Interview Männergesundheit

„Hormone sind ein oft vernachlässigter Baustein!"

Der Urologe Markus Margreiter erzählt im Gespräch mit medinlive, warum sich Männergesundheit oftmals stark auf der psychologischen Ebene abspielt, wie sich das radikal im Wandel begriffene Männerbild auf die Gesundheit auswirkt und warum er extrem optimistisch in die (medizinische) Zukunft blickt.

Eva Kaiserseder
Markus Margreiter
Selbst Urologe, setzt Margreiter stark auf medizinische Multidisziplinarität und Vernetzung.
Lukas Beck

medinlive: In Ihrem neu erschienenen Buch „Mann 2020“ erzählen Sie eingangs, dass es immer interessante Reaktionen gibt, wenn Sie sich vorstellen: Als „Männergesundheitsexperte“ ernten Sie ein anerkennendes „Toll!“, der Urologe dagegen löst Unbehagen aus.

Margreiter: Genau. Dazu muss gesagt werden, ich vertrete ohnehin die Überzeugung, dass Männergesundheit ein breites Feld ist und niemandem „gehört“, auch nicht den Urologen. Verschiedene Disziplinen haben ja immer wieder einmal die Hoffnung, sie hätten den Heiligen Gral in Sachen Männergesundheit entdeckt, aber das ist meiner Meinung nach nicht wirklich möglich. Internisten fühlen sich zuständig, weil Männer viel mehr kardiovaskuläre Erkrankungen haben. Endokrinologen wiederum sagen, Hormone sind in dem Fall immens wichtig, was ja auch stimmt! Oder wir Urologen: Wir betrachten natürlich die Prostata als sehr wichtig. Und keiner von uns liegt falsch.

Ich glaube jedenfalls, dass es für die Männer grundsätzlich nicht immer leicht ist, sich zu orientieren, wer nun der passendste Ansprechpartner ist, wenn dann mit Mitte 40, Anfang 50 spätestens die Thematik auftaucht, dass man doch „einmal zur Kontrolle gehen sollte.“ Ich merke das selbst in meinem Bekanntenkreis, da herrscht eine gewisse Unsicherheit. Für die Männergesundheit gibt es eben keinen so klaren Fahrplan wie bei der Frau, nein, ich korrigiere, es gäbe ihn, aber er wird zu wenig klar kommuniziert und gelebt. Bei Frauen dagegen ist der Gynäkologe erster Ansprech und er begleitet die Frau eigentlich von Beginn ihrer Fruchtbarkeit an. Frauen wissen auch sehr genau, was dabei die Eckpunkte sind, sie wissen, wie eine gynäkologische Untersuchung abläuft, ab wann eine Mammografie Sinn macht und sogar oftmals, welche erblichen Risikofaktoren beim Brustkrebs eine Rolle spielen. Und sie kümmern sich in den meisten Fällen zuverlässig darum, den Gynäkologencheck regelmäßig zu machen, es ist einfach Teil der weiblichen Gesundheitsroutine. Dabei glaube ich, dass die gynäkologische Untersuchung unangenehmer ist als die urologische beim Mann.

Ich sehe dazu jedenfalls zwei interessante Punkte, über die ich auch viel nachgedacht habe: Warum wehren sich so viele Männer gegen die urologische Untersuchung und warum gibt es diese große Scheu davor? Eine Fingeruntersuchung beim Mann dauert wenige Sekunden und sollte nicht schmerzhaft sein. Ich denke, es hat sehr viel mit Scham zu tun, die hier beim Mann sehr ausgeprägt ist, deswegen erlebe ich auch viele Patienten, die vor einer Koloskopie Angst haben und sie nicht wollen.  Ich denke, es ist die Aufgabe von uns Ärzte, in dem Fall den Urologen, den Männern diese Scham zu nehmen und sie in ihren Ängsten ernstzunehmen.

In meiner Wahrnehmung ist das Thema mit Respekt und Angst verknüpft. Der Hintergrund meines Buches ist eben der, dass ich eine positive Verknüpfung in das Thema bringen möchte. Damit sich Männer eben nicht so fühlen, dass es „schon wieder nur um die Prostata geht“. Denn es gibt so viel mehr als das in Bezug auf Männergesundheit! Auch wenn hier die Vorsorge wichtig ist, dazu gehören auch definitiv Bereiche wie eine erfüllte Sexualität und eine gesunde Psyche.

medinlive: Stichwort Sexualität und Psyche: Welche Thematiken fallen Ihnen da momentan auf?

