonders die Tests in den fleischverarbeitenden Betrieben im Fokus. In der Steiermark sind bei Coronavirus-Screening-Programmen in Schlachthöfen alle Testergebnisse negativ ausgefallen. Die Zahl der in Niederösterreich, Kärnten und Tirol durch Screenings entdeckten positiven Fällen liegt im Promillebereich. 

red/Agenturen

In Oberösterreich sind am Dienstag die Tests in den fleischverarbeitenden Betrieben besonders im Fokus und unter Zeitdruck gestanden, in zwei der betroffenen Unternehmen sind sie weitgehend abgeschlossen. Zudem wollte man einen Schwerpunkt auf mobile Dienste legen und die Testaktivitäten in den Alten- und Pflegeheimen nochmals verstärken. Im Umfeld von Verdachtsfällen sollen nahe Kontaktpersonen künftig auch dann getestet werden, wenn sie asymptomatisch sind. Bei positiven Fällen an Schulen will man alle Mitschüler derselben Klasse zum Abstrich schicken.

Insgesamt hat das Land Oberösterreich begonnen, seine Testkapazitäten wieder hochzufahren. Die Drive-Ins des Roten Kreuzes werden von zwölf auf 16 aufgestockt, die mobilen Teams ebenfalls verstärkt. Im Bedarfsfall will man auch die Laborkapazitäten erhöhen. Für diese Testoffensive hat das Land zehn Millionen Euro locker gemacht, die es aber vom Bund zurückzubekommen hofft. Die Zahl der täglich gemachten Tests in Oberösterreich lag zwischen 1. und 5. Juli zwischen 1.090 und 1.435, am Montag waren es 1.030. Bisher wurden in Oberösterreich 87.382 Coronatests durchgeführt.

Steiermark testet in drei Programmlinien

In der Steiermark sind Coronavirus-Screening-Programme unter anderem in Schlachthöfen voll angelaufen und da lagen auch schon erste Ergebnisse vor: Günter Siwetz von der Landessanitätsdirektion bestätigte einen Bericht des ORF Radio Steiermark, wonach bisher alle Testergebnisse negativ ausgefallen sind. Die hygienischen Konzepte in den Schlachthöfen der Grünen Mark seien sehr gut, stellte er fest.

Er schilderte, dass in der Steiermark auf drei Programmlinien bei den Screenings gesetzt werde: erstens Pflegebedürftige und Bedienstete in den Alters- und Pflegeheimen, zweitens Personen in Gesundheitseinrichtungen und drittens ausgewählte Berufsgruppen wie Mitarbeiter von Schlachthöfen. In den kommenden Wochen sollen auch Berufsgruppen mit direktem Körperkontakt getestet werden: „Ich denke dabei an Physiotherapeuten, Friseure und Masseure“, so Siwetz. Die Tests laufen auf freiwilliger Basis. Bisher habe es nur wenige Menschen gegeben, die abgelehnt hätten.

120.000 Testungen in Niederösterreich durchgeführt

In Niederösterreich sind bis Dienstag fast 120.000 Testungen auf das Coronavirus durchgeführt worden. Exakt waren es mit Stand in der Früh 119.295. Es handle sich dabei um behördliche Testungen und Screenings, teilte das Büro von Gesundheitslandesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) auf Anfrage mit.

Für Verdachtsfälle, die über die Hotline 1450 oder direkt an die Bezirkshauptmannschaft eingemeldet werden, stehen in dem Bundesland mobile Testteams des Samariterbundes und des Roten Kreuzes bereit, die direkt zu Hause die Abnahme durchführen. Daneben gibt es immer wieder Screenings, die in unterschiedlicher Weise bewältigt werden. Einerseits kommen die mobilen Teams (etwa in Firmen oder Schulen) zum Einsatz, andererseits gibt es fixe Teststellen, die für die Dauer des Screenings betrieben werden. Beispiele dafür seien Drive-in-Stationen in jedem Landesviertel oder Testungen in allen Gemeindeämtern etwa für Kindergartenhelfer und Ferienspielbetreuer.

