Coronakrise

Niederösterreich rüstet sich für steigende Patientenzahlen

Niederösterreich rüstet sich wegen Omikron für stark steigende Infektions- und Patientenzahlen. Zwar dürften die Krankheitsverläufe milder sein, allerdings wird für Anfang Februar ein massives Plus auf Normalstationen erwartet - wobei im schlimmsten Fall auch der Höchstwert an belegten Intensivbetten aus der vierten Welle fast erreicht wird, hieß es nach einer Lagebesprechung am Donnerstag. Das Land fordert indes vom Bund einen Brief an Personen, deren Grüner Pass abläuft.

red/Agenturen

Zur Omikron-Variante erklärte LHStv. Stephan Pernkopf (ÖVP), man rüste sich für diese neue Welle oder Wand - laut Experten müsse man sich „auf ein extremes Krisenszenario einstellen“. In Krankenhäusern werden alle Behandlungen, die nicht lebensnotwendig sind, verschoben. Für Normalstationen wird innerhalb der nächsten zwei Wochen als Obergrenze eine Verzehnfachung auf 700 Covid-Fälle prognostiziert. Die Zahl der Corona-Intensivpatienten - derzeit 37 - könnte sich in der schlechtesten Variante mehr als verdreifachen.

Um den erwarteten Anstieg von behördlich angeordneten Corona-Tests bewältigen zu können, starten zusätzlich zu den bestehenden zehn Drive-In-Stationen nächste Woche vorerst neun Walk-In-Stationen. In Bezug auf PCR-Tests verwies Gesundheitslandesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) auf Laborangaben, wonach bei bis zu 98 Prozent der Proben innerhalb von 24 Stunden ein Ergebnis vorliegt. „Wir haben alles getan, was in unserer Möglichkeit steht. Wenn die Positivraten aber so stark steigen, dass die Laborkapazitäten überlastet sind, müssen wir um Verständnis bitten bzw. wieder verstärkt auf Antigentests setzen“, sagte Königsberger-Ludwig.

In den nächsten Wochen brauchen laut Pernkopf 170.000 Niederösterreicher den Booster, sonst ist ihr Impfzertifikat nicht mehr gültig. Wie auch die Gesundheitslandesrätin übte der Landesvize Kritik am Bund. Für Pernkopf ist es „unverständlich“, dass eine schriftliche Erinnerung zum Booster an Betroffene aus Datenschutzgründen nicht möglich sein soll. „Es ist die Verpflichtung des Bundes, über die Notwendigkeit der Auffrischungsimpfung zu informieren“, betonte Königsberger-Ludwig vor Journalisten. Hier sei Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) gefordert, dass Bürger jetzt angeschrieben werden.

Aktuell 14.887 Corona-Infizierte

Betroffen vom verkürzten Grünen Pass seien zu Beginn der Semesterferien vor allem auch Unter-18-Jährige, erklärte Impfkoordinator Christof Constantin Chwojka. Das Nationale Impfgremium (NIG) empfiehlt den Booster bei Zwölf- bis 17-Jährigen ab dem sechsten Monat nach der zweiten Dosis. Damit eine frühere dritte Injektion nicht „off label“ stattfindet, müsste hier die Empfehlung geändert werden, hieß es.

Die Zahl der aktuell in Niederösterreich mit dem Coronavirus Infizierten ist laut Königsberger-Ludwig innerhalb von sieben Tagen auf 14.887 gestiegen. Den größten Anteil machen dabei Personen bis 29 Jahre aus. Rund 85 Prozent der Infektionen entfallen laut der Österreichischen Agentur für Ernährungssicherheit (AGES) auf die Omikron-Variante. Was Impfungen betrifft, gibt es rund 6.000 Voranmeldungen für das proteinbasierende Vakzin von Novavax. Aufgrund einer Lieferverzögerung wird dieses derzeit für Februar erwartet.

Bildungslandesrätin Christiane Teschl-Hofmeister (ÖVP) bemängelte Probleme mit PCR-Tests an Schulen nach den Weihnachtsferien, nachdem der Bund ein neues Labor beauftragt hat. In puncto Schleckertests an Kindergärten hielt die Landesrätin fest: „Wir bleiben bei der Freiwilligkeit, weil sie gut funktioniert.“ Mehr als 75 Prozent der Kinder machen den Angaben zufolge mit. Wenn sich die Lage durch Omikron verändert, sei man in Bezug auf eine Verpflichtung „gesprächsbereit“. Zum SPÖ-Bürgermeister von Sommerein (Bezirk Bruck an der Leitha), der Schleckertests angeordnet hat, hielt Teschl-Hofmeister fest: Laut Rechtsmeinung des Landes sei es nicht rechtskonform, Kindern den Besuch der Einrichtung zu verwehren, wenn sie sich nicht testen lassen.

 

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Gesundheitslandesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) bat um Verständnis für die überlasteten Laborkapazitäten.
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