Margreiter: Zum Beispiel habe ich Patienten mit Erektionsstörungen, die sehr erfolgreich im Beruf sind, aber in diesem Bereich ein Problem haben, und interessanterweise ist das, was sie am Meisten stört, der Kontrollverlust. Für manche Männer ist es ein irrsinniges Problem auf psychologischer Ebene. Das setzt vielen zu. Und dann kommt der nächste, ganz grundsätzliche Punkt dazu: Wir haben mittlerweile eine unglaubliche Vielfalt an Männerbildern, es gibt nicht mehr nur diese klassisch männlichen Attribute wie mutig oder hart, genauso männlich sind eher femininere, sensible Männer oder die Männer, die bei den Kindern zuhause bleiben. Gleichzeitig existieren nach wie vor Supermachos und Alphatiere und das Spannende dabei ist, das es diese große Bandbreite inklusive individuellen Wahlmöglichkeiten gibt. Etwas, das bisher im Zuge der Emanzipation eher Frauen vorbehalten war. Ich sehe dabei vor allem bei jungen Männern eine große Chance, denn die lernen gerade, mit diesen Wahlfreiheiten und Möglichkeiten souverän umzugehen, betrachten Themen wie self care, Gesundheitsvorsorge oder Ernährung als wichtig und schauen ganz generell einfach mehr auf sich.  Da wird sich meiner Meinung nach noch sehr viel verändern.

medinlive: Und was sind aktuell medizinische Probleme, die bei Männern gehäuft auftreten?

Margreiter: Ich muss da vorsichtig sein, da nicht dem klassischen bias zu verfallen, nämlich subjektiven Erfahrungen Allgemeingültigkeit zuzuschreiben. Ich kann aber sagen, dass ich ein paar Dinge umreißen kann, die auch in der größten deutschen Studie zu dem Thema letztes Jahr publiziert wurden (German Male Sex Study, Anm. d. Red.). Die Ergebnisse sind durchaus mit Österreich vergleichbar. Dort wurden rund 10.000 Über-45jährige Männern primär Fragen rund um die Sexualität gestellt. Heraus kam, dass jeder ein Viertel der Männer an Erektionsstörungen leidet. Dieser „Trend“ hat in den letzten 30 Jahren massiv zugenommen, denn auch sämtliche krankheitsfördernde Faktoren haben zugenommen. Was heißt das? Es gibt mehr Patienten mit Bluthochdruck, mit Übergewicht, mit Bewegungsmangel und diese so genannten Lifestylefaktoren führen dann sekundär zu Problemen mit der Sexualität.

Und was sich ganz stark zeigt und was Ihnen auch jeder Sozialmediziner bestätigen wird: Stress ist ein Riesenproblem. Dazu Bewegungsmangel, wobei diese Kombi natürlich beileibe nicht nur für den Mann Thema ist. Daten belegen, dass ebenso viele Frauen einen schlechten Bewegungsstatus haben.

medinlive: Hat sich die Prostatagesundheit parallel dazu eigentlich auch verschlechtert?

Margreiter: Das würde ich nicht unbedingt so sehen, diese Raten haben nicht nachhaltig zugenommen, sie sind eher gleichbleibend. Aber vor allem die Behandlung hat sich hier sehr verbessert, nehmen Sie nur die bildgebende Diagnostik: Was sich hier in der Medizin getan hat, ist schier unglaublich, die Urologie hat unheimlich viel dazubekommen an Möglichkeiten. Früher gab es nur die Option, entweder mit Medikamenten zu behandeln oder zu operieren, heute können wir mit feinsten Mikropartikeln arbeiten oder haben bei Krebserkrankungen die Möglichkeit der active surveillance, also der aktiven Überwachung ohne sofortige Behandlung. Bis vor 20 Jahren stand nur Ultraschall zur Verfügung, die Weichteildarstellung via CT war schwach, aber nun hat sich das MRT enorm verbessert und es gibt ein immer besser werdendes System mit Kontrastmitteln. Das alles hat großen Einfluss bei der Diagnostik.

