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LKH Graz stoppt nach Kritik Herztransplantationen

Die Steiermärkische Krankenanstaltengesellschaft (KAGes) hat Mittwochnachmittag mitgeteilt, dass das „Herz-Transplantationsprogramm bis auf Weiteres“ ausgesetzt wird. Zuletzt hatte ein Todesfall bei einer Herztransplantation für Wirbel gesorgt: Die Witwe eines 60-jährigen Patienten wandte sich nach dem Tod ihres Mannes an die Öffentlichkeit.

red/Agenturen

Sie will nach der ihrer Meinung nach verpfuschten Transplantation vor Gericht ziehen. Der 60-Jährige hatte 2016 am LKH Graz ein neues Herz bekommen, doch es soll bei der Entnahme verletzt worden sein. Die steirische Patientenombudsfrau Renate Skledar bestätigte Mitte März, dass der Fall bei der Schlichtungsstelle mit der steirischen Krankenanstaltengesellschaft KAGes behandelt wurde.

Ein Gutachten wurde im Einvernehmen beider Parteien bestellt. Das Ergebnis des Sachverständigen fiel dem Vernehmen nach deutlich aus: „Es wurden fachliche, organisatorische und strukturelle Fehler angeführt", sagte Skledar. Daraufhin habe die KAGes außerhalb der Schlichtungsstelle ein zweites Gutachten erstellen lassen, das das Krankenhaus entlastete.

Skledar fand harte Worte für dieses Vorgehen: „Die KAGes hat jeden Boden zur Realität verloren." Man brauche keine Schlichtungsstelle mehr, wenn die KAGes wie beim „Würfeln" vorgehe – „da fehlen einem die Worte". Die Erstellung des zweiten Gutachtens ist in ihren Augen skandalös: „Da können sie gleich machen, was sie wollen." Sie hofft, dass der Weg vor das Straflandesgericht Licht ins Dunkel bringt. „Die Methoden der KAGes-Rechtsabteilung gehören abgestellt." Es würden mit Steuergeldern Steuerzahler genarrt, sagte Skledar.

Außerdem kritisierte Skledar, dass am LKH Graz pro Jahr nur einige wenige Herztransplantationen durchgeführt werden. In den vergangenen Jahren war es manchmal gar keine, maximal waren es drei. Die Fallzahlen sind niedrig, was zu Kritik führte. Seitens der KAGes hieß es, dass Fallzahlen für die Qualität einer Operation wichtig seien. Doch die Chirurgen könnten niedrige Fallzahlen mit Erfahrung aus ihren vorherigen Berufskarrieren wettmachen. Außer Streit sei, dass es bei der Transplantationsoperation zu Komplikationen gekommen war. Die Frage sei nun aber, ob diese ursächlich für den Tod des Patienten waren. Nach den Berichten kamen auch andere Operationen, bei denen offenbar nicht alles gelungen war, an die Öffentlichkeit.

Kompetenzbereich soll mittelfristig neu aufgebaut werden 

Die Steiermärkische Krankenanstaltengesellschaft (KAGes) hat Mittwochnachmittag mitgeteilt, dass das „Herz-Transplantationsprogramm bis auf Weiteres“ ausgesetzt wird. Der Kompetenzbereich soll allerdings mittelfristig neu aufgebaut werden. Zehn ausstehende Operationen sollen an den anderen beiden Zentren in Wien und Innsbruck durchgeführt werden.

KAGes-Vorstandsvorsitzender Karlheinz Tscheliessnigg sagte in einer Aussendung: „Bei Herztransplantationen handelt es sich um äußerst seltene, hochkomplexe Operationen, welche die volle Aufmerksamkeit und höchstmögliche Konzentration des gesamten Herztransplant-Teams benötigen. Daher nehmen wir jetzt den Druck heraus und bauen diesen Bereich neu auf.“ Im Jahr 2018 wurden in Graz vier Herztransplantationen durchgeführt. „Ziel ist es, in Zukunft die Fallzahlen auf ein höheres Niveau zu bringen“, ergänzte der Ärztliche Direktor des Klinikums Wolfgang Köle.

Bei jährlich rund 900.000 Patienten 0,1 Promille Schadensfälle vorgebracht

Das LKH Graz forderte nach den kritischen Berichterstattungen in den vergangenen Tagen und Wochen „Sachlichkeit ein“: „Ich möchte festhalten, dass wir jeden einzelnen dieser Fälle und das damit verbundene menschliche Schicksal bedauern. Allerdings möchte ich die von der Patientenanwältin und von Rechtsvertretern getätigte Darstellung, dass am LKH-Universitätsklinikum Graz überdimensional viele Fehler passieren würden, entschieden zurückweisen“, sagte Köle.

Tscheliessnigg bedauerte: „Leider ist dadurch in der Öffentlichkeit ein Eindruck entstanden, der in keiner Weise mit der tatsächlichen Leistungsfähigkeit des Klinikums Graz übereinstimmt.“ Denn insgesamt würden jährlich rund 900.000 Patienten am Grazer Universitätsklinikum behandelt. Im vergangenen Jahr waren es insgesamt 119 Schadensfälle, die von den betroffenen Patienten oder deren Angehörigen vorgebracht wurden. Köle meinte: „Es handelt sich dabei um einen Anteil von 0,1 Promille.“

LKH Graz
Die steirische Ombudsfrau Renate Skledar verortet an der Kardiologie des LKH Graz (im Bild) und in der steirischen KAGes eine nicht vorhandene Fehlerkultur, stattdessen würde man mauern.
Sachornig