Coronavirus

Die USA gerät wieder ins Straucheln

Es war US-Präsident Joe Biden selbst, der kürzlich meinte, dass sich das Coronavirus in den USA derzeit „wie ein Lauffeuer unter den Ungeimpften“ verbreite. Vor allem in den Bundesstaaten mit geringerer Impfquote sei ihm zufolge die Rate der Infektionen „zehn bis zwanzig Mal so hoch“ wie in den Staaten mit der höchsten Impfquote. Bereits Tage zuvor hat sich auch US-Gesundheitsexperte Anthony Fauci besorgt gezeigt – über die erneut steigenden Zahlen, aber auch über das geringe Tempo bei den Impfungen. Wir blicken in die USA.

mil/Agenturen

Vor wenigen Tagen forderte der US-Präsident erst alle Amerikaner eindringlich auf, sich rasch impfen zu lassen. Es gebe immer noch rund 90 Millionen Menschen, die impfberechtigt seien, aber noch keine einzige Spritze bekommen hätten, mahnte Joe Biden. Geimpfte Menschen würden sich nur sehr selten mit Corona infizieren, noch seltener bei einer Infektion ins Krankenhaus müssen und fast nie an den Folgen der Infektion sterben, betonte Biden. „Wir erleben eine Pandemie der Ungeimpften“, so der Demokrat weiter.

Gleichzeitig kritisierte er mächtigste Mann der Welt einige republikanische Gouverneure für ihre Corona-Politik. „Wenn Sie schon nicht helfen, dann gehen Sie wenigstens den Leuten aus dem Weg, die versuchen, das Richtige zu tun“, forderte Biden am Dienstagnachmittag (Ortszeit). Zwei US-Bundesstaaten nannte er explizit als Negativbeispiele. „Nur zwei Staaten, Florida und Texas, sind für ein Drittel aller neuen Covid-19-Fälle im ganzen Land verantwortlich.“

„Nutzen Sie Ihre Macht, um Leben zu retten!“

In einigen Bundesstaaten sei die Maskenpflicht an Schulen verboten, monierte Biden. In Texas könnte für Universitäten sogar eine Geldstrafe fällig werden, wenn Lehrkräfte ungeimpfte Studierende zum Tragen einer Maske auffordern. Die beiden republikanischen Gouverneure Greg Abbott aus Texas und Ron DeSantis aus Florida haben sich zuletzt besonders laut gegen eine Maskenpflicht in ihren Staaten ausgesprochen und diese gar verboten.

„Nutzen Sie Ihre Macht, um Leben zu retten“, forderte der US-Präsident. „Wir brauchen Führungsstärke von allen. Und einige Gouverneure sind nicht bereit, das Richtige zu tun, um diese Pandemie zu bekämpfen.“ Der Demokrat lobte zudem ausdrücklich öffentliche und private Arbeitgeber, die für Ihre Mitarbeiter eine Impfpflicht eingeführt haben. Dies sei kein einfacher Schritt, aber er werde die Unternehmen und Behörden dabei unterstützen, versprach Biden.

Er wolle sich auch bei Unternehmen wie Google, Netflix, Disney und Walmart bedanken, fügte er hinzu. Andere hätten es abgelehnt, ihre Bemühungen zu verstärken. „Das finde ich enttäuschend“, sagte Biden. Die US-Regierung hatte vergangene Woche angekündigt, dass ihre Mitarbeiter - landesweit sind das mehrere Millionen - künftig entweder ihre Impfungen nachweisen müssen oder sich regelmäßig auf eine Infektion testen lassen müssen.

Delta sorgt für rund 80.000 Neuinfektionen pro Tag

Im Juni war die Zahl der Corona-Neuinfektionen in den USA im Durchschnitt auf rund 10.000 pro Tag gesunken gewesen. Inzwischen stieg die Zahl aber wegen der besonders ansteckenden Delta-Variante im Schnitt wieder auf gut 80.000 pro Tag an. Die Zahl der Todesfälle pro Tag liegt nun im Durchschnitt bei rund 350, wie Zahlen der Gesundheitsbehörde CDC zeigten. Die Impfkampagne in den USA kommt nur noch schleppend voran. Bisher sind fast 50 Prozent der Gesamtbevölkerung von rund 330 Millionen Menschen vollständig geimpft, rund 58 Prozent haben mindestens die erste Spritze bekommen.

Die bisherigen Höchstwerte wurden am 2. Jänner mit 300.462 Neuinfektionen sowie am 12. Jänner mit 4.460 Toten verzeichnet. Mehr als 83 Prozent aller erfassten Infektionen im Land sind nach Schätzungen der Gesundheitsbehörde CDC auf die besonders ansteckende Delta-Variante zurückzuführen.