Wir wissen ja, der PSA-Marker ist nach wie vor der beste Tumormarker, aber schon lange nicht mehr der Heilige Gral, der er früher war. Er ist ein guter Indikator, Punkt. Manchmal steckt bei einem erhöhten Wert auch gar nichts dahinter, früher hat man hier automatisch eine Biopsie gemacht. Jetzt beziehen wir die Bildgebende Diagnostik mit ein, aber grundsätzlich muss man sagen, die Biopsie ist und bleibt natürlich das eine Verfahren, mit dem sich eine gesicherte Aussage treffen lässt, ob es tatsächlich Krebs ist oder nicht. Nur: Mit Hilfe eines MRT kann ich viel gezielter und punktgenauer biopsieren. Wenn es dann tatsächlich eine auffällige Veränderung gibt, dann lassen sich die Bilder vom MRT in den Ultraschall überlagern und diese fusionierten Biopsien ergeben sozusagen das Feintuning in Sachen Diagnostik.

Weiters kann man eine PSMA-PET Untersuchung durchführen, wobei PSMA für „Prostataspezifisches Mem­bran­Antigen“ steht. Dabei wird eine Substanz gespritzt, die sich im Prostatakrebsgewebe anreichert, das erleichtert die Entscheidungsfindung und gäbe es bereits betroffene Lymphknoten oder würde der Krebs nach der Therapie wieder auftreten, dann kann man das frühzeitig erkennen. Wovon wir noch entfernt sind, womöglich nur noch einen kleinen Schritt: Die ausschließliche Behandlung der Krebszellen und nicht der gesamten Prostata. Es gäbe dafür prinzipiell schon Möglichkeiten, nur fehlt uns dazu noch die ganz exakte Diagnostik, mit der man den Rest des Organs in Ruhe lassen kann. Das wäre dann vergleichbar mit dem Brustkrebs, wo man de facto nur die lokale Behandlung hat und den Krebsherd entfernt.

medinlive: Wenn wir da jetzt von der genetischen Prädisposition rund um das Prostatakarzinom sprechen, wie kann man sich das vorstellen? Gibt es dann künftig auch die Möglichkeit einer Krebsprognose für jüngere Männer?

Margreiter: Präzisionsmedizin und personalisierte Medizin halten auch beim Prostatakrebs Einzug, also maßgeschneiderte Behandlung für die Patienten. Beim genetischen Profiling hinken wir dem Brustkrebs allerdings noch etwas hinterher, holen aber gut auf. Prinzipiell ist eine Prognose möglich, aber noch lange nicht in der Form und so flächendeckend wie beim Brustkrebs. Meist handelt es sich um Tumore, die fortgeschritten sind und wo es weiterer Therapien bedarf. Dann ist etwas möglich, ähnlich wie der Rezeptorstatus bei der Frau. Hier kann man sagen, bei welchem Patienten es Sin macht, wenn ich Hormontherapie einsetze oder eben auch nicht oder wo andere Therapien mehr Erfolg bringen würde.

medinlive: Das heisst, genetic profiling auch bei jungen und daher erst potentiellen Patienten ist Zukunftsmusik?

Margreiter: Es gibt bereits einige Ansätze zu genetischem Profiling. Aktuell sind wir jedoch besser bei den genetischen Informationen, die wir vom Tumor erhalten. Aber da gibt es viele onkologische Kollegen, die Ihnen zu diesem höchst spannenden Thema weitaus mehr erzählen können, das ist eine eigene, sehr spannende Wissenschaft. (stutzt) Aber wissen Sie, dass wir gerade einen Kardinalfehler begehen? Wir reden nämlich schon wieder nur von der Prostata und es gibt so viel mehr zu besprechen (lacht).

medinlive: Stimmt, ich bin auch in die Falle getappt. Also adieu, Prostata, wenden wir uns doch als nächster Punkt den Hormonen zu. Bei den Frauen wissen wir, Wechseljahre sind ein riesiges Thema ab Mitte, Ende 40. Wie steht es da um die Männer?  

