Coronavirus

38.631 Neuinfektionen und 19 Tote in 24 Stunden

Ein neuer Rekord - jedenfalls für einen Freitag - ist bei den täglichen Neuinfektionen mit dem Coronavirus erreicht worden. Innen- und Gesundheitsministerium vermeldeten 38.631 neue Fälle in den vergangenen 24 Stunden. Das lag zwar unter den 43.053 vom Vortag - diese jedoch hatten mehr als 6.000 Nachmeldungen enthalten. Darum bereinigt, gab es am Freitag noch einmal um rund 1.500 mehr bestätigte Fälle als am Donnerstag und damit ein Allzeit-Hoch in der Pandemie.

red/Agenturen

Der Sieben-Tages-Schnitt bei den Neuinfektionen liegt somit mit 30.423 nunmehr über der markanten 30.000er-Grenze, die Sieben-Tages-Inzidenz (Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen je 100.000 Einwohner, Anm.) beträgt mittlerweile 2.384,1. 19 weitere Todesfälle sind im Zusammenhang mit dem Coronavirus in den vergangenen 24 Stunden dazugekommen, die Gesamtzahl der Covid-Toten in Österreich ist damit auf 14.061 gestiegen.

Covid-Prognose befürchtet weiteren Anstieg

Deutliche Zuwächse - wenn vorerst auch nicht im intensivmedizinischen Bereich - gibt es auch bei den hospitalisierten Covid-Fällen. Um immerhin 80 Covid-patienten mehr als am Vortag befanden sich am Freitag in Spitalsbehandlung, ihre Gesamtzahl ist inzwischen auf fast 1.400 (1.395) angewachsen. 183 Menschen wurden auf Intensivstationen betreut, ein Plus von drei gegenüber Donnerstag. Innerhalb einer Woche ist die Zahl der Schwerkranken um 16 zurückgegangen.

Das Covid-Prognosekonsortium geht davon aus, dass die Zahlen weiter steigen werden. Im Minimum ist jedenfalls weiterhin mit mehr als 30.000 behördlich bestätigten SARS-CoV-2-Infektionen pro Tag zu rechnen. Schlimmstenfalls muss laut Prognosekonsortium am kommenden Mittwoch mit fast 50.000 Neuinfektionen gerechnet werden. Damit einhergehend werden auch die Spitalszahlen wieder steigen. 

Lockdown für Ungeimpfte endet

Indes endet nach mehr als zwei Monaten am kommenden Montag formal der Lockdown für Ungeimpfte. Das kündigte Kanzler Karl Nehammer (ÖVP) am Mittwoch an. Ein von der Regierung eingerichtetes Experten-Gremium erachte diese Maßnahme als nicht mehr sinnvoll.

Der Lockdown für Ungeimpfte sei „eine der strengsten Maßnahmen, die man setzen kann“, erklärte Nehammer in Wien. Die Lage in Österreichs Krankenhäusern ermögliche nun das Ende der seit dem 15. November geltenden Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen.  Nehammer mahnte auf Twitter, es sei „weiterhin Achtung geboten“. Er appellierte „an alle 1,5 Millionen Ungeimpften, sich impfen zu lassen“.

Für Ungeimpfte gelten weiter Einschränkungen, denn der Besuch von Restaurants, Hotels, Sport- und Kultureinrichtungen ist in Österreich Geimpften und Genesenen vorbehalten. Derzeit sind gut 72 Prozent der Gesamtbevölkerung vollständig gegen das Coronavirus geimpft. Vergangene Woche hatte Österreich als erstes EU-Land eine allgemeine Corona-Impfpflicht für alle Erwachsenen beschlossen. Sie tritt am 4. Februar in Kraft.

Lockerungen der Corona-Restriktionen auch in anderen europäischen Ländern

Neben Österreich und trotz immer neuer Höchststände der Neuinfektionen lockern viele Länder die Corona-Restriktionen. Die dänische Regierung will etwa ab dem 1. Februar gar alle Corona-Restriktionen aufheben. In den Niederlanden dürfen seit Mittwoch Lokale, Kinos und Museen wieder öffnen. Die Bundesregierung lehnte Lockerungen derweil erneut ab.

Trotz Rekord-Corona-Fallzahlen in Dänemark informierte Gesundheitsminister Magnus Heunicke das Parlament am Mittwoch, dass er die Einstufung von Covid-19 als Bedrohung für die Gesellschaft ab dem 1. Februar aufheben wolle. Wenn der zuständige Parlamentsausschuss dem zustimmt, würden de facto alle nationalen Corona-Restriktionen wie etwa die Gesundheitspass-Pflicht, die Maskenpflicht und verkürzte Öffnungszeiten für Lokale aufgehoben. Dänemark wäre damit das erste EU-Land, das in der Omikron-Welle ein Ende aller Corona-Beschränkungen beschließt. Nur einige Einreiserestriktionen sollen noch vier Wochen länger gelten.

