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Coronakrise

Lockdown: Letzter Run auf Geschäfte, Schulen im Distanzmodus

Österreich befindet sich seit heute, Dienstag, 0.00 Uhr zum zweiten Mal in einem Corona-Voll-Lockdown. Die Schulen beenden den Unterricht an Ort und Stelle, der Handel muss bis auf Ausnahmen ebenso schließen wie Friseure und andere Dienstleistungen mit Körpernähe. Die Bevölkerung darf nur mehr für spezifische Tätigkeiten das Haus verlassen. Die Maßnahmen gelten vorerst bis einschließlich 6. Dezember.

red/Agenturen

Ziel des Lockdowns ist, die Spitäler vor Triage zu bewahren - also davor, dass Ärzte entscheiden müssen, wer noch die bestmögliche Behandlung erhalten kann. Dafür werden auch die Ausgangsbeschränkungen rund um die Uhr gelten. Erlaubt bleibt weiter die Fahrt in die Arbeit, der Einkauf von Grundgütern und der Arztbesuch. Auch der Aufenthalt im Freien ist gestattet, etwa für Spaziergänge oder Individualsport ohne Körperkontakt.

Der Zustrom in die Geschäfte, die ab Dienstag coronabedingt für die nächsten Wochen behördlich geschlossen werden, war auch noch am Abend vor dem zweiten Lockdown immens. Vor einer Gärtnerei in Ober St. Veit wurde teils in zweiter Spur geparkt, beim Obi in Penzing mussten sich die Kunden schon bei der Einfahrt ins Parkhaus in Geduld üben. Emsiger Betrieb herrschte dann auch an den Kassen. „Der Montag ist sonst eigentlich nie so stark“, meinte eine Kassiererin.

Während in Blumenhandlungen vor allem ein „Run“ auf Adventkränze herrschte, gab es diese im Baustoffmarkt noch zuhauf und um 50 Prozent ermäßigt auf mehrere Regale gleich beim Eingang verteilt. In dem Markt waren aber viele vor dem Lockdown im düster-kalten November in erster Linie auf eines aus: „Die Leute kauften vor allem Brennstoffe - das war auch schon am Samstag so“, berichtete ein Obi-Verkäufer beim Info-Schalter. „Normalerweise schieben wir drei bis fünf Paletten Holz, Kohle, Pellets, Holzscheite und Holzbriketts nach - heute waren es 20 Paletten.“

Auch am Vormittag so bis 13.00, 14.00 Uhr sei schon „echt viel los“ gewesen. Neben den Brennstoffen nahmen die Menschen „eigentlich alles, nur mehr davon“ mit nach Hause. Die Kunden seien teils auch sehr ungeduldig gewesen. „Viele Leute haben kein Verständnis, dass wir schließen“, erzählte der Obi-Mitarbeiter.

Beim MediaMarkt an der Ecke zum Hietzinger Kai, unweit des Baustoffmarktes, das gleiche betriebsame Bild: Hohe Kundenfrequenz und meterlange Schlangen an den Kassen. „Die Leute kaufen wie verrückt“, sagte ein Security-Mitarbeiter am Eingang zu dem Elektrofachgeschäft. „Das geht schon seit einer Woche so.“ Heimgetragen werde „alles querbeet - Computer, Großgeräte, Kleingeräte - Waschmaschinen, Kaffeemaschinen“. An diesem Montag sei viermal so viel los wie normalerweise, so seine Einschätzung. Es sei „so schubweise gekommen, auch tagsüber und auch schon am Vormittag“. „Aber nichts gegen Samstag.“ Da war seinem Eindruck zufolge noch mehr los. Alles, was es in dem Elektronikfachgeschäft gibt, könnte man auch im Internet bestellen. „Aber da haben die Leute keine Beratung“, erklärte der Sicherheitsmann.

Druckerpapier neues Lockdown-Gold

Sehr begehrt war vor dem Lockdown und der massenweisen Rückkehr in die Home-Offices offenkundig auch Druckerpapier. In einer Pagro-Filiale waren die entsprechenden Regale fast leergefegt. Die günstigeren Varianten in Weiß waren komplett ausverkauft, von den teureren gab es noch vereinzelt Pakete. Unverkauft stapelten sich hingegen die färbigen Varianten, davon gab es noch reichlich.

Der erste Advent ist zwar erst am 29. November, doch die Menschen verfielen auch diesbezüglich bereits in Hektik. „Die Leute haben heute noch extrem viel gekauft, vor allem Adventkränze“, sagte die Verkäuferin in einem kleinen Blumenladen zur APA. Mit dem Verkauf der Kränze habe man im heurigen Coronajahr früher begonnen. „Wir haben um eine Woche vorverlegt“, so die Geschäftsinhaberin. „Wir haben aber nicht ganz so viele wie letztes Jahr gemacht - wir waren vorsichtig.“ Ab Dienstag ist bis einschließlich 6. Dezember geschlossen. „Aber wir nehmen Bestellungen entgegen - die Nummer haben wir eh angeschlagen.“

Sonderbetreuungszeit nicht gültig, da Schulen und Co. offen bleiben

Nach den Oberstufenschulen stellen ab Dienstag auch Volksschulen, AHS-Unterstufen, Mittelschulen und Polytechnische Schulen bis 6. Dezember auf Distance Learning um. Nur an den Sonderschulen wird weiter regulär vor Ort unterrichtet. An allen Einrichtungen wird jedoch Betreuung bzw. pädagogische Unterstützung angeboten - wie viele Kinder das in Anspruch nehmen, ist jedoch noch unklar.

Der deutsche Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte warnt aktuell vor negativen Folgen für den Nachwuchs durch mögliche neue Schulschließungen. Aus Expertensicht seien Kinder nicht die Spreader des Coronavirus, sagte die Vizepräsidentin des Verbandes, Sigrid Peter, am Dienstag im ZDF-„Morgenmagazin“. Sie bedauerte, dass es keine einheitliche Maßgabe zum Tragen von Masken gebe. Ihr Verband empfehle dies für Kinder ab sechs Jahren mit Ausnahmen für chronisch kranke und behinderte Kinder. „Wir sehen das als eine gute Option, die Beschulung, die absolut notwendig ist, weiter durchführen zu können“, sagte Peter.

In den meisten heimischen Bildungsdirektionen schätzt man, dass vor allem im Volksschulbereich viele Kinder in die Schule kommen werden. Die Inanspruchnahme der Betreuung werde wohl auch von Standort zu Standort unterschiedlich sein. Für die Kindergärten wird die Besuchspflicht im letzten Kindergartenjahr aufgehoben, auch an ihnen ist eine Betreuung für alle Kinder möglich.

Der Rechtsanspruch auf Sonderbetreuungszeit wurde gestern im Nationalrat etabliert. Allerdings hat sie im aktuellen Lockdown keine Wirksamkeit, da die Schulen ja offen sind. Arbeitnehmer, die ihre Kinder zu Hause betreuen müssen, weil die Schule oder der Kindergarten coronabedingt geschlossen haben, sollen sich bis zu vier Wochen frei nehmen können, wobei dem Arbeitgeber die Kosten ersetzt werden. Dies gilt auch, wenn das Kind in Quarantäne ist. Die Regelung ist bis zum Ende des Schuljahres befristet.

 

 

Einkaufswägen
Der Handel öffnet ab 8. Februar wieder seine Pforten.
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