Margreiter: Bei Männern sind die Hormone genauso wichtig. Vor allem Testosteron ist entscheidend. Viele Männer, die bereits Panikattacken und Schlafstörungen haben, kommen nicht auf die Idee, dass Testosteron dahinterstecken könnte. Ein Mangel ist hier sicher unterdiagnostiziert. Das Problem dabei ist allerdings, dass die Verringerung des Hormons schleichend passiert. Als Faustregel gilt: Ab dem 40. Lebensjahr wird das Testosteron jährlich um ein Prozent weniger. Deswegen passieren auch die Symptome schleichend und der Mangel fällt dem Mann nicht so stark auf. Bei der Frau passiert das viel abrupter. Zwischen 40 und 50, wenn die Eizellreserve zu Ende geht, steht sie sehr plötzlich, aber nachhaltig ohne ihre Hormone da. Viele Frauen merken das natürlich ganz extrem. Wobei es bei Männern natürlich nicht überall dasselbe Testosterongrundlevel gibt, es gibt Männer, die ohnehin ein eher niedriges Testosteronlevel haben, die spüren die Reduktion weniger. Und die, die immer einen sehr hohen Pegel hatten, bemerken ihn natürlich deutlicher. Der Mangel gehört aber auf jeden Fall behoben.

Wichtig ist außerdem, die Ursache für den Rückgang herauszufinden, dazu fällt mir ein Beispiel ein, bei dem es um die Henne und Ei-Problematik geht: Testosteron und Zuckerkrankheit. Adipositas und Zucker führen dazu, dass der Testosteronspiegel hinuntergeht - ein niedriger Testeronspiegel wiederum erhöht das Risiko, zuckerkrank oder übergewichtig zu werden. Da muss man sich anschauen, was als Erstes da war.

Und dann gibt es in Bezug auf Hormone noch etwas, was ich als hormonelles Burn Out bezeichne: Betroffen sind meistens Männer mittleren Alters, mit 35,40,45, die im Job und familiär sehr gefordert sind, oft überfordern sie sich dann auch noch im Privaten und wollen etwa sportliche Höchstleistungen bringen, und das alles bedeutet eine Bombardierung mit Stress. Dass bei einer derartigen Bombardierung die Hypophyse nicht so funktioniert, wie sie sollte, nämlich als Schaltzentrale für die Hormonproduktion, kommt nicht so selten vor, wird aber oftmals nicht beachtet.

medinlive: Was ist Ihr Fazit rund um das weite Feld Männergesundheit?

Margreiter: Hormone sind ein oft vernachlässigter Baustein im Gesamtbild. Und Männergesundheit geht alle etwas an, sie „gehört“ niemandem. Das Thema sollte ganz grundsätzlich positiv besetzt werden, Prävention muss in den Köpfen verankert werden, denn wenn man in jungen Jahren rechtzeitig zum Arzt geht, muss man auch keine unangenehmen Untersuchungen fürchten. Vorbeugung besteht dann nämlich aus einem Gespräch und einem Ultraschall.

Wir Ärzte sollten jedenfalls definitiv multidisziplinär handeln, wenn es um dieses Thema geht. Ich glaube, dass vor allem die männliche Endokrinologie künftig eine größere Rolle spielen wird und dass uns auch das Thema Psyche und Bewegung noch viel stärker beschäftigen wird.

In den letzten 20, 30 Jahren hat sich wahnsinnig viel verändert, was unser aller Männerbild angeht und es wird sich weiter rasant verändern. Die Medizin wird das insofern beeinflussen, weil Männer einfach mehr Sorge tragen werden um die eigene Gesundheit, sie werden zB. mehr auf gesunde Ernährung achten. Früher hatte ich den Eindruck, waren Männer oftmals so gestrickt, dass sie gesagt haben: Aha, ich habe also diese und jene Krankheit, bitte geben Sie mir eine Pille dagegen. Und die Ursachen dafür, wie etwa Bluthochdruck oder Adipositas, wurden ausgeblendet.

Heute wächst das Verständnis dafür, dass diese Erkrankungen nicht gottgegeben sind, sondern dass man aktiv etwas dagegen machen kann und soll. Und wir als Ärzte können Angebote setzen. Ich bin jemand, der mit radikaler Missionierung nicht wirklich eine Freude hat, ich glaube daran, dass man mit Möglichkeiten, die man dem Patienten aufzeigt, viel weiterkommt. Und last but not least darf die Lebensfreude nicht zu kurz kommen, sich alles zu verbieten, weil es ungesund sein könnte, kann auch nicht der Weisheit letzter Schluß sein. Ich denke, wir Ärzte sollen Begleiter der Männer in allen Lebenslagen sein, und damit meine ich nicht nur die Urologen, sondern auch Internisten, Hausärzte oder sogar HNO-Ärzte: Dieser kann etwa die verstärkte Schnarchproblematik bei Männern ansprechen. Jeder von uns kann aufmerksam sein. Gerade bei den jungen Kollegen merke ich, dieses vernetzte Denken funktioniert sehr gut und das macht sehr zuversichtlich für die Zukunft.

