Italienischer Vorreiter der Blutplasmatherapie ist tot

Giuseppe De Donno, Pionier der Blutplasmatherapie zur Behandlung der Coronavirus-Erkrankung, ist tot. Der italienische Arzt hatte sich mit der Behandlung von Infizierten mit Blutplasma große Aufmerksamkeit verschafft und auch Kritik geerntet. Der 54-Jährige war bis Juni Chefarzt der Lungenabteilung der Intensivstation des Krankenhauses Poma in Mantua. Während der akutesten Phasen der Epidemie in der Lombardei im Frühjahr 2020 kämpfte er an der vordersten Front.

red/Agenturen

Der Mediziner förderte die Plasmatherapie. Diese sieht vor, dass genesenen Covid-Patienten und -Patientinnen Blut abgenommen wird, um aus diesem Antikörper gegen das Coronavirus zu gewinnen. Diese Antikörper werden akut Erkrankten verabreicht, um ihren Krankheitsverlauf abzumildern und die Genesung zu beschleunigen.

Mit seinem Engagement für die sogenannten Serumstherapie, die schon während der Spanischen Grippe (1918 bis 1920), getestet worden war, zog De Donno viel Kritik auf sich. Die Ergebnisse der Blutplasmatherapie seien nicht wissenschaftlich belegt, die Wirksamkeit in der Behandlung von Covid-19 sei nicht ausreichend wissenschaftlich bewiesen, hieß es. De Donno konterte damit, dass die Pharmaindustrie seine Therapie verschweige, weil sich damit weniger Geld verdienen lasse als mit dem Verkauf von Impfstoffen.

Der Tod des Mediziners löste in Italien Bestürzung aus, unter anderem bei Lega-Chef Matteo Salvini, der die Blutplasmatherapie stark befürwortete. Nach aktuellem Informationsstand wird von einem Suizid ausgegangen. Im Juni hatte er unter dem Druck der Kritik an seiner Blutplasmatherapie das Krankenhaus von Mantua verlassen. Seit dem 5. Juli war er Hausarzt in der Ortschaft Porto Mantovano.

 

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