In dem Land mit rund 330 Millionen Einwohnern haben sich bisher etwa 34,6 Millionen Menschen mit dem Erreger SARS-CoV-2 infiziert, mehr als 611.000 Menschen starben. In absoluten Zahlen gemessen - aber nicht relativ zur Bevölkerung - sind das mehr als in jedem anderen Land der Welt. Bisher haben in den USA nach CDC-Daten mehr als 56,9 Prozent der Menschen mindestens die erste Impfung erhalten, rund 49 Prozent sind vollständig geimpft.

USA empfiehlt wieder Masken

Wegen der hochansteckenden Delta-Variante hat die US-Gesundheitsbehörde CDC auch ünftig wieder das Maskentragen nehegelegt. Selbstvollständig Geimpfte sollen in einigen Teilen des Landes, in denen sich das Virus besonders stark ausbreitet, in öffentlichen Räumen wieder Mund und Nase bedecken, wie die Behörde am Dienstag mitteilte. Das gilt auch für Schulen.

Biden rief auch hier dazu auf, die neuen Richtlinien zu beachten. „Mehr Impfungen und das Tragen von Masken in den von der Delta-Variante am stärksten betroffenen Gebieten werden es uns ermöglichen, die Art von Lockdowns, Schließungen, Schulschließungen und Störungen zu vermeiden, mit denen wir im Jahr 2020 konfrontiert waren.“ Die USA würden zu diesen Maßnahmen nicht wieder zurückkehren.

Im Mai hatte die CDC für die allermeisten Situationen das Maskentragen in Innenräumen für vollständig Geimpfte nicht mehr für notwendig gehalten. Die CDC gibt dabei aber nur Empfehlungen ab. Letztlich entscheiden die US-Bundesstaaten selbst.

Starker Anstieg im Süden der USA

Zur neuen Einschätzung trugen auch Informationen bei, die eine signifikante Wahrscheinlichkeit der Weitergabe des Virus auch von Geimpften möglich erscheinen lassen. CDC-Direktorin Rochelle Walensky betonte aber, „dass wir glauben, dass die überwiegende Mehrheit der Übertragung bei ungeimpften Personen und durch ungeimpfte Personen erfolgt (...)“.

Besonders stark war die Zahl der neuen Fälle zuletzt in vielen südlichen US-Bundesstaaten wie Florida, Missouri oder Arkansas gestiegen. Dort ist die Impfquote besonders niedrig. Knapp 50 Prozent aller Amerikaner - 163 Millionen Menschen - sind vollständig geimpft. Das ist deutlich weniger, als die Regierung für diesen Zeitpunkt angepeilt hatte. Anders als die Zahl der Neuinfektionen ist jene der neuen Todesfälle pro Tag mit knapp 300 aber noch verhältnismäßig niedrig. Im Dezember und Januar lag diese Zahl regelmäßig bei mehr als 3000.

Künftig Impfnachweise für Restaurants in New York

Für Aktivitäten in öffentlichen Innenräumen - etwa Restaurants, Fitnessstudios oder Kultureinrichtungen - muss in der Millionenmetropole New York künftig sogar ein Impfnachweis erbracht werden. Das gelte ab Ende des Monats und auch für Mitarbeiter dieser Einrichtungen, teilte Bürgermeister Bill de Blasio Anfang August mit.

Mit der Maßnahme sollen die weitere Ausbreitung der Delta-Variante des Coronavirus iam Big Apple eingedämmt und zudem weitere Menschen dazu gebracht werden, sich impfen zu lassen.

Corona-Experte Fauci: USA bewegen sich in falsche Richtung

Schon Tage vor diesen Maßnahmen hat sich der US-Gesundheitsexperte Anthony Fauci hat sich besorgt über das Tempo der Corona-Impfungen und steigende Infektionszahlen in den Vereinigten Staaten gezeigt. „Wir bewegen uns in die falsche Richtung", sagte er am Sonntag (Ortszeit) im Fernsehsender CNN. Der Berater von US-Präsident Joe Biden warnte vor einer „Pandemie der Ungeimpften". „Daher flehen wir die Menschen praktisch an, rauszugehen und sich impfen zu lassen."

USA New York
In den USA liegt wieder einiges im Argen. Präsident Joe Biden und Corona-Experte Fauci warnen und bitten die Menschen, sich impfen zu lassen.
„Wir erleben eine Pandemie der Ungeimpften.“ US-Präsident Joe Biden