Test-Strategie in Absprache mit Bund

Seit Mitte April finden in Niederösterreich neben den behördlichen Testungen auch Screenings in Risikobereichen statt. Das Büro der Landesrätin nannte diesbezüglich alle Alters- und Pflegeheime, mobile Pflegedienste, Mitarbeiter in Kliniken, Landesbedienstete, Gemeindebedienstete im Kindergartenbereich, Behinderteneinrichtungen, Obdachloseneinrichtungen und Frauenhäuser, Saisonarbeiter, einzelne Firmen, niedergelassene Ärzte sowie Asylwerber in Traiskirchen.

Die weitere Teststrategie befinde sich derzeit in Abklärung mit dem Bund. Sie umfasse zusätzlich auch 24-Stunden-Betreuerinnen, pflegende Angehörige und Risikogruppen. Weil die Screenings im Tourismusbereich nicht über den Sanitätsstab stattfänden, seien dazu keine detaillierten Aussagen möglich.

Die Zahl der Freiwilligen wurde im Büro von Königsberger-Ludwig als „sehr unterschiedlich“ bezeichnet. Im Postverteilerzentrum Hagenbrunn etwa seien es nahezu 100 Prozent gewesen. Bei einem größeren Personenkreis gebe es auch Testungen mit einer Teilnahme von etwa 20 Prozent. „Da Screenings immer freiwillig sind, kann das Land hier nur Angebote schaffen. Auf die Teilnahme nehmen wir keinen Einfluss“, erläuterte ein Sprecher.

Hingewiesen wurde auch darauf, dass sich das Testregime seit Beginn der Pandemie mehrfach geändert habe. „Einerseits aufgrund der unterschiedlichen Falldefinitionen, die vom Bund kommen, andererseits auch aufgrund der anfangs knappen und mittlerweile ausgebauten Ressourcen.“ Behördliche Testungen würden jedenfalls dann stattfinden, wenn ein Verdacht vorliegt. Bei den Screenings seien die Überlegungen vor allem, vulnerable Personengruppen zu schützen und jene zu testen, die das Virus möglicherweise unbeabsichtigt „einschleppen“. Eine weitere Überlegung seien engere Arbeits- und Wohnverhältnisse zu testen, die eine Weitergabe des Virus begünstigen. Diesbezüglich wurden u.a. Erntehelfer oder Asylzentren angeführt.

Screenings in NÖ zeigen geringe Durchseuchung

Testungen würden nur einen Teil der Maßnahmen darstellen, betonte der Sprecher. „Für eine erfolgreiche Eindämmung sind vor allem das Contact-Tracing und die frühzeitige Absonderung von ansteckungsverdächtigen Personen essenziell.“

Was Ergebnisse angehe, würden jene einer Antikörperstudie in Reichenau a. d. Rax (Bezirk Neunkirchen) derzeit noch ausgearbeitet und Ende August zur Verfügung stehen. Die Resultate seien allerdings auch „nicht für den einzelnen Bürger aussagekräftig, sondern sollen epidemiologische Aufschlüsse über eine Durchseuchung in einem Gebiet geben, das gemessen an der Gesamtbevölkerung überdurchschnittliche Fallzahlen aufgewiesen hat“. Ergebnisse der Screenings würden durchwegs zeigen, dass eine sehr geringe Durchseuchung vorliegt. Bei geringerer Testungsanzahl wie z. B. im Postverteilzentrum Hagenbrunn sei die Prozentzahl der positiven Fälle relativ höher als etwa bei allen Landesbediensteten. Die Zahl der durch Screenings entdeckten positiven Fällen liegt jedenfalls im Promillebereich.

Bisher kaum Treffer bei Screenings in Kärnten

Coronavirus-Screenings sind in Kärnten vor allem im Gesundheitsbereich durchgeführt worden. In Alten- und Pflegeheimen wurden bisher über 7.000 Tests gemacht, 4.000 davon bei Patienten. Drei Mal erwies sich ein schwach positives Ergebnis bei einem Folgetest als falsch. Am Sonntag bestätigte sich erstmals ein Fall bei einer Pflegeheim-Mitarbeiterin, ergab eine APA-Anfrage beim Landespressedienst.

