Corona-Screenings - Wien testet Kontaktpersonen auch ohne Symptome

In Wien sind bis dato (Stand: Dienstagfrüh) 178.128 Personen auf das Coronavirus getestet worden, davon 4.120 positiv. Bei den Testungen setzt die Bundeshauptstadt auf eine eigene Strategie. Es werden Umfeldscreenings durchgeführt und alle Personen getestet, die mit dem Infizierten im engen Kontakt standen - egal, ob sie Symptome haben oder nicht.

red/Agenturen

Für die Wiener Verantwortlichen war dies der richtige Weg: „Allgemein hat sich die Wiener Teststrategie gut bewährt“, sagte ein Sprecher von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) auf APA-Nachfrage. Dabei verwies er vor allem auf die rigide Testung der engen Kontaktpersonen: „Hätten wir das nicht gemacht, wären alleine in diesen beiden Monaten 909 Fälle (65,2 Prozent) unentdeckt geblieben.“ In anderen Bundesländern werde hingegen meist nach einem anderen Schema vorgegangen. Infizierte Personen kommen in Quarantäne, Kontaktpersonen werden erst bei Symptomen getestet.

Zuletzt wurde in Wien auch die Zahl der Testungen nach oben geschraubt. So wurden im Mai täglich 1.630 Abstriche genommen, im Juni waren es bereits 1.996. Das ist ein Plus von 22,5 Prozent. Laut Stadtrats-Sprecher ist Wien seit Mai „nicht nur in absoluten Zahlen, sondern auch pro 100.000 Einwohner und Einwohnerinnen mit Abstand auf Platz eins aller Bundesländer“. Beim Reproduktionsfaktor liege Wien (1,10) unter dem Österreich-Schnitt (1,37).

Schwerpunkt Umfeld-Screenings

Im Verlauf der Pandemie hat sich im Bereich der Testungen der Fokus verschoben: Zentrale Anlaufstelle für Wiener und Wienerinnen, die den Verdacht haben, sich mit dem Coronavirus infiziert zu haben, ist weiterhin die Hotline 1450. Doch über diesen Weg werden nur 8,8 Prozent aller Testungen durchgeführt. Mittlerweile liegt der Schwerpunkt auf Umfeldscreenings und Kontaktpersonen-Testungen.

Was die Umfeld-Screenings anbelangt, so werden diese in folgenden Bereichen vorgenommen: Pensionisten-Wohnhäuser, Pflegeeinrichtungen, Soziale Einrichtungen (zum Beispiel Flüchtlingsunterkünfte oder Wohnungsloseneinrichtungen), Firmen, Schulen oder Kindergärten. Seit Mitte April wurden in Summe 31.479 Abstriche genommen, 200 davon waren positiv (0,64 Prozent). Getestet wird laufend: „Bis zum Sonntag, dem 19. Juli, stehen diese und kommende Woche noch 26 Einrichtungen vor uns, die gescreent werden. Voraussichtlich mit rund 1.500 Tests“, kündigte der Sprecher an.

Cluster: Mehr Ansteckungen innerhalb der Familie

Einen statistischen Überblick gibt es auch, was die Cluster in Wien anbelangt. Die Ansteckungen erfolgen nach wie vor am häufigsten über die Familie oder im Betrieb, wobei es von Mai auf Juni eine Verschiebung gab. Im Mai infizierten sich noch ähnlich viele in der Familie (30,9 Prozent) und bei der Arbeit (30,3 Prozent). Im Juni stieg die Zahl der Ansteckungen innerhalb der Familie (38,5 Prozent), jene in Betrieben sank (19,6 Prozent).

Bei den kleinsten Clustern im Vormonat handelte es sich um Pflegewohnhäuser (5,1 Prozent) und Medizinisches Personal (2,1 Prozent). Aktuell gibt es in Wien übrigens keine größeren Cluster, informierte der Sprecher des Gesundheitsstadtrats in diesem Zusammenhang.

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Wien schaffte es bis dato gut durch die Pandemie - auch größere Cluster gibt es kaum.
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