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Coronavirus

Nächste Lockerungen ab Freitag präsentiert

Österreichs Regierung hat weitere Lockerungen der Corona-Maßnahmen mit diesem Freitag präsentiert. Die Erleichterungen betreffen den Kultur- und Veranstaltungsbereich, Hobbysport und die Freizeitgestaltung sowie Tourismus und die Hotellerie. So sind Hochzeiten und Begräbnisse mit bis zu 100 Personen erlaubt. Die Mund-Nasen-Schutz-Pflicht gilt nicht in Freiluftbereichen, etwa auf Ausflugsschiffen.

red/Agenturen

„Die nächste Phase, die wir schon am Freitag ankündigen können, ist die Phase der Eigenverantwortung“, sagte Kurz. Dabei gehe es um „wenige und klare Regelungen“ und „so viel Hausverstand wie nur möglich“. Das Gesundheits- und das Innenministerium würden die Schritte vorbereiten.

„Aufgrund der positiven Entwicklung der epidemiologischen Lage der vergangenen Wochen können wir weitere Lockerungen zulassen", sagte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) am Mittwoch. Er appellierte an die „Vernunft" der Bevölkerung, insbesondere die Abstandsregeln einzuhalten. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) hatte schon zuvor von einer „Phase der Eigenverantwortung" gesprochen. Dabei gehe es um „wenige und klare Regelungen" und „so viel Hausverstand wie nur möglich".

84 Menschen waren am Donnerstagfrüh laut Dashboard des Gesundheitsminsteriums  österreichweit nach einer Covid-19-Erkrankung hospitalisiert. 32 davon befanden sich auf Intensivstationen. Im 24-Stunden-Vergleich zu Dienstag gab es zwei weitere Todesfälle in Wien, die Opferzahl steht demnach bei 645 mit oder an Covid-19 Verstorbenen. 16.541 bestätigte Infektionen mit dem Virus gab es laut Angaben aus dem Ministerium bisher in Österreich. 15.228 Menschen sind nach einer Erkrankung wieder genesen.

In punkto Abstandhalten ist ab Freitag prinzipiell ein Mindestabstand von einem Meter zu Personen vorgeschrieben, die nicht im selben Haushalt leben oder diesen gleichgestellt sind. Grundsätzlich wird im beruflichen Kontext eine Präzisierung vorgenommen. Ist aufgrund "der Eigenart der beruflichen Tätigkeit" der vorgesehene Abstand von mindestens einem Meter nicht einzuhalten, „ist durch sonstige geeignete Schutzmaßnahmen das Infektionsrisiko zu minimieren, etwa durch technische oder organisatorische Schutzmaßnahmen", heißt es in der jüngsten Novelle zur COVID-19-Lockerungsverordnung.

Events und Kultur fahren hoch

Auch Veranstaltungen werden - wie bereits angekündigt - wieder mit mehr Besuchern erlaubt. Mit 1. Juli sind Veranstaltungen mit zugewiesenen und gekennzeichneten Sitzplätzen in geschlossenen Räumen für bis zu 250 Personen und im Freiluftbereich für bis zu 500 Personen zulässig. Mit 1. August sind grundsätzlich Veranstaltungen mit zugewiesenen und gekennzeichneten Sitzplätzen in geschlossenen Räumen für 500 Personen, im Freiluftbereich für 750 Personen erlaubt. Ab diesem Zeitpunkt sind mit einer entsprechenden Bewilligung auch Veranstaltungen für bis zu 1.000 Personen, im Freiluftbereich für bis zu 1.250 Personen möglich. Voraussetzung ist ein Präventionskonzept des Veranstalters.

Der Sonderbeauftragte im Gesundheitsministerium, Clemens Auer, sieht die weltweiten Corona-Notmaßnahmen derweilen als einmalig an. „Wir werden uns nicht erlauben können, bei dem nächsten krassen Influenza-Virus, der zu einer Pandemie werden könnte, oder Corona-Geschichte wieder einen mehr oder weniger globalen Shutdown zu machen", sagte Auer in einer Online-Tagung der „SDGWatch Austria". Für einen Shutdown brauche es „ein sehr wohl dosiertes Risiko-Adjustment (Anpassung, Anm.)", sagte Auer unter Verweis auf die Opferzahlen. Er sprach von 661 Corona-Todesopfern, wobei lediglich 38 Personen jünger als 65 Jahre gewesen seien, „sozusagen im arbeitsfähigen Alter".

Auer äußerte sich auch in seiner Eigenschaft als Mitglied des Exekutivrates der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Er räumte ein, dass die Welt, Europa und auch Österreich „schlecht vorbereitet" gewesen seien auf die Corona-Pandemie. Große Versäumnisse sieht Auer auch im Forschungsbereich. Die internationale Forschung zu Influenza- und Coronaviren habe „in den letzten 20 Jahren versagt". Man wisse viel zu wenig über diese Bereiche, und die Grippeimpfstoffe würden heute immer noch so hergestellt wie in den 1950er-Jahren.

Rückschläge wahrscheinlich

Kurz warnte in einem kurzen Pressestatement nach einer internationalen Videokonferenz mit Amtskollegen aus Ländern, die rasch auf die Coronavirus-Pandemie reagiert haben, aber auch, dass es „auf diesem Weg“ immer wieder zu Rückschlägen kommen könne, zu regionalen Ausbrüchen etwa. „Solange es keine Impfung oder Medikament gibt, wird uns die Krankheit begleiten. Sie ist nicht weg, sie ist nicht ausgelöscht, sie ist nach wie vor Realität.“ Gerade bei Lockerungen sei daher „professionelles Containment“ wesentlich. Die „First-Mover“-Länder, wie Kurz sie nannte, arbeiten außerdem „intensiv"“für die Erforschung von Medikamenten, Impfstoffen und möglichst schnellen Testungen zusammen.

Es handelte sich um die dritte derartige Videokonferenz. Mit Ausnahme Singapurs, das auf Expertenebene vertreten war, beteiligten sich die folgenden Staats- und Regierungschefs: Präsident Carlos Alvarado (Costa Rica) sowie die Ministerpräsidenten Scott Morrison (Australien), Benjamin Netanyahu (Israel), Mette Fredriksen (Dänemark), Kyriakos Mitsotakis (Griechenland), Jacinda Ardern (Neuseeland), Erna Solberg (Norwegen) und Andrej Babis (Tschechien).

Bei der ersten Videokonferenz der Regierungschefs vor etwa einem Monat wurde ein Dialog auf Expertenebene vereinbart, um etwa gemeinsam nach Impfstoffen und Medikamenten zu forschen. Bei der Konferenz vor drei Wochen ging es um regionale Maßnahmen, um eine zweite Infektionswelle zu verhindern. Ein weiteres Thema war das schrittweise Öffnen der Grenzen zwischen Ländern, „die das Coronavirus im Griff haben“, wie Kurz betont hatte.
 

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BKA / Arno Melicharek