Österreichweiter „Lockdown für Ungeimpfte“ ab Montag

Der „Lockdown für Ungeimpfte“ soll in der Nacht auf Montag österreichweit in Kraft treten. Das geht aus dem der APA vorliegenden Entwurf für die 5. Covid-Schutzmaßnahmenverordnung hervor. Damit dürfen Österreicherinnen und Österreicher ohne 2G-Nachweis ihre Wohnung nur aus den schon von früheren Lockdowns bekannten Gründen verlassen - also etwa für notwendige Besorgungen, den Weg zur Arbeit oder zur körperlichen und psychischen Erholung. Ausgenommen sind Kinder unter zwölf.

red/Agenturen

Die in der Verordnung vorgesehenen Maßnahmen bilden einen Mindestrahmen, die Länder können strengere Regeln erlassen. Am Sonntag beraten die Landeshauptleute mit der Bundesregierung in einer Videokonferenz über Maßnahmen zur Eindämmung der aktuell stark steigenden Infektionszahlen. Die Ausgangsbeschränkungen für Ungeimpfte sollen zur „Verhinderung eines Zusammenbruchs der medizinischen Versorgung“ dienen, wie es im Verordnungsentwurf heißt.

Weiterhin möglich sein wird jedenfalls der Weg zur Impfung, wie es im Entwurf heißt. Auch die „Befriedigung religiöser Grundbedürfnisse“ wird möglich sein. Formal muss die Verordnung am Sonntagabend noch vom Hauptausschuss des Nationalrats abgesegnet werden. Angesichts der türkis-grünen Koalitionsmehrheit gilt das aber als gesichert. Die Verordnung gilt vorerst bis 24. November befristet und müsste dann verlängert werden.

Klare Absage an generellen Lockdown - also auch für Geimpfte und Genesene

Dieser Lockdown für Ungeimpfte ist die höchste Eskalationsstufe im Stufenplan der Bundesregierung. Sie sah ursprünglich vor, dass bei einer Intensivstations-Auslastung von über 600 Betten (bzw. 30 Prozent), in der die als „kritisch“ geltende 33-prozentige Auslastung der Intensivkapazitäten mit Covid-Patienten nahezu erreicht wäre, „Ausgangsbeschränkungen“ für Ungeimpfte kommen.

Einem generellen Lockdown - also auch für Geimpfte und Genesene - erteilte Schallenberg einmal mehr eine klare Absage: Es müssten nämlich diejenigen geschützt werden, die sich auch selbst gegen das Virus durch eine Impfung geschützt hätten. Eine „Solidarität“ mit den Ungeimpften im Sinne eines Gangs in den Lockdown dürfe es nicht geben.

Mehr als 13.000 Neuinfektionen in Österreich und 48 Tote

Noch nie hat es innerhalb eines Tages so viele Corona-Neuansteckungen gegeben wie am Samstag. Das Gesundheits- und Innenministerium meldeten mehr als 13.000 - exakt 13.152 - Neuinfektionen. Das liegt weit über dem Schnitt der vergangenen Tage mit 10.395 Fälle. Explodiert ist auch die Sieben-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohner, die nun auf über 800, nämlich auf 814,6 angestiegen ist. Auch 48 neue Covid-19-Tote sind zu beklagen. Die Zahl der Erstimpfungen nimmt weiter zu.

Die 48 Todesfälle sind der höchste Wert seit 26. Jänner. Diese Zahl liegt deutlich über den Schnitt der vergangenen sieben Tage mit 29,6. In der letzten Woche starben 207 Menschen an oder mit Covid-19. Die Pandemie hat in Österreich seit ihrem Ausbruch 11.689 Tote gefordert. Pro 100.000 Einwohner sind das 130,9 Menschen.

Derzeit laborieren 105.580 Menschen in Österreich an einer Corona-Infektion. Das sind wieder um 6.863 mehr als am Freitag. Die größte Zunahme bei den Neuinfektionen gab es erneut in Oberösterreich mit 3.239 Fällen. In Niederösterreich gab es 2.075 Fälle, in Salzburg 1.723, in der Steiermark 1.659, in Wien 1.370, in Tirol 1.281, in Kärnten 946, in Vorarlberg 586 und im Burgenland 273.