57 Pflegeheime wurden bereits durchgetestet, 19 sind noch offen. Auch in Behindertenheimen gibt es Screenings. Wenn die Pflegeeinrichtungen durchgetestet sind, soll in der mobilen Pflege weitergemacht werden. Die Abstriche werden teilweise von mobilen Teams vor Ort genommen, teilweise werden stationäre Drive-ins dafür eingerichtet. Ein Screening unter Krankenhauspatienten wurde nach 1.000 negativen Tests wieder eingestellt. Krankenhaus-Mitarbeiter werden nun bei Symptomen getestet oder anlassbezogen, wenn Verantwortliche es für notwendig erachten.

Gut 1.200 negative Tests im Kärntner Tourismus

Abgesehen vom Gesundheitsbereich werden in Kärnten Tourismus-Mitarbeiter in der Region Wörthersee getestet - freiwillig, wie bei allen Screenings, wie betont wird. Auch hier werden Abstriche stationär genommen. Die bisher gut 1.200 Tests waren alle negativ, hieß es im Büro von Tourismuslandesrat Sebastian Schuschnig (ÖVP). Ab 9. Juli kommen werden die Tests auf weitere Regionen ausgedehnt, zuerst in Richtung Klagenfurt und Villach.

An Kärntner Schlachthöfen wurden von der Agentur für Ernährungssicherheit (AGES) bisher 100 Tests gemacht, sie alle waren negativ. Am Klagenfurter Schlachthof können sich die Mitarbeiter der dort ansässigen Firmen sowie der Dienststelle Veterinärwesen nun auch testen lassen, wie die Klagenfurter Stadtpresse am Montag bekannt gab. Postverteilerzentren wurden in Kärnten nicht durchgetestet, weil die Situation nicht mit anderen Bundesländern vergleichbar sei, sagte Gerd Kurath vom Landespressedienst. In Kärnten beschäftige man nämlich keine Leiharbeitsfirmen. Außerhalb der Screenings wird nur getestet, wer als Verdachtsfall gilt.

25.000 Schwerpunkttestungen in Tirol durchgeführt

In Tirol werden bereits seit Längerem flächendeckende Screenings in sensiblen Bereichen durchgeführt. Bisher gab es acht verschiedene Schwerpunkttestungen bei denen insgesamt knapp 25.000 Personen getestet wurden, teilte das Land am Dienstag mit. Aus diesen verschiedenen Screenings resultierten 356 positive Testergebnisse.

Die Screenings betrafen bisher die Bereiche Wohn- und Pflegeheime, Sozial- und Gesundheitssprengel, Behinderteneinrichtungen, Arztpraxen, Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe, Kinderbetreuungseinrichtungen sowie Schulen. Wobei die Wohn- und Pflegeheime und die Sozial- und Gesundheitssprengel bereits mehrmals durchgetestet wurden. Im Rahmen des Pilotprojekts des Bundes wurden auch im Tourismus Schwerpunkttestungen in der Tourismusregion Wilder Kaiser durchgeführt.

Zudem sollen die Querschnitttestungen auch noch auf weitere Bereiche ausgedehnt werden. Angedacht seien etwa Mitarbeiter in Fleischverarbeitungsbetrieben, die Polizei und Asylwerber, kündigte Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) an. Die Tests seien grundsätzlich freiwillig, man biete sie seitens des Landes aber an. Zudem sei mit den Fleischverarbeitungsbetrieben in Tirol unmittelbar nach Bekanntwerden der Coronafälle in Deutschland Kontakt aufgenommen worden. Zusätzlich zum Angebot der Testungen seien auch Informationen ausgetauscht und Hygienekonzepte eingeholt worden. Alle Schwerpunkttestungen wurden seitens des Landes als Angebot auf freiwilliger Basis gelegt, hieß es. Eine Ausnahme stellen die Schwerpunkttestungen im Tourismus dar, dabei handle es sich um ein Pilotprojekt des Bundes. In Tirol wurden bisher insgesamt knapp 90.000 Tests durchgeführt.