 

Zur Person

Markus Margreiter absolvierte nach Abschluss seines Medizinstudiums an der Universität Wien und seiner Facharztausbildung für Urologie mehrjährige Fellowships an renommierten Universitäten (u.a. Johns Hopkins/Baltimore und Weill Cornell/NYC). Bis 2016 leitete er als assoziierter Professor die Ambulanz für Andrologie und Erektile Dysfunktion an der Wiener Universitätsklinik für Urologie. Er betreibt nunmehr ein eigenes Männergesundheitszentrum und ordiniert als Facharzt für Urologie und Andrologie in der Privatklinik Confraternität in Wien.

 

Infobox

Laut Statistik Austria war Prostatakrebs auch 2016 die häufigste Krebserkrankung der österreichischen Männer und machte 24 Prozent der Inzidenz aus. 2016 erkrankten 5.245 Männer, 1.225 Männer starben daran. Rund jeder zehnte Krebstodesfall bei den Männern war auf Prostatakrebs zurückzuführen. Nach Altersstandardisierung betrug die Neuerkrankungsrate 138 von 100.000 Männern der Bevölkerung, die Sterblichkeitsrate 39 von 100.000. Am Jahresende 2016 waren 63.415 Männer mit der Diagnose Prostatakrebs am Leben. Bei 40 Prozent aller betroffenen Männer wurde die Diagnose bereits vor zehn oder mehr Jahren gestellt (25.572 Männer).

Die altersstandardisierte Rate der Neuerkrankungen stieg bis 2003 stark an (211 je 100.000 Männer). Danach war eine deutliche Abnahme (-35 Prozent) sichtbar. Auch die Sterberate ging seit 2003 deutlich zurück (-33 Prozent). Die Entwicklungen beim Prostatakrebs sind stark von den jeweiligen Screening-Standards abhängig.

Außerdem erkrankten 2016 in Österreich 378 Männer an Hodenkrebs, 18 Männer starben daran. Damit zählten die bösartigen Neubildungen des Hodens zu den selteneren Krebserkrankungen. Zuletzt machten sie 1,7 Prozent der Krebsneuerkrankungen und 0,2 Prozent der Krebssterbefälle von Männern aus. Die altersstandardisierten Raten wiesen acht Neuerkrankungen und 0,4 Sterbefälle je 100.000 Männern der Bevölkerung aus. Am Jahresende 2016 waren 9.300 Männer mit der Diagnose Hodenkrebs am Leben. Bei nahezu zwei Drittel aller betroffenen Männern (62 Prozent) lag die Diagnose zehn oder mehr Jahre zurück (5.877 Männer).

Allgemein ging bei den Männern in den zehn Jahren bis 2016 die um den Altersstruktureffekt bereinigte Neuerkrankungsrate der bösartigen Tumore um 16,8 Prozent auf 566,2 Fälle pro 100.000 Männer zurück; für die Altersstandardisierung wurde die Europäische Standardbevölkerung 2013 verwendet. Ebenso sank die Krebssterberate im gleichen Zeitraum um 16,9 Prozent.

Markus Margreiters Buch „Mann 2020“ ist im Verlag Edition a erschienen.

 

 

„Bei Männern sind die Hormone genauso wichtig wie bei der Frau. Vor allem Testosteron ist entscheidend. Viele Männer, die bereits Panikattacken und Schlafstörungen haben, kommen nicht auf die Idee, dass Testosteron dahinterstecken könnte. Ein Mangel ist hier sicher unterdiagnostiziert."
„Stress ist ein Riesenproblem. Dazu Bewegungsmangel, wobei diese Kombi natürlich beileibe nicht nur für den Mann Thema ist. Daten belegen, dass ebenso viele Frauen einen schlechten Bewegungsstatus haben."