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Coronavirus-Impfstoff

Pfizer warnt vor Impfstoff-Lieferkürzungen für Europa

Der US-Pharmagigant Pfizer hat nach Angaben der norwegischen Behörden vor anstehenden Lieferkürzungen bei dem gemeinsam mit dem Mainzer Unternehmen Biontech entwickelten Impfstoff gegen das Coronavirus gewarnt. "Die vorübergehende Kürzung wird alle europäischen Länder betreffen", erklärte am Freitag das staatliche Gesundheitsinstitut in Oslo. Die Kürzungen würden "ab kommender Woche" erfolgen, Pfizer wolle in der Zeit seine Produktionskapazitäten verbessern.

red/Agenturen

„Es ist derzeit nicht klar, wie lange es genau dauern wird, bis Pfizer seine maximale Produktionskapazität erreichen wird, die von 1,3 Milliarden auf zwei Milliarden Dosen jährlich steigen soll", hieß es in der Erklärung weiter. Angaben über die Liefermengen für ganz Europa wurden nicht gemacht, nur für Norwegen: Demnach werden für das skandinavische Land in der kommenden Woche nur 36.075 Impfstoffdosen erwartet, zuvor waren es 43.875. Dies entspricht einem Minus von fast 18 Prozent.

Der Impfstoff von Biontech und Pfizer war als erstes Vakzin gegen das Coronavirus in der Europäischen Union (EU) zugelassen worden. Er wird bereits weitflächig eingesetzt. Als zweiter Impfstoff erhielt inzwischen auch das Mittel des US-Herstellers Moderna eine europaweite Zulassung, der Corona-Impfstoff des britisch-schwedischen Herstellers AstraZeneca wird derzeit von der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) geprüft.

Impfungen sind derzeit der Hoffnungsschimmer im Kampf gegen die Corona-Pandemie. Die Zahl der Corona-Infektionen in Europa hatte Freitagfrüh die Schwelle von 30 Millionen überschritten.

Lieferkürzungen für nordische Staaten inakzeptabel

Die vom US-Pharmagiganten Pfizer angekündigten Lieferkürzungen bei dem gemeinsam mit dem Unternehmen Biontech entwickelten Impfstoff gegen das Coronavirus sind für die nordischen EU-Staaten "inakzeptabel". Die Gesundheitsminister von Finnland, Schweden, Dänemark und den baltischen Länder forderten am Freitag ein Einschreiten der EU-Kommission, wie aus einem Schreiben an EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides hervorgeht.

"Wir ersuchen Sie, dringend mit Biontech/Pfizer Kontakt aufzunehmen und eine öffentliche Erklärung der Situation zu verlangen." Es sei notwendig, Stabilität und Transparenz für rechtzeitige Lieferungen zu garantieren, heißt es in dem Brief der sechs Minister. Nationale Regierungen könnten ansonsten nicht ihre Impfkampagne erfolgreich planen.

Aus dem österreichischen Gesundheitsministerium hieß es dazu am Freitag: "BioNTech/Pfizer erweitert seine Produktions- und Lieferkapazitäten in Europa. Diese unternehmensinternen Umstellungen könnten zu einer kurzfristigen Änderung der bereits vereinbarten Lieferpläne Ende Jänner führen, gleichzeitig aber zu einer höheren Liefermenge in den unmittelbaren Wochen danach im Februar. Die EU startet daher sofort Gespräche mit Pfizer. Diese werden heute Nachmittag beginnen, auch Österreich wird dabei vertreten sein. Erst dann werden wir wissen, ob diese Ankündigung auch Auswirkungen auf Österreich hat."

Am kommenden Donnerstag soll ein EU-Videogipfel weiter über die Corona-Koordinierung der EU-Staaten beraten.