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Corona-Impfstoff

EU sichert sich weitere 300 Millionen Dosen Biontech-Vakzin

Die EU kann im laufenden Jahr auf weitere bis zu 300 Millionen Dosen Corona-Impfstoff der deutschen Firma Biontech und ihres US-Partners Pfizer zurückgreifen. 75 Millionen Dosen davon sollen bereits bis Ende des zweiten Quartals zur Verfügung stehen, sagte EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen am Freitag in Brüssel. Die europäische Arzneimittelagentur EMA erlaubt zudem ab sofort, dass aus einem Biontech-Impffläschchen sechs statt bisher fünf Impfdosen genommen werden.

red/Agenturen

Von den bereits zugelassenen Mitteln von Biontech/Pfizer sowie dem US-Unternehmen Moderna hat die EU sich mittlerweile 760 Millionen Einheiten gesichert. Damit könnten mehr als 80 Prozent der EU-Bevölkerung geimpft werden, sagte von der Leyen.

Der neue Vertrag folgte auf Klagen über Knappheit von Impfstoff in EU-Staaten. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) bedankte sich bei Von der Leyen, die „dafür alle Hebel in Bewegung gesetzt“ habe. Die Beschaffung sei ein wichtiger Erfolg für die EU, das Kontingent somit verdoppelt. Zudem begrüße er die EMA-Entscheidung bezüglich der sechsten Impfdose pro Fläschchen. „Alleine diese Einzelmaßnahme wird es ermöglichen, in Österreich mit den bestehenden Kontingenten eine halbe Million Menschen zusätzlich zu impfen“, betonte er in einem Statement gegenüber der APA.

Die weiteren 300 Millionen Impfdosen zeigten, dass die EU „sehr, sehr schnell ist“, was den gemeinsamen Beschaffungsprozess betrifft, sagte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne). Kritik daran verstehe er nicht, vielmehr findet er es beachtlich, dass „die Marktmacht Europa sehr, sehr gut eingesetzt wurde“. Vor allem für das zweite Quartal bedeuten die zusätzlichen Dosen für Österreich einen „super Schritt“. Österreich hat sich für das zweite Quartal bereits 740.000 Biontech/Pfizer-Impfstoffdosen gesichert und werde nun weitere Einmeldungen vornehmen.

Auch Moderna-Vakzin wurde genehmigt

Das Biontech/Pfizer-Präparat war am 21. Dezember als erster Corona-Impfstoff in der EU zugelassen worden. Am Mittwoch wurde auch das Mittel des US-Herstellers Moderna genehmigt. Bereits im November hatte die EU-Kommission für alle 27 Staaten bis zu 300 Millionen Impfstoffdosen von Biontech/Pfizer bestellt - eine feste Bestellung von 200 Millionen Dosen und eine Option auf 100 Millionen weitere, die vor kurzem gezogen wurde. Auch die neue Vereinbarung sieht diese Aufteilung vor.

Der Impfstoff von Biontech/Pfizer ist der bisher einzige, der in der EU genutzt wird. Von der Leyen sagte, sie sei besonders froh, dass 75 Millionen Einheiten bis Ende Juni ausgeliefert würden. Sie verteidigte die europäische Impfstrategie: „Ich bin der tiefen Überzeugung, dass dieser europäische Weg richtig ist und ich glaube, in der Rückschau wird sich das auch beweisen“, sagte die deutsche Politikerin. „Europa wird mehr als genügend Impfstoff haben in einem verlässlichen Zeitrahmen.“ Es sei von vorneherein klar gewesen, dass man nicht „auf einen Schlag“ alle impfen könne.

Wenn man eines Tages zurückschaue, werde man sehen, dass es zu Beginn etwas holprig war. „Das ist immer so bei solchen großen Veränderungen, die man angeht. Aber in der Rückschau bin ich der festen Überzeugung, dass man sehen wird, dass hier viel geleistet worden ist in den Mitgliedstaaten, die Impfungen tatsächlich auch auf den Weg zu bringen.“ Sie betonte, dass alle Entscheidungen über Impfstoff-Einkäufe gemeinsam mit den EU-Staaten getroffen würden. Kritik am teils langsamen Impfstart der EU-Staaten vermied die CDU-Politikerin.

EU-Videogipfel zur Corona-Pandemie am 21. Jänner

Die EU-Staats- und Regierungschefs beraten am 21. Jänner erneut über das weitere Vorgehen in der Corona-Pandemie. Wie ein Sprecher von EU-Ratspräsident Charles Michel am Freitag mitteilte, finden die Beratungen als Videokonferenz statt. Im Oktober hatten die Staats- und Regierungschefs verabredet, sich „regelmäßig“ zum Vorgehen in der Pandemie abzustimmen. Eine erste solche Video-Konferenz fand am 29. Oktober statt.

Zuletzt hatten die Mitgliedstaaten am 19. November einen außerordentlichen Gipfel zur Corona-Pandemie abgehalten. Im Zentrum der Beratungen stand damals die Frage, unter welchen Bedingungen Corona-Beschränkungen wieder gelockert werden sollten. Michel hatte damals auch auf eine verbreitete Skepsis gegenüber Impfungen verwiesen und eine Aufklärungskampagne gefordert.