Sieht man sich die Neuansteckungen innerhalb einer Woche pro 100.000 Einwohner an, so ist das Bundesland mit der höchsten Sieben-Tage-Inzidenz derzeit allerdings Salzburg mit 1.296,7. Danach folgt Oberösterreich mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 1.266,6, Niederösterreich mit 847,8 und Kärnten mit 847,7. Danach kommen Tirol (814,5), Vorarlberg (810,5), die Steiermark (607,9) und das Burgenland (568,9). In Wien, wo erst am Freitag strengere Maßnahmen beschlossen wurden, lag die Inzidenz bei 456.

Beim bisherigen Nachzügler Oberösterreich ist auch die Zahl der neuen Impfungen besonders hoch. Insgesamt haben sich am Freitag in ganz Österreich 88.712 Menschen impfen lassen - so viele wie an keinem Freitag seit Anfang Juli. Wie schon in den letzten Tagen holten sich die meisten eine Auffrischungsimpfung (52.315), aber auch die Zahl der Erstimpfungen war mit 23.473 so hoch wie seit Juli nicht mehr. Damit sind im November bereits schon mehr „Erststiche“ durchgeführt worden als im gesamten Oktober.

Mückstein sieht Weg der Bundesregierung bestätigt

Am meisten erstmalig Geimpfte dazugekommen sind neuerlich in Oberösterreich (5.573), vor der Steiermark (4.719), Wien (3.862) und Niederösterreich (3.085). In Tirol ließen sich am Freitag 2.413 Menschen erstmals impfen, in Kärnten 1.529, in Salzburg 1.151, im Burgenland 314 und in Vorarlberg 276. Aktuell sind in ganz Österreich 5,8 Millionen Menschen vollständig geimpft (65,1 Prozent der Einwohnerinnen und Einwohner), verfügen also über ein gültiges Impfzertifikat. Schlusslicht ist mit 60,4 Prozent Durchimpfung weiter klar Oberösterreich hinter Salzburg (61,5) und Kärnten (61,8). Spitzenreiter ist das Burgenland mit fast 72 Prozent vor Niederösterreich (67,8), der Steiermark (65,4), Wien (64,4), Tirol (63,9) und Vorarlberg (62,8).

Erfreut über die Impfzahlen vom Freitag zeigte sich Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) in einer Aussendung. Er sieht dadurch den Weg der Bundesregierung bestätigt. „Ich freue mich sehr, dass die Impfstraßen in den vergangenen Tagen wieder gut besucht waren. Das zeigt, dass die Corona-Maßnahmen nachhaltig Wirkung zeigen.“ Besonders positiv stimmten ihn dabei die 23.473 Erstimpflinge: „Seit der Ankündigung von 3G am Arbeitsplatz und auch durch die Einführung von 2G in vielen Bereichen, hat sich die Zahl vervierfacht. Jeder bislang Unentschlossene, der sich jetzt für eine Impfung entscheidet, ist für uns alle ein Gewinn.“

Derzeit müssen 2.282 Menschen im Krankenhaus behandelt werden. Das sind um zwölf weniger als noch tags zuvor. Zurückgegangen ist auch die Zahl jener, die wegen Covid-19 auf der Intensivstation gelandet sind. Derzeit sind das 421 Patientinnen und Patienten, um 15 weniger als noch am Freitag, allerdings um 62 mehr als vor einer Woche.

Die Positivrate bei den Tests liegt derzeit bei 4,2 Prozent. Am Tag davor war sie noch bei 3,15 Prozent. Insgesamt wurden in den vergangenen 24 Stunden 575.146 PCR- und Antigenschnell-Tests eingemeldet, davon waren 314.620 aussagekräftige PCR-Tests. Bald sind in dieser Pandemie 130 Millionen Tests durchgeführt worden. Dieser Wert lag am Samstag bei knapp 129,6 Millionen.

Seit Ausbruch der Krankheit in Österreich hat es 948.100 Corona-Fälle gegeben. 830.831 Menschen haben sich davon wieder erholt.

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Am Sonntag finden Gespräche zwischen dem Bund und den Ländern zu einem möglichen österreichweiten Lockdown für Ungeimpfte statt.
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