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Coronavirus

Ärztefunkdienst im Dauereinsatz

Die Wiener Behörden haben am Freitag einen Notfallplan für die Bundeshauptstadt im Umgang mit dem Coronavirus vorgestellt. Der Ärztefunkdienst, bisher in den Nächten zur Betreuung von Patienten unterwegs, wird nunmehr auch am Tag zur Verfügung stehen, sagte der Wiener Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres. Die Zahl der bestätigten Wiener Fälle lag unverändert bei drei.

red/Agenturen

„Der Ärztefunkdienst 141 der Ärztekammer für Wien intensiviert ab sofort aufgrund der Corona-Krise seine Tätigkeiten. Seit heute, Freitag, 7.00 Uhr, übernimmt der Ärztefunkdienst 141 mit einem ‚Mobile Home Sampling Team‘ die Erstdiagnose und die Erstbetreuung sowie alle weiteren nötigen Hausbesuche von Corona-Verdachtsfällen in Wien – 24 Stunden täglich, sieben Tage die Woche“, so Thomas Szekeres, Präsident der Ärztekammer für Wien, bei der heutigen gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Wiener Gesundheitsstadtrat Peter Hacker, dem medizinischen Direktor des Krankenanstaltenverbunds (KAV) Michael Binder,  dem Vizepräsidenten der Ärztekammer für Wien Johannes Steinhart und Andreas Krauter, leitender Arzt der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK).

Neben den Hausbesuchen der Ärztinnen und Ärzte des Ärztefunkdiensts 141 stehen ab sofort auch in der Ärztefunkdienst-Telefonzentrale Ärztinnen und Ärzte 24 Stunden für telefonische Beratung sowie einen telefonischen Corona-Erstcheck bereit. Steinhart dazu: „Im Corona-Verdachtsfall sollen Patientinnen und Patienten die Notfallnummer 1450 wählen. Dort werden sie mit den diensthabenden Ärztinnen und Ärzten des Ärztefunkdiensts 141 verbunden, und der Notfallplan startet.“

Der aktuelle Notfallplan

- Durch die Ärztinnen und Ärzte des Ärztefunkdiensts 141 erfolgt dann telefonisch ein medizinisch-wissenschaftlicher „Abfragebaum“ als Erstcheck: Welche Symptome beschreiben die Patientinnen und Patienten? Waren sie in einer von Corona stark betroffenen Region (Festland China, Iran, Japan, Hongkong, Singapur, Südkorea sowie die italienischen Provinzen Lombardei, Venetien, Piemont und Emilia-Romagna)? Hatten sie Kontakt mit tatsächlich am Corona-Virus Erkrankten? Es wird telefonisch abgeklärt, ob die Anruferinnen und Anrufer tatsächlich vom Corona-Virus betroffen sein könnten oder nicht.

- Ist keine Gefährdung gegeben, sollten die Patienten wie gewohnt ihre Hausärztin oder ihren Hausarzt aufsuchen, so wie bei anderen Erkrankungen auch – etwa Erkältungen, grippalen Infekten et cetera.

- Wird auf Basis der telefonischen Abklärung der Verdacht auf eine Infektion festgestellt, wird das „Mobile Home Sampling Team“ des Ärztefunkdiensts 141 aktiviert.

- Im ersten Schritt erfolgt ein Hausbesuch mit einer vom KAV zur Verfügung gestellten Schutzausrüstung durch den Ärztefunkdienst 141. Es wird ein Abstrich gemacht, die Proben werden gesammelt und dreimal täglich von der MA 15 übernommen. Die Probenauswertung erfolgt ebenfalls dreimal täglich in der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES).

- Die AGES übermittelt die Befunde an den Gesundheitsdienst der Stadt Wien (MA 15) sowie den Ärztefunkdienst. Im Falle eines negativen Befunds informiert der Ärztefunkdienst die Patientinnen und Patienten, im Falle eines positiven Befunds erledigt diese Aufgabe die MA 15.

- Die Nachbehandlung von positiv getesteten Patientinnen und Patienten, die aufgrund ihres Gesundheitszustands zu Hause verbleiben können und nicht hospitalisiert werden müssen, wird vom Ärztefunkdienst 141 übernommen.

- Vorgesehen sind Sechs- beziehungsweise Zwölf-Stunden-Schichten durch die Ärztinnen und Ärzte des Ärztefunkdiensts 141. Während des Tages sind zwei Ärztinnen und Ärzte im Einsatz, plus ein Laborauto, das die Abstriche ins Labor bringt. Während der Nacht ist ein Funkdienstauto und das Laborauto unterwegs. Die Ärztekammer hat aber Vorsorge getroffen, im Bedarfsfall weitere Autos sowie Ärztinnen und Ärzte einzusetzen.

- Für die Testung/Abstrich einer Patientin/eines Patienten sind in etwa 30 Minuten zu veranschlagen. Pro Tag können somit von einer Schicht zumindest 50 solcher Tests/Abstriche durchgeführt werden.

- Im gegebenen Fall können sowohl Krankmeldungen als auch Rezepte durch den Ärztefunkdienst 141 ausgestellt werden.

Glücklicherweise verlaufe die Erkrankung bei einer überwiegenden Mehrheit der Betroffenen leicht, „das heißt man bleibt mit einer leichten Krankheit zuhause und wird dort betreut", sagte Szekeres. „Am besten ist man zuhause aufgehoben."

Service

Ärztefunkdienst Wien

AGES

Gesundheitsdienst der Stadt Wien

Fotos: Bernhard Noll /ÖÄK

Ärztefunkdienst
Sars-CoV-2: Insgesamt 9.431 Nasen- bzw. Rachenabstriche hat der Ärztefunkdienst zwischen 28. Februar und 9. April durchgeführt.
Ärztekammer für Wien/StefanSeelig