Coronavirus

Deutschland nimmt Kranke aus Italien und Frankreich auf

Deutschland erhöht seine Hilfen für andere von der Corona-Krise betroffene EU-Staaten deutlich - und geht damit jetzt auch in die mediale Offensive. Bundesländer und Städte wollen insgesamt 123 Corona-Intensivpatienten aus Frankreich und Italien aufnehmen, sagte ein Sprecher des deutschen Auswärtigen Amtes.

red/Agenturen

Die Angebote der deutschen Bundesländer addierten sich mittlerweile auf 73 Plätze für Schwerkranke aus Italien. Aus Frankreich sollen 50 Patienten aufgenommen werden. Gleichzeitig wurden bereits 1700 EU-Bürger bei deutschen Rückholaktionen aus dem Ausland zurückgebracht. Zudem wurde medizinische Schutzausrüstung etwa nach Frankreich, Italien, Österreich und in die Schweiz geliefert. Nach Angaben von Europa-Staatsminister Michael Roth gingen aus Deutschland auch 60.000 Atemschutzmasken nach Schweden und 100.000 Masken nach Rumänien.

Die deutsche Bundesregierung und die Bundesländer reagieren damit auch auf die Kritik etwa aus Südeuropa, dass sich Deutschland in der Corona-Krise egoistisch verhalte. „EU-Solidarität ist das Gebot der Stunde“, betonte Außenminister Heiko Maas in einem am Freitag veröffentlichten Interview mit der italienischen Zeitung „Corriere della Sera“ und verwies auf die tatsächlich geleistete deutsche Hilfe für besonders schwer betroffene EU-Staaten. „Letzte Woche gab es eine erste Teillieferung mit sieben Tonnen Hilfsgütern, darunter Beatmungs- und Narkosegeräte. Weitere werden folgen“, fügte er hinzu. „Europa ist wieder einmal besser als sein Ruf“, sagte auch Europa-Staatsminister Michael Roth.

Hintergrund der neuen Öffentlichkeits-Offensive ist auch, dass sich die G-7-Außenminister und die EU-Regierungschefs in ihren Videokonferenzen in den vergangenen Tagen einig waren, dass man der demonstrativ groß inszenierten Hilfe Chinas, Russlands und Kubas für Staaten wie Italien etwas entgegen halten müsse. Die EU-Kommission betonte deshalb bereits am Donnerstag, dass Deutschland und Frankreich zusammen Italien mehr Schutzmasken geliefert hätten als China. In der deutschen Bundesregierung wird aber eingeräumt, dass man in einem Dilemma stecke. Vor allem das Gesundheitsministerium hat Sorge, dass eine zu demonstrative Hilfe für EU-Partner in Deutschland die Frage aufwerfe, warum es dann noch Engpässe bei medizinischer Schutzausrüstung im eigenen Land gebe.