Prozess

Wiener Arzt soll bei Geburt nicht lege artis vorgegangen sein

Am Wiener Landesgericht für Zivilrechtsachen (ZRS) ist ein Verfahren gegen einen auf Geburtshilfe spezialisierten Facharzt für Frauenheilkunde anhängig, dem vorgeworfen wird, im Sommer 2018 bei Frau den Geburtsvorgang nicht lege artis durchgeführt zu haben. Konkret soll er bei der damals 38-Jährigen keinen Kaiserschnitt eingeleitet haben, obwohl dieser dringend notwendig gewesen wäre. Die Frau brachte eine schwerstbehinderte Tochter zur Welt.

red/Agenturen

Die junge Frau und ihre Eltern haben nun den Arzt - einen erfahrenen Mediziner, der seit mehr als 30 Jahren tätig ist - und dessen Versicherung geklagt. Sie machen neben Schmerzengeld, Pflegekosten und Verdienstentgang auch die Kosten für die Anmietung einer Erdgeschoßwohnung, den Einbau eines Lifts und die Vergrößerung ihrer Wohnung durch Ankauf der Nachbarwohnung geltend.

„Dass Behandlungsfehler passiert sind, ist evident und mittlerweile belegt“, sagte die Wiener Rechtsanwältin Astrid Hartmann, die die betroffene Familie vertritt, im Gespräch mit der APA. Die werdende Mutter sei im Vorfeld nicht aufgeklärt worden, als es während der Geburt zu Komplikationen kam, sei „zwei Stunden nichts unternommen“worden. Hartmann verwies gegenüber der APA auf „eine Kette von in zwei Gutachten bereits attestierten schweren Behandlungsfehlern mit der Konsequenz, dass das Mädchen während der Geburt unter massiver Sauerstoffunterversorgung litt, tot geboren wurde und nur unter Einsatz mehrfacher Wiederbelebungsmaßnahmen letztlich reanimiert werden konnte“. Die Tochter sei mit einer spastischen tetraplegischen Zerebralparese auf die Welt gekommen.

Der Arzt bestreitet den Vorwurf, ihm sei ein „Kunstfehler“ unterlaufen, wie seine Rechtsvertreterin Susanne Kurtev (Kanzlei Rast Musliu) am Mittwoch in einer Medienmitteilung bekannt gab. „Von uns konnte unter Beweis gestellt werden, dass tatsächlich die Kindesmutter trotz Aufklärung unseres Mandanten die Vornahme eines Kaiserschnitts verweigert hat“, betonte Kurtev. Dabei habe der Arzt vorsorglich einen Operationssaal vorbereiten lassen. Die werdende Mutter habe ihrer Hebamme gegenüber aber im Vorfeld angegeben, sie sei eine Verfechterin der „natürlichen Geburt“, sagte Kurtev.

Diese Darstellung wies Hartmann entschieden zurück. Die Mutter habe sich nie gegen einen Kaiserschnitt ausgesprochen. In der Causa ist morgen, Donnerstag, eine Tagsatzung am ZRS anberaumt. Unter anderem soll die an der Geburt beteiligte Anästhesistin vernommen werden.