Coronavirus

Pressestimmen zur Corona-Infektion von US-Präsident Trump

Die Corona-Infektion von US-Präsident Donald Trump ist nach wie vor Inhalt zahlreicher internationaler Pressekommentare.

red/Agenturen
„Donald Trump möchte nun als Kämpfer gesehen werden." "The Times" (London)

„El Periodico“ (Madrid):

„Das Verhalten von Donald Trump während seines Krankenhausaufenthalts und bei seiner Rückkehr ins Weiße Haus kann als beispiellose Verantwortungslosigkeit und als zügellose Leugnung betrachtet werden. Als ob die Verwirrung, die von Ärzten, Mitarbeitern des Präsidenten und Wahlkampfstrategen über den Gesundheitszustand des Regierungschefs gestiftet wurde, nicht schon genug wäre: Alles, was Trump seit der Covid-Diagnose getan und gesagt hat, hatte nur zum Ziel, seine Anhänger zu mobilisieren und die 210.000 Pandemie-Toten der USA vergessen zu lassen. Den Opfern wird dadurch der ihnen gebührende Respekt verwehrt. Trump versucht, die Bedeutung einer Tragödie herunterzuspielen, deren Ausmaße einen entscheidenden Einfluss auf die Präsidentenwahl vom 3. November haben können.“

„De Standaard“ (Brüssel):

„Donald Trump ignoriert die Tatsache, dass er als Präsident die denkbar beste medizinische Versorgung bekommt - eine Behandlung, von der andere Amerikaner nur träumen können. Im Walter-Reed-Hospital bekam er Steroide und eine experimentelle Therapie. Im Weißen Haus steht ihm zur Fortsetzung seiner Behandlung ein umfangreiches Mediziner-Team zur Verfügung.

Vor seiner Rückkehr hat er mit seinen Beratern besprochen, wie diese am wirksamsten in Szene gesetzt werden kann, so dass er präsidial und als Herr der Lage wirkt. Seine Heimkehr ins Weiße Haus mit einem Hubschrauber wurde vollständig gefilmt und auf seinem Twitter-Account veröffentlicht - mit einem triumphalen Soundtrack wie in amerikanischen Heldenfilmen. (...)

Gleichwohl ist das neue Corona-Virus für Menschen über 45 viel tödlicher als eine Grippe. Aber Trump hat seinen Beratern eingeschärft, dass er stark und bereit ist, erneut Wahlkampf zu führen. Daher ist nicht auszuschließen, dass der Präsident schon bald wieder Massenkundgebungen abhält.“

„The Times“ (London):

„Donald Trump möchte nun als Kämpfer gesehen werden. „Haben Sie keine Angst vor Covid“, hat er getwittert. „Lassen Sie es nicht Ihr Leben dominieren.“ Erneut hat er Covid-19 mit einer Grippe gleichgesetzt, obwohl es nachweislich tödlicher ist. Zwischen Tapferkeit und Rücksichtslosigkeit liegt ein schmaler Grat. (...)

Nachdem er so offensichtlich von einer medizinischen Betreuung profitiert hat, die für die meisten Amerikaner unerreichbar ist, befindet Trump sich in einer schlechten Position, um mit seiner Genesung im Wahlkampf zu punkten. Zugleich wird es ihm aufgrund dieser eigenen Erfahrung schwer fallen, das Schlachtfeld der Wahl weg vom Coronavirus und hin zu Themen wie der Wirtschaft oder China, soziale Unruhen oder Wahlbetrug zu ziehen, wie es seine Wahlkampfplanung eigentlich vorsah. Er soll am 15. und 22. Oktober erneut mit Joe Biden debattieren. Sollte er das schaffen, wäre es ein eindrucksvoller Beweis für seine physische Erholung. Die Aussichten auf eine Verbesserung seiner Wahlchancen sind jedoch dürftig.“

„Tages-Anzeiger“ (Zürich):

„Es gibt, grob gesagt, drei Arten, wie man diese bizarr-triumphale Show bewerten kann, die Donald Trump am Montag bei seiner Rückkehr ins Weiße Haus veranstaltet hat. Die erste: Wenn man zufällig der autokratische Herrscher eines kleinen oder auch nicht so kleinen Landes ist, sagen wir Nordkorea oder Russland, dann bleibt einem wohl nur Anerkennung und vielleicht ein bisschen Neid. Gaius Julius Trump kommt aus dem Spital heim wie einst Donald Cäsar aus dem Krieg gegen die Gallier. Das imponiert vielen Menschen. Und deswegen wird es - das ist die zweite Bewertung - nicht wenige Amerikaner geben, die jetzt der Ansicht sind, der Präsident verfüge über Superkräfte, weil er das Supervirus in nur vier Tagen besiegt habe.

Die Wahrheit ist: Trump ist ein Mann, der sich aus Fahrlässigkeit, Schlamperei oder reiner Dummheit mit Sars-CoV-2 infiziert hat. Und damit ist man bei der dritten Sichtweise: Auf die Familien und Freunde der mehr als zweihunderttausend Amerikaner, die von dem Virus bisher getötet wurden, muss Trumps Auftritt wie Hohn gewirkt haben.“

„de Volkskrant“ (Amsterdam):

„Für die Familien der 210.000 Amerikaner, die an der Corona-Infektion gestorben sind, muss es ein Schlag ins Gesicht gewesen sein. Der amerikanische Präsident Donald Trump ließ seine Rückkehr ins Weiße Haus am Montagabend so inszenieren, als ob ein Hollywood-Held den Feind gerade aus eigener Kraft besiegt hat.

In Wirklichkeit wurde ihm ein experimenteller Medikamentencocktail verabreicht, den kein anderer der sieben Millionen bisher infizierten Amerikaner erhielt. Wenn Trump tatsächlich die Krankheit überwunden haben sollte, dann hauptsächlich wegen des Medikaments und wegen seiner Ärzte und nicht durch persönliche Verdienste. (...)

Nur knapp einen Monat vor den Wahlen und mit einem großen Rückstand in den Umfragen könnte Trump eine Erfolgsgeschichte gut vertragen. Aber seine Corona-Infektion ist eine Spielverderberin. Jetzt wird er alles tun, um die Realität eines kranken Präsidenten in die Geschichte eines Helden umzuschreiben, der weiß, wie man einen Rückschlag überwindet.“

Donald Trump
„Wir werden nie wieder einen Lockdown machen“, konstatierte Trump kürzlich bei einem Wahlkampfauftritt in Tampa, Florida.
The White House wikicommons public domain