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Coronavirus

Corona-Ampel kommt, Polizei soll wieder stärker kontrollieren

Die Zahl der SARS-CoV-2-Infizierten in Österreich steigt weiter. Den dritten Tag in Folge gab es am Sonntag mehr als 100 Neuinfektionen. Im Vergleich zum Samstag bedeutet dies einen Anstieg von rund zwölf Prozent. Wird der derzeitige Trend fortgesetzt - plus 115 Neuinfektionen am Samstag und Sonntag sowie 109 am Freitag - wurde am Montag wieder die 1.000er-Marke überschritten werden. Mit heute früh liegt die Zahl der Erkrankten bei 1.012 Personen.

red/Agenturen

Einen deutlichen Zuwachs von 43 Fällen verzeichnete Wien, in der Bundeshauptstadt gelten derzeit 347 Menschen als SARS-CoV-2-positiv. Laut Innenministerium wurden bisher in Österreich 18.270 Personen positiv getestet. 706 Personen sind bisher an Covid-19 gestorben, 16.615 gelten als genesen. Am Montag befanden sich 62 Menschen im Krankenhaus, zehn auf der Intensivstation.

Die meisten Fälle gab es nach Clustern in Freikirchen und nun auch in Schlachthöfen in Oberösterreich. Von Sonntag 17.00 Uhr bis Montag 8.00 Uhr stieg die Anzahl neuerlich, und zwar von 393 auf 414. Die stärksten Zuwächse wurden in den Bezirken Linz-Stadt, Linz-Land und Perg verzeichnet. Stand Montagfrüh wurden 22 Patienten in Spitälern auf Normalstationen und einer auf der Intensivstation behandelt. 2.854 Personen waren in Quarantäne.

Seit Wochen sorgen Coronavirus-Ausbrüche in deutschen Schlachthöfen für Aufsehen. Besonders folgenschwer war der Ausbruch beim deutschen Fleischverarbeiter Tönnies in Nordrhein-Westfalen, der zur Wiedereinführung eines regionalen Lockdowns inklusive Schulschließungen führte. Nunmehr gab es auch in Schlachthöfen in Österreich erste Fälle. Laufendes Kontaktpersonenmanagement und positive Testungen bei Betroffenen hätten demnach zur Prüfung der Betriebe geführt, berichtete der Krisenstab des Landes.

Betriebsschließungen waren keine angedacht, auch stellte der Krisenstab neue Cluster in Abrede. Am stärksten betroffen war ein Betrieb im Bezirk Wels-Land, wo fünf Mitarbeiter positiv getestet wurden. Ein weiterer positiver Fall tauchte im persönlichen Umfeld bei einem der betroffenen Arbeiter auf. Im Bezirk Ried im Innkreis wurden in einem Betrieb drei Angestellte positiv getestet und behördlich abgesondert. In ihrem Umfeld gibt es zudem elf weitere Erkrankte. Im Bezirk Braunau fielen in einem Schlachthof zwei Tests positiv aus, außerdem fiel der Abstrich einer Person im persönlichen Umfeld ebenso positiv aus. In allen Betrieben würden weitere Testungen noch laufen, berichtete der Krisenstab.

Anschober pocht auf „schnelleres Containment“

Dass von Gütern aus coronainfizierten Betrieben eine Gefahr für Konsumenten ausgehe, betrachtete man seitens der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) als sehr unwahrscheinlich. Um Beruhigung bemüht waren Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) und Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) in einer gemeinsamen Aussendung. „Die österreichischen fleischverarbeitenden Betriebe sind mit jenen in Deutschland nicht zu vergleichen“, meinte Köstinger. In Österreich habe ein durchschnittlicher Schlachthof 400 Mitarbeiter, im Nachbarland seien dies 8.000, konstatierte Köstinger. Die kleineren Strukturen seien ein Vorteil im Containment. Anschober betonte, dass Schlachthöfe ein wichtiger Teil der am Donnerstag präsentierten Screening-Testungen seien. Das Ziel sei, „vorsorglich in potenziellen Risikobereichen unter den Teppich zu schauen und somit ein Frühwarnsystem zu installieren“.

Auch in der ORF-Sendung „Hohes Haus“ zeigte sich Anschober am Sonntag „sehr optimistisch“, dass in Österreich eine zweite Welle vermieden werden kann. Dafür müsse man aber beim Containment schneller werden, entschieden handeln, wenn in einzelnen Regionen vermehrt Fälle auftreten und das Risikobewusstsein, das bei einem Teil der Bevölkerung stark abgenommen habe, müsse wieder größer werden. Bereits am Samstag hatte Anschober die Einführung einer Corona-Ampel angekündigt. Diese soll der Bevölkerung auf den ersten Blick - ähnlich der Lawinenwarnungen - vermitteln, wie hoch das Corona-Risiko auf Bundesebene und in den einzelnen Bundesländern jeweils aktuell ist. Eingeführt werden soll die Ampel bis September - speziell als Vorbereitung für die große Herausforderung im Herbst.

Quarantäne nach Urlaub nicht auszuschließen

Am Wochenende begannen im Osten Österreichs die Sommerferien und damit die Urlaubssaison. Dass man nach einem Kroatien-Urlaub im Sommer jedenfalls wieder ohne Quarantäne nach Österreich zurückkehren kann, wollte der Gesundheitsminister nicht zusichern: „Eine Garantie können wir nicht zu 100 Prozent abgeben“, meinte er mehr allgemein gesprochen. Derzeit sei die Situation in Kroatien unter Kontrolle. Wenn es dabei bleibe, werde es keinen Grund geben, eine Quarantäne für Rückkehrer verhängen zu müssen.

In Österreich will die Polizei wieder vermehrt auf die Einhaltung der Coronavirus-Schutzmaßnahmen hinweisen und kontrollieren. Es gehe darum, die Menschen wieder verstärkt zu sensibilisieren, in der Öffentlichkeit das Tragen von Mund-Nasen-Schutz und die Abstandsregeln einzuhalten, hieß es in einer Aussendung am Sonntag. Das Innenministerium kündigte auch an, die Gesundheitsbehörden nach Anforderung bei Einreise- sowie Schwerpunktkontrollen von Linien- und Reisebussen aus dem Westbalkan zu unterstützt.

Bisher wurden österreichweit 50.547 Quarantänemaßnahmen von Polizisten überwacht, der Großteil in Tirol. Dort waren es 31.655 derartige Einsätze, 10.040 in der Steiermark, 4.929 in Kärnten und 3.030 in Niederösterreich. Es folgt das Burgenland mit 577, Oberösterreich mit 297 sowie Salzburg mit acht, Vorarlberg mit sieben und Wien mit vier Überwachungen, informierte das Innenministerium.