Massentests

Erstmals Corona-Selbsttests in Deutschland zugelassen

In Deutschland soll es bereits in wenigen Tagen Corona-Schnelltests zur Eigenanwendung zu Hause geben. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) erteilte Sonderzulassungen für drei Produkte zur Anwendung im vorderen Nasenbereich, wie das Institut am Mittwoch mitteilte. Bisher gibt es nur Schnelltests zum Nachweis einer Coronavirus-Infektion, die von medizinisch geschultem Personal ausgeführt werden.

red/Agenturen

Bei allen drei nun zugelassenen Selbsttests werden die Proben durch einen Abstrich in der vorderen Nase entnommen. Dieser kann nach den von den Herstellern vorgelegten Studien jeweils durch Laien sicher ausgeführt werden, wie das BfArM weiter mitteilte.

Der deutsche Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte im ZDF-“Morgenmagazin“, die Selbsttests sollten in den nächsten Tagen unter anderem bei Discountern erhältlich sein. Er gehe davon aus, dass bereits in der kommenden Woche weitere Selbsttests genehmigt werden könnten.

Spahn hatte zwar erwogen, die Tests für eine Eigenbeteiligung von einem Euro abzugeben. Doch davon war zuletzt nicht mehr die Rede. So müssen sie voll bezahlt werden, wenn sie demnächst in die Geschäfte kommen. Für den Einsatz in Kitas und Schulen kann die öffentliche Hand die Kosten übernehmen.

Perspektive „Normalität“

Die Eigentests eröffneten eine neue Möglichkeit, „Schritt für Schritt Normalität wiederzugewinnen“, erklärte die SPD-Gesundheitsexpertin Hilde Mattheis. „Selbsttests können ein echter 'Game Changer' für die Pandemiebekämpfung werden - gerade mit Blick auf eine mögliche dritte Welle.“ Mattheis setzte sich für die kostenfreie Abgabe der Tests ein.

Die Selbsttests seien eine Ergänzung zu den bereits zugelassenen, die durch geschultes Personal vorgenommen werden müssen, sagte Spahn. Diese will der Minister kostenlos zur Verfügung stellen, allerdings wurde der zunächst für 1. März geplante Start nach Beratungen im Corona-Kabinett verschoben. Das Vorhaben sei im Grunde „startklar“, allerdings gebe es viele, die das Testen besser mit Öffnungsstrategien verzahnen wollen. Das werde am kommenden Mittwoch bei den nächsten Bund-Länder-Beratungen diskutiert, sagte Spahn.

Der Bundesgesundheitsminister war wegen der verschobenen kostenlosen Corona-Schnelltests in der Kritik. Am Mittwochnachmittag stellt er sich im Bundestag den Fragen der Abgeordneten. SPD-Parlamentsgeschäftsführer Carsten Schneider griff Spahn scharf an. „Ich bin schockiert über den Mangel an Professionalität“, sagte Schneider am Mittwoch in Berlin.

Schneider warf Spahn vor, weder praktische Voraussetzungen zur Anwendung der Schnelltests noch deren Finanzierung hinreichend geklärt zu haben, bevor er diese per Twitter für den 1. März ankündigte. „Per Twitter kann man dieses Land nicht regieren“, sagte Schneider dazu weiter. Es gebe bei Spahn „zu viel Ankündigung und zu wenig Substanz“.