Deutschland verschärft Kontrollen an Grenze zu Österreich

Aus Sorge vor einer weiteren grenzüberschreitenden Verbreitung des Coronavirus werden Reisende an den Übergängen zwischen Österreich und Deutschland streng überprüft. Die deutsche Bundespolizei kontrollierte am Dienstag engmaschig erneut an Haupt- und Nebenstrecken. „Wir versuchen möglichst viel zu kontrolliere“, sagte auch der Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, Stefan Sonntag. Unterdessen sickerte durch, dass die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel dafür plädiert, den Lockdown in Deutschland noch bis Ende Februar fortzusetzen.

red/Agenturen

„Wir müssen bis zum 1. März warten“, sagte Merkel nach Informationen von Reuters aus Teilnehmerkreisen in der CDU/CSU-Bundestagsfraktionssitzung am Dienstagnachmittag. Kindertagesstätte (Kitas) und Volksschulen sollten dann als Erste wieder öffnen, sagte sie nach Angaben mehrerer Teilnehmer. Der nächste Schritt könnten dann Einzelhandelsgeschäfte und Frisöre sein. Bund und Länder entscheiden am Mittwoch über den kommenden Kurs.

Merkel warnte den Insidern zufolge ausdrücklich davor, durch zu schnelle Öffnungen einen weiteren Lockdown zu provozieren, wie dies in einigen anderen EU-Ländern vorkam. „Mein Ziel wäre: Die Öffnungsschritte durch weitere Schließungsschritte nicht wieder korrigieren zu müssen.“ Sie rechne damit, dass die britische Virus-Mutante schon bald die dominante Virus-Variante in Deutschland sein werde, weil ihr Anteil an den Infektionen sich alle zehn Tage verdoppele. Zudem plädierte Merkel nach Angaben der Insider dafür, weiter an dem Inzidenz-Wert von 50 als Hauptorientierungspunkt festzuhalten.

Am Dienstag lag die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz in Deutschland laut Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) erstmals seit mehr als drei Monaten unter der Schwelle von 75. In Österreich liegt dieser Wert bei 104,8.

Engmaschige Kontrollen an Grenze zu Österreich

Die Einhaltung der Vorschriften von der Einreise-Anmeldung bis zur Test-Pflicht werde an Kontrollpunkten nicht nur stichprobenartig überwacht, sondern deutlich intensiver. Sorge bereitet vor allem die in Tirol vermehrt aufgetretene Südafrika-Mutation. Die österreichische Bundesregierung verschärfte deshalb am Dienstag die Regeln für das Bundesland. Vom kommenden Freitag an ist eine Ausreise aus Tirol - von Osttirol abgesehen - für zehn Tage nur noch mit negativem Corona-Test möglich, wie Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) mitteilte.

Die südafrikanische Virus-Mutante könnte Experten zufolge gefährlicher sein - und Impfstoffe wirken womöglich nicht so gut. Deutsche Politiker warnten vor einem Überschwappen nach Bayern - und kritisierten die Lockerungen in Österreich. Auch eine Schließung der Grenzen scheint nicht mehr gänzlich ausgeschlossen. Sollte die Gefahr wachsen, dürften auch Grenzschließungen zu Tirol kein Tabu sein, sagte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder "Münchner Merkur" (Dienstag). Er halte es für "diskussionswürdig, dass Österreich in dieser unsicheren Situation weitgehende Öffnungen erlaubt, obwohl die Inzidenz dort deutlich höher als in Bayern ist", sagte der CSU-Chef weiter.

Auch auf österreichischer Seite wurden die Kontrollen verschärft. Am Übergang Walserberg Richtung Salzburg bildeten sich Schlangen, auch in Freilassing stockte der Verkehr. Das Auswärtige Amt in Berlin rät von allen nicht notwendigen, touristischen Reisen nach Österreich ab. Ganz Österreich - mit Ausnahme der Exklaven Jungholz und Kleinwalsertal - gilt als Risikogebiet.
 

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