Sars-CoV-2

Europaweite Containment-Lockerungen mit WHO-Warnung

Mit dem Auftreten des Virus Sars-CoV-2 steht die Historie menschheitsbedrohender Pandemien Anfang des neuen Jahrtausends unter dem Eindruck der Coronaviren. Nach Sars-CoV im Jahr 2002 und Mers-CoV 2012 war es der dritte Vertreter dieser Gattung, der beim Menschen tödlich verlaufende Infekte auslöste und mit dazu globale Folgewirkungen, die bisher noch keine „leichte Grippe“ mit sich gebracht hat.

red/Agenturen

Die Bezeichnung „leichte Grippe“ zur Verharmlosung der Krankheit scheint allgemein unpassend: Alle drei dieser Coronaviren können beim Menschen als Wirt schwere und bei einem gewissen Prozentsatz der Infizierten tödliche Atemwegsinfektionen auslösen, vor allem bei bereits vorhandenen Vorerkrankungen und bereits fortgeschrittenem Alter. An Sars (Severe acute respiratory syndrome) litten 2002/2003 fast 8.100 Menschen, mit 774 starben 9,5 Prozent - größtenteils in China und Hongkong. An die 2.500 Mers-Erkrankte (Middle East respiratory syndrome coronavirus) wurden dann ab Herbst 2012 in insgesamt 27 Ländern, ähnlich wie bei Sars, registriert. Hier starben rund 850 der Patienten, also über ein Drittel, nämlich 34,5 Prozent, lauten die Angaben der WHO.

Der tödliche Impact der Krankheit Covid-19, den Sars-CoV-2 seit Ende 2019 zur Folge hatte, ist mit jenen der beiden Vorgänger nicht vergleichbar: Mitte Mai bewegte sich die Zahl der mit dem Virus Verstorbenen auf die 300.000 zu, diesmal in über 200 Staaten. US-Wissenschafter gingen davon aus, dass es dort bis Ende 2020 150.000 Corona-Tote geben könnte. Mit Stand 13. Mai waren es in den USA bereits über 80.000.

50 Mio. Tote durch die „Spanische Grippe“

Sars-CoV-2 hat einen Platz in der Geschichte der Pandemien. Noch ist unklar, wie groß das Ausmaß sein wird - und unklar ist ebenso, wie lange der bisher siebente Sprössling aus der Familie dieser Viren, die statt nur bei Tieren auch beim Menschen Wirkung zeigen, seinen Einfluss noch ausüben wird, ob es zur gefürchteten „zweiten Welle“ kommen wird. Während in Europa in fast allen Ländern die Containment-Politik gelockert wird, warnte die WHO am Mittwoch, dass die Krise weiterhin bestehe.

Eine Krise mit Folgewirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft, die bei der „Schweinegrippe“ 2009/2010 nicht im Ansatz auftraten. 300.000 Menschen starben damals am Virus A(H1N1) - und doch wird Schweinegrippe ebenso wie die Hongkong-Grippe Ende der 1960er-Jahre mit rund einer Million Toten auch als „vergessene Grippe“ bezeichnet. Vor einem Jahrhundert sorgte die Spanische Grippe indes eine Pandemie von historischer Bedeutung auch jenseits der gesundheitlichen Auswirkungen. Bis zu 50 Millionen starben 1918 am Ende des Ersten Weltkriegs weltweit, mehr als 2,5 Prozent der auf über 1,8 Milliarden geschätzten Bevölkerung.

100 Jahre später, 2018, warnten die Autoren der Studie „Back to the Future: Lessons Learned From the 1918 Influenza Pandemic“ vor der Gefahr einer neuen Pandemie. Dies geschah jedoch auf Grundlage sich häufender Influenzavirusstämmen, die sich aus dem Tierreich hinüber zur Menschheit überschlugen. Obwohl Sars-CoV-2 nicht zur Influenzagruppe gehört, treffen nicht wenige Aspekte, die in dem im Fachblatt „Frontiers in Cellular and Infection Microbiology“ publizierten Artikel angesprochen wurden, auf die gegenwärtige Situation zu.