Am Dienstag registrierte Dänemark rund 46.000 Corona-Neuinfektionen binnen 24 Stunden. Die Krankenhäuser des 5,8-Millionen-Einwohner-Landes sind jedoch nicht überlastet. Heunicke begründete sein Vorhaben mit der hohen Corona-Impfquote in Dänemark. 3,5 Millionen Menschen und damit mit mehr als 60 Prozent der Bevölkerung in Dänemark haben bereits eine Booster-Impfung erhalten. Damit übertrifft das Land die Pläne der Gesundheitsbehörden.

Deutschland hält noch an Schutzmaßnahmen fest

Bereits England und Frankreich trotz hoher Infektionszahlen deutliche Lockerungen. In England soll ab Donnerstag als einzige Corona-Restriktion gelten, dass sich positiv Getestete isolieren müssen. Schwedens Gesundheitsministerin Lena Hallengren sagte am Mittwoch, bei einer Stabilisierung der Lage könnten am 9. Februar die meisten Corona-Restriktionen im Land gestrichen werden.

In den Niederlanden dürfen Cafés und Restaurants seit Mittwoch unter Auflagen wieder bis 22.00 Uhr öffnen. Auch der Besuch von Kinos, Theatern, Museen und Fußballstadien ist wieder möglich. Der niederländische Regierungschef Mark Rutte sagte am Dienstag, die Lockerung erscheine „widersprüchlich“, da die Infektionenzahlen "durch die Decke“ gingen. Seine Regierung lote hier aber bewusst die Grenzen des Möglichen aus.

In Deutschland hatten die Regierungschefs von Bund und Ländern am Montag beschlossen, die geltenden Schutzmaßnahmen beizubehalten. „Selbstverständlich betrachten wir auch die Entwicklung in unseren Nachbarstaaten“, sagte ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums am Mittwoch. Für Deutschland sei der Zeitpunkt für Lockerungen aber noch nicht gekommen, sondern „Vorsicht angesagt“. „In anderen Ländern mit einer anderen Impfquote mag das anders sein“, fügte der Sprecher hinzu.

Höchststände auch in Deutschland

Auch in Deutschland steigen die Infektionszahlen. Erstmals in der Corona-Pandemie sind binnen eines Tages mehr als 150 000 Neuinfektionen an das Robert Koch-Institut übermittelt worden. Die Gesundheitsämter meldeten laut RKI-Angaben von Mittwochmorgen 164 000 Fälle in 24 Stunden, wobei Hamburg aus technischen Gründen keine Zahlen übermittelte. Am 19. Januar hatte die Zahl erstmals über 100 000 gelegen. Vor einer Woche waren es 112 323 erfasste Neuinfektionen. Die Sieben-Tage-Inzidenz überschritt erstmals die Schwelle von 900: Das RKI gab den Wert der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner und Woche mit 940,6 an. Zum Vergleich: Am Vortag hatte der Wert bei 894,3 gelegen. Vor einer Woche lag die bundesweite Inzidenz bei 584,4 (Vormonat: 220,7). Das geht aus Zahlen hervor, die den Stand des RKI-Dashboards von 05.00 Uhr wiedergeben.

Experten gehen von einer hohen und weiter steigenden Zahl von Fällen aus, die in den RKI-Daten nicht erfasst sind, unter anderem, weil Testkapazitäten und Gesundheitsämter vielerorts am Limit sind. Deutschlandweit wurden den neuen Angaben zufolge binnen 24 Stunden 166 Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 239 Todesfälle. Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 9 035 795 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden.

Die Zahl der in Kliniken aufgenommenen Corona-Patienten je 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen gab das RKI am Dienstag mit 4,07 (Montag 3,87) an. Die Zahl der Genesenen gab das RKI am Mittwochmorgen mit 7 387 800 an. Die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 117 126.

Omikron-Fälle steigen

Omikron hat sich in Europa zur vorherrschenden Corona-Variante entwickelt. Wegen der in der Regel milderen Krankheitsverläufe bei einer Infektion mit dieser Variante sowie wegen der zunehmenden Immunität der Bevölkerung durch Impfungen oder bereits überwundene Covid-19-Erkrankungen entscheiden sich derzeit einige europäische Länder für Lockerungen ihrer Corona-Restriktionen oder denken darüber nach.

Während sie in Dänemark bereits um die 70 Prozent der Infektionen ausmacht, setzt sie sich in anderen Ländern mit gutem Varianten-Überblick nicht so deutlich durch bzw. stagniert sogar teilweise. Der Anteil der neuen dominanten Variante Omikron befindet sich in Österreich seit einigen Wochen dramatisch im Steigen - im Gleichschritt mit den Infektionszahlen. Aktuelle Daten der Abteilung für Infektionsepidemiologie der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) weisen auf einen Anteil von 97 Prozent in der dritten Kalenderwoche hin, so der an der Medizinischen Universität und am Forschungszentrum für Molekulare Medizin (CeMM) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) tätige Wissenschafter

Virus Covid-19 Corona
Wer glaubt, bisher verschont geblieben zu sein, könnte die Infektion doch schon hinter sich haben. Oder von bestimmten vorübergehenden Effekten, noch unbekannten genetischen Faktoren und Zufällen profitiert haben.
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