Coronavirus

Salzburg sieht sich für mögliche zweite Coronavirus-Welle gewappnet

Eben noch ist es in Salzburg gelungen, den Cluster rund um ein Rotarier-Treffen in der Landeshauptstadt unter Kontrolle zu halten, da bereitet den Gesundheitsbehörden schon die nächste Häufung von Fällen in einem Seniorenheim Sorgen. Insgesamt sehen sich Politik, Verwaltung und Spitäler im Land aber aktuell gut für eine zweite Coronavirus-Welle gewappnet – sollte sie denn tatsächlich kommen.

red/Agenturen

„Die Frage ist, wie sich die Lockerungen der Maßnahmen, das geänderte Verhalten der Menschen und die sich wieder erhöhte Mobilität auf die Infektionszahlen auswirken werden“, sagte Dominik Rosner, der Leiter des neuen "Covid-19-Boards" des Landes, am Mittwoch zur APA. „Wir können hier leider keine Prognosen abgeben, sondern müssen uns von Tag zu Tag weitertasten. Aber es gibt Erfahrungen, auf denen wir aufbauen können. Und es ist eine gewisse Routine da.“

Salzburg hat zuletzt seinen Landeseinsatzstab aufgelassen und das Krisenmanagement im „Covid-19-Board“ neu organisiert. Das Gremium hat nun alle Agenden inne, um das Virus einzudämmen. Der Einsatzstab ist damit wieder für den Fall anderer Katastrophen-Szenarien wie Hochwasser voll verfügbar, er kann aber jederzeit bei einer erneuten Infektionswelle reaktiviert werden.

„Unser Hauptziel ist das schnelle Auffinden von Clustern und ein rasches Contact-Tracing, um die Infektionsketten zu unterbrechen“, erklärte Rosner. Dazu komme die Zusammenarbeit mit den Spitälern und Einsatzorganisationen, der Blick auf das Grenzmanagement und die Schulung von Helfern – etwa von Polizei oder Bundesheer. Zudem arbeite das „Covid-19-Board“ an Notfallplänen etwa für Pflegeeinrichtungen, Restaurants, Hotels, Asyl- oder Arbeiterwohnheime und Veranstaltungen.

„Wir werden auch eine Datenbank aufbauen, auf die alle Gesundheitsbehörden gleichzeitig zugreifen können, was ein schnelleres Arbeiten ermöglicht“, sagte Rosner. Analog zum Ampelsystem des Bundes arbeite man auch in Salzburg an einem dreistufigen Modell, wobei auf jeder Stufe immer zwischen lokalen Hotspots oder landesweiter Betroffenheit unterschieden werden soll.

Zum Thema präventiver Screenings erklärte Gesundheitsreferent LHStv. Christian Stöckl (ÖVP), sich auf sensible Bereiche konzentrieren zu wollen. So will das Land alle Patienten, die ein Spital in Richtung Pflegeheim oder mobile Pflege verlassen, testen. Auch Asylheime, Behinderteneinrichtungen und Schlachthöfe sollen weiter im Fokus stehen. Die Seniorenheime im Land wurden schon einmal flächendeckend durchgetestet. „Aufgrund der Erfahrungen wollen wir hier auf ´geschickte Screenings´ umstellen, also nicht mehr regelmäßig alle testen, sondern auf einem auf Wahrscheinlichkeitsrechnung basierenden Modell.“

Von der Idee, sämtliches Personal und alle Patienten in den Spitälern zu testen, hält Stöckl hingegen wenig. „Das bisherige Modell, bei geringstem Verdacht oder Symptomen Personen bis zum Vorliegen des Testergebnisses abzusondern, hat sich bewährt.“ Die Spitäler im Land wurden unterdessen von einer zentralen Covid-Versorgung auf eine dezentrale Covid-Versorgung umgestellt. „Jedes Krankenhaus in den Regionen hält nun eine Covid-Station bereit.“ Weil die Rettungshubschrauber im Land mittlerweile entsprechend umgerüstet worden sind, sei bei einer Verschlechterung des Zustands eines Patienten jederzeit eine schnelle Verlegung auf die Intensivstationen im Uniklinikum Salzburg oder im Krankenhaus Schwarzach möglich.

Auch der Geschäftsführer der Salzburger Landeskliniken, Paul Sungler, sprach sich gegenüber der APA gegen Massenscreenings in den Spitälern aus. „Weil die Inkubationszeit recht unterschiedlich ist, ist ein Screening immer nur eine Momentaufnahme. Eine negativ getestet Person kann schon wenig später Symptome zeigen und ansteckend sein.“

Was die Versorgung mit Schutzmaterial wie Masken, Anzügen und Handschuhen betreffe, habe man mittlerweile Vorräte bilden können. „Die Depots wurden auf dreifache Norm gestellt, damit sind wir gut aufgestellt“, sagte Sungler. Einzig nicht zu 100 Prozent gewährleistet sei momentan die Versorgung mit PCR-Schnelltests, die das aufwendige Transportieren von Patienten auf Beobachtungsstationen obsolet machen. „Wir benötigen pro Woche rund 1.400 bis 1.800 solcher Tests. Der größte Teil der produzierten Menge geht derzeit aber in die USA. Wir sind jedoch bei den normalen PCR-Tests gut aufgestellt“, sagte Sungler.

Für jedes Beatmungsgerät in den Krankenhäusern steht mittlerweile geschultes Personal bereit – was am Beginn der Krise nicht der Fall gewesen ist. Der Covid-Bereich im Uniklinikum wurde verkleinert, das Behelfsspital im Messezentrum Salzburg abgebaut. Im Falle einer neuerlichen Infektionswelle sind beide Bereiche aber jederzeit wieder hochfahrbar.