Corona

149 steirische Intensivbetten vorgesehen, 105 belegt

Die steirischen Kommunisten wollten am Dienstag im Landtag in einer dringlichen Anfrage von Spitalslandesrätin Juliane Bogner-Strauß (ÖVP) wissen, „wie knapp die Kapazitäten in den steirischen Akutkrankenhäusern“ seien. Bogner-Strauß zufolge seien gemäß Covid-Vorsorgeplan 149 Intensivbetten vorgehalten. Mit heutigem Tage seien 105 Betten davon belegt, 44 noch frei. Weiters ging es bei der „Dringlichen“ um die angespannte Personalsituation in Spitälern.

red/Agenturen

KPÖ-Abgeordneter Werner Murgg zitierte eingangs der dringlichen Anfrage Pflegekräfte, die seinen Worten zufolge „personell ausgehungert“ würden, Bewerbungen von Personal im Sommer seien nicht realisiert worden. Manche Pflegekräfte wären schon wund hinter den Ohren wegen zwölfstündigen Maskentragens. Das Personal würde an die Grenzen der Belastbarkeit stoßen. Das passiere seit Jahren, weil es letztlich bei Personalressourcen nur ums Geld gehe. Wenn gesagt werde, dass Einsparung beim Personal zum Wohle der Bevölkerung sei, dann sei das Gegenteil wahr. Und wer behaupte, dass die Spitalsbetten in dieser Situation ausreichend seien, sei im Grunde rücktrittsreif, sagte Murgg.

Bogner-Strauß antwortete, in den Akutkrankenhäusern könnten noch weitere 13 Covid-Intensivbetten bereitgestellt werden. Dazu gebe es noch Kapazitäten für Kinder und Jugendliche unter den Covid-Patienten. In Häusern, die nicht zur steirischen Krankenanstaltengesellschaft (KAGes) gehörten, seien weitere sieben Betten vorgehalten. Für Nicht-Covid-Patienten könnten notfalls Steiermark-weit weitere 46 Intensivbetten aktiviert werden.

Die Landesrätin sagte weiters, im Regionalen Strukturplan Gesundheit 2025 (RSG) sei die bestmögliche Struktur für die Regelversorgung definiert. Pandemiesituationen spannten die Regelkapazitäten an, das gelte es zu verhindern, aber man könne nicht für alle Schwierigkeiten a priori gerüstet sein. Die Corona-Erfahrungen müssten jedenfalls in künftige Gesundheitspläne einfließen.

Bei Epidemien sei eine dezentrale Versorgung gefordert

Zu Fragen des Personalstandes meinte Bogner-Strauß, dieser habe sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich erhöht, um mehrere hundert Personen im Ärzte- und Pflegebereich, von 2006 bis 2021. Es habe auch u.a. das Angebot an Teilzeit-Mitarbeiter gegeben, die Dienstzeit zu erhöhen, rund 5.000 der rund 19.000 KAGes-Beschäftigten seien Teilzeitkräfte. 75 hätten laut der Landesrätin ihre Arbeitszeit aufgestockt, was 13 Vollzeitäquivalenten entspreche. Zur Ausbildung hieß es, es gebe rund 1.200 Personen in Ausbildung in der Gesundkrankenpflege, im Landes- wie im privaten Bereich. FH-Studienplätze für den gehobenen Dienst würden ausgebaut. Berufsausbildungen sollten auch raus in die Regionen gebracht werden, etwa für die Ausbildung in Pflegeassistenz.

Bei Epidemien sei eine dezentrale Versorgung gefordert: „Was es braucht, sind nicht unbedingt Ärzte, sondern Personal, das auf die Seuchenbekämpfung geschult ist“, argumentierte Bogner-Strauß. Es sei besser in Vorsorge zu investieren, als in auf lange Zeiten nicht benutzte Infrastruktur. „Medizin bedarf ständigen Trainings, das gelingt gut mit Leitspitälern. Und die Medizin kann heute vieles ambulant, was früher nur stationär und mit langem Spitalsaufenthalt zu bewältigen möglich war“, sagte die Landesrätin.

Grünen-Klubchefin Sandra Krautwaschl meinte zur Personalsituation: „Unser Gesundheitssystem ist nicht unverwundbar, wir brauchen jede einzelne Kraft. Man muss einen Springer-Pool einrichten“, als eine Art Krisenreaktion. NEOS-Mandatar Robert Reif unterstützte dies und sagte dazu, ein entsprechender Antrag vom März dieses Jahres befinde sich leider noch im zuständigen Unterausschuss.

KPÖ-Klubchefin Claudia Klimt-Weithaler appellierte, auf die Sorgen des Gesundheitspersonal zu hören: „Wenn dieses sagt, so geht es nicht mehr weiter, dann ist das ein Hilfeschrei. Das kann man nicht ignorieren. Da sprechen die, die tagtäglich hart arbeiten.“ Im Landtag Danke zu sagen sei gut, aber das alleine helfe nicht. Die Regierung möge Vorschläge der Opposition ernst nehmen, etwa nach der Einberufung von Gesprächen zur Personalaufnahme bzw. einer Attraktivierung der Pflegeausbildung.

FPÖ-Mandatar Stefan Hermann sagte, es sei schlichtweg fahrlässig, an den derzeitigen Strukturplänen festzuhalten. Es müsse von den geplanten Bettenreduktionen Abstand genommen werden und die Gesundheitsstrukturpläne dementsprechend adaptiert werden.