| Aktualisiert:
Coronavirus

Impfstart in Deutschland unter Kritik

Die Kritik am Impfstart klingt auch in Deutschland nicht ab. Die SPD warf Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) abermals vor, zu zögerlich bei der Bestellung gewesen zu sein. Dieser wehrte sich gegen die Vorwürfe und bekräftigte am Mittwochabend: „Es ist am Anfang jetzt knapp. Das war klar, und das ist auch so.“

red/Agenturen

Der bisherige Impfstart ist aus Sicht der SPD zu schleppend verlaufen. SPD-Bundesvize Kevin Kühnert kritisierte die bisherige Impfstoffbeschaffung in der „Rheinischen Post“ und dem „General-Anzeiger“ (Donnerstag). „Es ist doch so: Wenn ich die Nadel im Heuhaufen noch nicht finden kann, sie aber dringend brauche, dann kaufe ich doch erstmal zur Sicherheit den Heuhaufen, und zwar komplett.“ Er bezog sich dabei darauf, dass lange nicht klar war, welche Impfstoff-Entwicklungen erfolgreich sein würden.

Pflegekräfte überraschend impfskeptisch

Spahn wehrte sich gegen Kritik. Im ZDF bekräftigte er am Mittwochabend: „Es ist am Anfang jetzt knapp. Das war klar, und das ist auch so.“ Der neu zugelassene Moderna-Impfstoff werde in den ersten Wochen ebenfalls knapp sein, sagte Spahn. „Und dann ab dem zweiten Quartal wird es Zug um Zug besser.“ Die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer verteidigte die Entscheidung für eine europäisch abgestimmte Beschaffung von Impfstoffen. „Der Kampf gegen Corona sei „immer nur so gut, wie wir es europäisch hinbekommen“, sagte sie.

Während die Politik über den Impfstart diskutiert, wollen sich offenbar ausgerechnet von den Pflegekräften weniger impfen lassen als erwartet. Aus Sicht des Vorsitzenden der Ständigen Impfkommission (Stiko), Thomas Mertens, liegt das vor allem an fehlenden Informationen und Falschinformationen. „Sie dürfen nicht davon ausgehen, dass die Vorkenntnisse hinsichtlich eines mRNA-Impfstoffes beim medizinischen Personal im Durchschnitt so sehr viel besser sind als in der übrigen Bevölkerung“, sagte Mertens.

Keine Impfpflicht geplant

Eine Pflicht zur Impfung im Kampf gegen die Pandemie soll es in Deutschland nicht geben. Diese wird von einer Mehrheit der Deutschen auch abgelehnt, wie eine Umfrage des Meinungsforschungsinstitut YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur ergab. Demnach sprachen sich 56 Prozent gegen eine zwingende Immunisierung gegen das gefährliche Virus aus. 33 Prozent befürworteten einen solchen Schritt dagegen. 11 Prozent machten keine Angaben.

Wie das Robert Koch-Institut (RKI) am Donnerstag bekannt gab, meldeten die Gesundheitsämter in Deutschland 26.391 Corona-Neuinfektionen binnen eines Tages. Außerdem wurden 1070 neue Todesfälle innerhalb von 24 Stunden verzeichnet. Eine Interpretation der Daten bleibt schwierig, weil um Weihnachten und den Jahreswechsel Corona-Fälle laut RKI verzögert entdeckt, erfasst und übermittelt wurden.

WEITERLESEN:
EU will Biontech-Impfdosen nachkaufen