Ärztekammer unterstützt Forderung der Pflegekräfte

Die Pflegekräfte bekommen in ihren Forderungen nach besseren Arbeitsbedingungen nun auch Unterstützung von der Ärztekammer. Vizepräsident Harald Mayer erinnerte am Dienstag daran, dass laut einer aktuellen Studie fast die Hälfte der Pflegekräfte im Akutbereich immer wieder an einen Berufsausstieg denkt und forderte Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) dringend zum Handeln auf.

red/Agenturen

„Es gibt daher dringenden Handlungs- und Unterstützungsbedarf, um einem drohenden, prekären Mangel an Pflege-und Betreuungskapazitäten entgegenzuwirken“, sagte Mayer, der auch Bundeskurienobmann der angestellten Ärzte ist, in einer Aussendung. Er unterstützt damit auch einen offenen Brief der „ARGE PatientenanwältInnen“ an Mückstein, in dem auf den akuten Pflegepersonalnotstand hingewiesen wird.

„Die Zusammenarbeit zwischen den Pflegekräften und den Spitalsärztinnen und Spitalsärzten ist der Schlüssel zu einer reibungslosen, bestmöglichen Patientenversorgung in unseren Spitälern“, betonte Mayer. Er mahnte deshalb eine gemeinsame Strategie ein, um die Herausforderungen in der Pflege erfolgreich meistern zu können. Die Ärztekammer sei gerne bereit, ein entsprechendes Konzept mitzugestalten und an dessen Umsetzung aktiv mitzuarbeiten. „Das muss aber rasch geschehen“, forderte der Ärztekammer-Vizepräsident.

Organisationen fordern Maßnahmen gegen Personalmangel

Vergangene Wochen haben Trägerorganisationen sowie Berufs-, Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbände rasche Maßnahmen gegen den Personalmangel in der Pflege gefordert . „Kern der Pflegereform muss eine Personaloffensive sein", betonte Hilfswerk-Geschäftsführerin Elisabeth Anselm bei einer Pressekonferenz am Freitag. „Ohne Pflegepersonen keine Pflege." Nötig seien unter anderem die Rückgewinnung ausgeschiedener Pflegekräfte, eine Ausbildungsoffensive sowie Unterstützung bei der Höherqualifizierung.

Bereits im Sommer haben sich die Organisationen in einem Offenen Brief an die Regierung gewandt. „Verstehen Sie es als neuerlichen Weckruf, aber auch als Hilferuf im Namen unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter", so Michael Opriesnig, Generalsekretär des Roten Kreuzes. Bis 2030 würden 100.000 Pflegekräfte fehlen. Allein im Bereich der Langzeitpflege würde es der Bundesarbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrt (BAG) aus Caritas, Volkshilfe, Diakonie, Rotem Kreuz und Hilfswerk mit Stand Oktober an 1.400 Pflegepersonen mangeln. Folge: „Es gibt Wartelisten, es kommt zu Situationen, denen unsere Kollegen ausgesetzt sind, die sie nicht gewohnt sind - verzweifelte Angehörige, Wutausbrüche."

Die Gründe für den Personalmangel seien vielfältig, schilderte der Geschäftsführer der Sozialwirtschaft Österreich, Walter Marschitz. Einerseits habe es einen Geburten-Peak Ende der 1930er, Anfang der 1940er Jahre gegeben. Diese Personen seien bzw. würden nun pflegebedürftig. Schlechte Nachricht für die nähere Zukunft: Auch die Jahre bis zum Höhepunkt des Babybooms 1963 seien noch verhältnismäßig geburtenstark gewesen. Dazu komme, dass es mit Einführung des Pflegegelds Anfang der 1990er Jahre zu einem starken Anstieg der Arbeitskräfte in diesem Bereich gekommen sei, die nun langsam ins Pensionsalter kämen.

Rückgewinnung von ausgeschiedenen Mitarbeitern

Viele Pflegepersonen würden nur Teilzeit arbeiten wollen, schilderte die Präsidentin des Gesundheits- und Krankenpflegeverbands, Elisabeth Potzmann. „Köpfe sind also nicht Vollzeitäquivalente". Verschärft würde die Situation im Zuge der Coronapandemie durch Quarantänen bzw. Erkrankungen des Personals.

Als kurzfristig wirkungsvollste Maßnahme nannte die ehemalige Wiener Gesundheitsstadträtin und nunmehrige Geschäftsführerin des Dachverbands Wiener Sozialeinrichtungen, Sandra Frauenberger, die Rückgewinnung von ausgeschiedenen Mitarbeitern. Nötig seien dafür einerseits eine Analyse der Gründe für das Ausscheiden und andererseits kostenfreie Auffrischungskurse.

Dazu brauche es auch eine Ausbildungsoffensive in allen Bereichen, meinte der Vorsitzende der Gesundheitsgewerkschaft, Reinhard Waldhör. Einerseits müssten die Plätze an Fachhochschulen ausgebaut und die Pilotversuche an berufsbildenden höheren Schulen ins Regelschulwesen überführt werden. Außerdem benötige man mehr Lehrer für Gesundheits- und Krankenpflege und eine Modularisierung der Ausbildungen: Dann könnten auch Abbrecher mit einem Abschluss aussteigen.

Darüber hinaus nötig wären die Übernahme der Ausbildungskosten durch die öffentliche Hand sowie die Sicherung der Existenzgrundlage etwa durch Stipendien, so Diakonie-Sozialexpertin Anja Eberharter. Das dürfe nicht nur wie beim Fachkräftestipendium für Arbeitslose gelten, sondern auch für Personen, die sich beruflich neu orientieren wollen. Schließlich müsse sich Pflegepersonal auch berufsbegleitend höher qualifizieren können - etwa über ein analog dem Fachkräftestipendium gestaltetes Qualifizierungsstipendium, meinte Karin Abram von der Caritas.

Für den 26. November sind die Organisationen von der Regierung zu einem Runden Tisch geladen worden. Dann müssten aber Nägel mit Köpfen gemacht werden, so der Präsident des Bundesverbands „Lebenswelt Heim", Markus Mattersberger. „Das Sammeln von Ideen ist zu wenig." Es müsse dann gemeinsam zielorientiert an Lösungen gearbeitet werden.

Altersheim Alt Pflege
Der Weg zur Ergotherapie, Logopädie oder Physiotherapie bleibt gleich: Die Leistung muss weiterhin von Haus- oder Fachärzten verordnet werden. Bei Kassentherapeuten ist eine chefärztliche Bewilligung nicht mehr notwendig.
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