Coronakrise

Oö. Experten für mehr Besuche und Lockerungen für Geimpfte in Heimen

Weil die Impfungen in den oberösterreichischen Altersheimen bald abgeschlossen sein sollen, plädieren LHStv. Christine Haberlander (ÖVP) und Soziallandesrätin Birgit Gerstorfer (SPÖ) für Lockerungen bei den Besuchsregeln. Darüber hinaus können sie sich Erleichterungen für Geimpfte vorstellen. Sie stützen sich dabei auf Empfehlungen von Experten. FPÖ-LHStv. Manfred Haimbuchner will ebenfalls gelockerte Besuchsregeln, bei den Vorteilen für Geimpfte ist er aber zurückhaltend.

red/Agenturen

Derzeit sind in Oberösterreich 24 Bewohner und 15 Mitarbeiter an 17 Heimstandorten Covid-19-positiv. Rund 8.800 Bewohner und 6.500 Betreuungspersonen wurden zumindest einmal geimpft, die Zweitimpfungen sollen bis Ende Februar abgeschlossen sein. Angesichts dieser Zahlen hatten am Wochenende bereits der Linzer Bürgermeister Klaus Luger (SPÖ) und der Landesobmann des ÖVP-Seniorenbundes, Altlandeshauptmann Josef Pühringer, Lockungen bei den Besuchsregelungen verlangt.

Aktuell dürfen Bewohner von Alters- und Pflegeheimen laut Bundesvorgabe nur Besuch von einer Person pro Woche bekommen. Wenn die Impfungen Ende Februar abgeschlossen sind, solle man in Heimen ohne aktive Corona-Fälle „unter Einhaltung der derzeitigen Hygiene- und Schutzmaßnahmen zumindest zwei Besuche mit je zwei Personen pro Woche“ erlauben, forderten Haberlander und Gerstorfer in einer Presseaussendung am Montag. Sie stützen sich auf die Ergebnisse einer von ihnen in der Vorwoche eingesetzten Arbeitsgruppe. Diese kommt zu dem Schluss, dass man angesichts des hohen Anteils an Geimpften gewisse Lockerungen vornehmen könne, „um Konsequenzen der Isolierungsmaßnahmen wie Depressionen, Verstärkung demenzieller Erkrankungen oder Verlust von Lebenswillen möglichst rasch entgegenzuwirken“.

Verringerte Testfrequenz bei geimpften Betreuern Thema

Darüber hinaus treten die Experten aber auch dafür ein, „wohngruppenübergreifende Kontakte und Aktivitäten für geimpfte Bewohnerinnen und Bewohner unter Einhaltung der allgemeinen Hygiene- und Schutzmaßnahmen“ wieder zu ermöglichen. Zudem können sie sich vorstellen, dass geimpfte Mitarbeiter nur mehr einmal statt wie derzeit dreimal pro Woche getestet werden müssen. Man könne zwar bisher eine sterile Immunität nach einer Impfung - also, dass man das Virus nicht an Dritte weitergeben kann - noch nicht sicher bestätigen, aber wissenschaftliche Beobachtungen würden zunehmend darauf hindeuten. Eine verringerte Testfrequenz bei geimpften Betreuern sei damit medizinisch vertretbar, so die Experten.

Haimbuchner forderte in einer Aussendung am Montag ebenfalls Lockerungen. Er argumentiert, dass die Impfungen von der Bundesregierung schließlich als „Game-Changer“ beworben worden seien. „Viele haben einer Impfung zugestimmt, weil sie sich davon wieder einen normalen Alltag erhofft haben. Nun sind die Heime durchgeimpft und nichts hat sich geändert“, pocht er auf „versprochene Änderungen“. Er will, dass Pflegebedürftige und ihre Familien wieder normale soziale Kontakte pflegen dürfen, um Kollateralschäden durch die Einsamkeit hintanzuhalten. Erleichterungen für Geimpfte sieht er hingegen skeptisch: Man solle vorsichtig sein, solange die sterile Immunität nicht gänzlich bewiesen sei, und auch, was man hinsichtlich einer Ungleichbehandlung von Geimpften und Nicht-Geimpften in Aussicht stelle, hieß es aus seinem Büro.

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