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Coronakrise

Söder fordert Einstufung von Tirol als Mutationsgebiet

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) fordert, dass Tirol und Tschechien von der deutschen Bundesregierung zu „Mutationsgebieten“ erklärt werden. In diesem Falle würden Grenzkontrollen zu beiden Ländern eingerichtet, sagte Söder am Donnerstag in München. Einreisen dürfe dann nur, wer einen negativen Corona-Test vorlegen kann. Alle anderen würden zurückgewiesen. Der Tiroler WK-Präsident Christoph Walser kritisierte daraufhin Söders Angriffe als „entbehrlich und unanständig“.

red/Agenturen

Söder erklärte, er unterstütze das Vorgehen der österreichischen Bundesregierung gegenüber Tirol wegen der dort besonders zahlreich auftretenden Corona-Mutationen. Ob man in Tirol dies so ernst nehme, scheine ihm „nicht ganz erkennbar“, fügte Söder hinzu. Bayern teile daher die Sorge über die Entwicklung in Tirol, sagte Söder und warnte: „Ein zweites Ischgl wollen wir nicht noch einmal erleben.“

Der Tiroler WK-Präsident Christoph Walser kritisierte Söder: „Die ständigen Angriffe des bayerischen Ministerpräsidenten auf unser Land sind entbehrlich und unanständig“. Nun wolle man zeigen, dass „wir verantwortungsvoll handeln“.

Die drei schwarzen Tiroler Präsidenten von Wirtschafts-, Arbeiter- und Landwirtschaftskammer haben zudem am Donnerstag neben den ab Freitag verpflichtenden Ausreisetests auch Einreisetests nach Tirol gefordert. Außerdem forderten sie, dass Tirol „wirksamen Impfstoff“ erhält. Eine verpflichtende Testung bei der Einreise nach Tirol argumentierte Walser gegenüber der APA, dass so verhindert werden solle, dass symptomfreie Infizierte ins Land kommen, die dann erst bei der Ausreise aus Tirol positiv getestet werden. „Denn dann würde es natürlich fälschlicherweise heißen, dass sich diese Personen in Tirol angesteckt haben“, meinte er.

Für Landwirtschaftskammerpräsident und Abg. Josef Hechenberger (ÖVP) sei ein solcher Test „nur fair“. „Bestehende Gesetzes-Lücken sind daher zu schließen“, forderte er. Er wehrte sich außerdem gegen eine „Stigmatisierung Tirols“: „Das hilft niemandem weiter“.

Erwin Zangerl, Arbeiterkammerpräsident Tirols, sprach sich wiederum dafür aus, dass Tirol nun aufgrund der sich ausbreitenden Südafrika-Mutante „wirksame Impfstoffe bekommen“ müsse, „um jene, die sich schützen lassen wollen, impfen zu können“. „Aber nicht deshalb, weil es Tirol ist, sondern weil die Virusmutation hier zu bekämpfen ist“. Für Risikopatienten und systemrelevantes Personal sei dies „dringend notwendig“.
 

 

 

Bisher sind Großbritannien, Portugal, Irland, Brasilien und Südafrika in Deutschland als Mutationsgebiete eingestuft, weil in diesen Ländern mutierte Coronavirus-Varianten stark verbreitet sind.

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